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VfB Stuttgart
Reutlingen / Christina Hölz  Uhr
Keine Chance für die Fans: Fußballstar Mario Gomez ließ sich vor dem Reutlinger Amtsgericht nicht blicken.

Am Ende der Verhandlung ging’s um einen Punkt. Einen Zähler hätte der massiv abstiegsgefährdete VfB Stuttgart nach der jüngsten Niederlage in Berlin nur zu gerne mitgenommen. Aber Mario Gomez, der Stürmerstar des Bundesligaclubs, will diesen einen Punkt auf keinen Fall auf sich verbuchen lassen.

War VfB-Star Mario Gomez mit dem Auto zu schnell und mit Handy am Ohr unterwegs? Darum ging es am Mittwoch vor Gericht in Reutlingen. Doch der Beschuldigte war nicht da.

Gomez’ Verteidiger: Achim Bächle

Das jedenfalls sagte Gomez’ Verteidiger Achim Bächle im Reutlinger Amtsgericht. Denn bei besagtem einem Punkt handelt es sich um solche Zähler, die nach Verkehrssünden ins Flensburger Zentralregister eingetragen werden. Und die bei entsprechender Anhäufung jeden von uns den Führerschein kosten können. Ob es bei Mario Gomez um die Fahrerlaubnis geht oder nicht, ist weder bekannt, noch Thema der Verhandlung. Fakt ist aber: Der ehemalige Fußballnationalspieler soll im September 2018 auf der B 27 bei Pliezhausen zu schnell und am Steuer telefonierend unterwegs gewesen sein.

Legendären Blitzer auf der B 27

Mit dem Handy am Ohr rauschte Gomez angeblich in den legendären Blitzer auf der Bundesstraße. Das Tacho zeigte 14 Stundenkilometer mehr als erlaubt. Wegen einer Baustelle galt zu diesem Zeitpunkt Tempo 60 auf diesem Abschnitt der Strecke – tausende Autofahrer waren in die Messanlage gerast.

Die Radarfallen an der B 27 belasten nicht nur das Landratsamt, auch das Amtsgericht Reutlingen kommt an seine Grenzen.

Mario Gomez indessen wehrt sich. Gegen den Bußgeldbescheid legte der 33-Jährige Einspruch ein. Deswegen landete der Fall jetzt vor dem Reutlinger Amtsgericht, wie viele andere Blitzerfälle auch. Diese Verhandlung war dann aber doch alles andere als alltäglich: Ob der Starkicker persönlich kommt oder nicht, stand bis zu Beginn der Sitzung nicht fest. Genau genommen ist vorher wild darüber spekuliert worden, ob der gebürtige Riedlinger mal eben Training und Krisengespräche beim leidgeprüften VfB Stuttgart unterbricht, um in Reutlingen ein Bußgeld abzuschmettern.

Richter Hausch lehnt Einspruch ab

Tut er nicht. Zum Leidwesen der Fans und der Neugierigen, die das Boss-Modell Gomez gerne live gesehen hätten. Die Zuhörerreihen sind gut voll. Dafür endete das eigentliche Prozedere nach wenigen Minuten: Richter Eberhard Hausch lehnte den Einspruch des Fußballers nämlich kurzerhand ab, weil Mario Gomez nicht persönlich zur Verhandlung gekommen war. Sein Arbeitgeber soll dem Fußballstar den Trip nach Reutlingen nicht genehmigt haben, ließ Gomez’ Anwalt durchblicken: „Mario Gomez ist beim VfB momentan unabkömmlich. Die Spieler stehen dort enorm unter Druck“, sagte Achim Bächle und verwies auf die sportliche Situation des Bundesliga-Drittletzten.

Die Erträge aus Bußgeldern von Verkehrssündern sind in den Städten im Südwesten teilweise gestiegen.

Nach jetzigem Stand müsste Mario Gomez also für den Bußgeldbescheid aus dem Landkreis bezahlen. Es sei denn, er und sein Anwalt gehen erfolgreich in Berufung. Und das schließt Achim Bächle nicht aus. „Wir überlegen, was wir jetzt machen. Das Foto des Autofahrers zeigt meines Erachtens nicht Mario Gomez“, erklärte er am Rande der Verhandlung.

Deshalb wolle der Stuttgarter Bundesligaprofi den Bescheid nicht akzeptieren.

Auf dem Blitzerbild seien die Augen des Autofahrers in der Tat vom Rückspielgel verdeckt. Die Person soll also nicht eindeutig zu erkennen sein. In solchen Fällen bemüht das Gericht einen Sachverständigen. Der war in Reutlingen zwar geladen, kann aber nur aktiv werden, wenn der Betroffene selbst vor Gericht auftaucht – was bei Gomez eben nicht der Fall war. Eine Woche hat der Kicker nun Zeit zu überlegen, ob er den Fall juristisch neu aufrollt.

Gomez gehe es dabei nicht um die Strafe für die Geschwindigkeitsüberschreitung – sondern um den Punkt in Flensburg.

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