Unter einem Pfad der Sinne versteht man gemeinhin einen Erlebnispfad. Ausgestattet mit mehreren Stationen, die Bürger dazu anregen soll, die Umwelt wieder bewusster mit den verschiedenen Sinnen wahrzunehmen. Auch unter Berücksichtigung von Menschen mit Behinderung.

In Reutlingen machte man sich, erinnert sich Günther Neuhäuser vom damaligen Amt für Bauverwaltung, Grünflächen und Umwelt erinnert, "1999/2000 auf Standortsuche. Angedacht war der Sport- und Freizeitpark Markwasen. Irgendwann hat man beschlossen, dass es da draußen keinen Wert mehr hat und man entschied sich für das Volkspark- und Pomologiegelände". Bei der Konzeption und Umsetzung war man sich bewusst, dass ein Pfad der Sinne in diesem Umfeld einer ungleich höheren Fremdbenutzung und Vandalismus ausgesetzt ist als vergleichbare Anlagen in nicht unmittelbar besiedelten Gebieten. Es wurde geplant, gebaut und am 22. April 2001 als rollstuhlgerechter Naturerfahrungs- und Erlebnispfad eingeweiht.

Das im Sinne der Agenda 21 vom Land geförderte Projekt bestand aus 13 Stationen, an denen verschiedene Sinne, wie der Seh-, der Tast-, der Hör- oder der Gleichgewichtssinn angesprochen wurden. Ziel des Pfades war es, Natur aktiv unter Einbeziehung aller Sinne wahrzunehmen. Ein intensiverer und nachhaltigerer Kontakt zu ihrer belebten Umwelt sollte den Bürgern vermittelt werden. Stationen wie der Duft- und Tastgarten, der Barfußpfad, das Baumtelefon oder der Summstein luden zum Fühlen, Riechen, Hören und Sehen ein. Ausgestattet mit Erläuterungstafeln, die Texte auch in Blindenschrift. Eine Broschüre für Lehrer und Erzieher war ebenso vorhanden wie ein Angebotsmodul "Behinderte führen Behinderte". Vorhandene Installationen der Landesgartenschau 1984 wurden sinnvollerweise mit einbezogen. Der Stadtverwaltung war bewusst, dass der Pfad der Sinne "sowohl nach regelmäßiger und intensiver Pflege als auch nach finanziellen Mitteln zur Unterhaltung der Anlage verlangt".

Dass es dann aber schlimmer als gedacht kommen sollte, konnte niemand ahnen. Schon zehn Tage nach der Eröffnung, in der Nacht zum 1. Mai, wurde der prächtigen und beispielhaften Anlage übel mitgespielt: Informationstafeln beschmiert und zerkratzt, in den Summstein uriniert, das von den Bruderhaus-Werkstätten gefertigte Baum-Xylophon heruntergerissen. Neuhäuser kann sich noch gut daran erinnern. Auch daran, dass in den Jahren danach immer wieder kostspielige Reparaturen und Säuberungen von nöten waren. Irgendwann wurden dann Stationen durch Vandalismus irreparabel beschädigt, oder sie verschwanden auf Nimmerwiedersehen.

Heute macht nur noch der auf der Pomologie stehende zwei Meter hohe Summstein aus massivem Sandstein auf den einstigen ,,Pfad der Sinne" aufmerksam. Während er die 13 Jahre einigermaßen unbeschadet überstanden hat, kann die dazugehörende, beschädigte und beschmierte Infotafel ihre Funktion schon längst nicht mehr erfüllen.

Anders eine Infotafel, die wie ein Relikt längst vergangener Zeiten im einstigen Werkhofgarten der Landesgartenschau 1984 steht. Nachdem der dortige Teich samt Wasserlauf des damaligen Treffpunktes der Landschaftsgärtner in diesem Frühjahr komplett überarbeitet wurde, erfüllt die Tafel nun wieder ihren Sinn. Unbeschädigt, sauber und auch mit Blindenschrift versehen.