Markt Süß, scharf, lecker

Reutlingen / JÜRGEN HERDIN 25.07.2016
Flanieren, genießen einkaufen: Beim 13. Neigschmeckt-Markt hatten die Besucher die ganz große Auswahl: Über 160 Anbieter kamen in die Oststadt.

Eine ganze Menge Besucher tastet sich in vornehmer Zurückhaltung von Stand zu Stand. Das sind meist „Profis“ in Sachen Neigschmeckt, einem Markt mit regionalen Spezialitäten, seien es süße, saure oder herzhafte, Marmelade oder Ziegenkäse, Nistkästen, Korbwaren, Textiles, Geschnitztes, Modelliertes feine Seifen oder Schmuck.

Gerade aber was die kulinarischen Verlockungen angeht, wissen die erfahrenen Besucher, dass es von der Gartenstraße die Planie entlang bis zum hintersten Teil des Stadtgartens recht weit ist; ziemlich genau einen Kilometer und das meist im Schneckentempo. Ach ja: Richtig fein zubereitete Schnecken gibt’s auch.

Zu diesen Profis gehört auch die Familie Schmid. Das sind die Großeltern Elke und Jürgen Schmid, Sandra und Sacha Schmid sowie die beiden Jüngsten, Lilly (4) und Fynn (6). Sie haben sich nahe des Neigschmeckt-Zugangs beim Planie-Kino postiert und warten auf  Clown „Mampfred“, der später auch im Stadtgarten auftritt.

Heiße Kartoffelchips am Spieß haben sich die beiden Kleinen vorgenommen – und Großmutter Elke bringt’s auf den Punkt: „Wir waren schon so häufig hier, ich liebe diesen Markt!“ Ohne jedes Murren werden sie später schwere Einkaufstaschen tragen – nur der Geldbeutel wird ein wenig leichter sein.

Mama Sandra wird auch das klaglos hinnehme: „Wir warten schon das ganze Jahr auf diesen Markt – und wir bleiben den ganzen Tag hier“. Keine Frage: Das Angebot ist überaus vielfältig. Und gestern konnte man sich beim Biosphärengebiet Schwäbische Alb, bei der Klimaschutzagentur sowie einer geballten Streuobstpräsenz im Stadtgarten auch sehr gut über ökologische Themen informieren.

In der Angelegenheit sind auch Alfons Reiske aus Unterhausen und sein Kumpel Rolf aus Neuhausen mit von der Partie. Sie demonstrieren das Einsammeln von Äpfeln und Nüssen mit einem runden „Rollblitz“ aus Edelstahl. Dank des langen Stiels freut sich auch der Rücken.

Zurück in die Planie. Dort stehen die Leute bei den zahlreichen Gastronomen Schlange, sogar Wildbret ist zu haben. Bei gut 27 Grad im Schatten dreht sich ein bereits gut abgefuttertes Spanferkel am Spieß.

Zumeist müssen Gabriele Janz und Karin Zäh von „Kunst und Feinkost“, die den Markt von Beginn an organisieren, potenziellen „Novizen“ absagen – weil es schlicht an Platz fehlt. Mehr als 160 Stände sollten es nicht sein. Und wer einmal als Händler, Gastronom oder als Kunsthandwerker dabei war, kommt wegen des Ambientes und des Besucherzuspruchs gern immer wieder.

Rund 25?000 Leute werden es  auch gestern wieder gewesen sein, die den Genuss-Markt bevölkerten. Neu zu den Marktsbeschickern haben es  Angelika Bruna und Michael Schmid geschafft. Sie kommen aus Winterbach bei von Schorndorf und haben von Beginn an Zulauf: „Wir haben glutenfreies Speiseeis und verwenden außerdem Demeter-Milch“.

Um Würziges geht es bei Jasmin Strom. Die muss sogar Autogramme geben. Die 22-Jährige ist „Wacholderkönigin“, Ein Neigschmeckt-Besucher umgarnt die junge Dame, bekommt auf deren Postkarte die Unterschrift. Doppelt genossen haben das Wochenende übrigens Barbara Möck und Eva Hessler-Röhlich aus Mössingen. „Wir waren erst beim Konzert von Andrea Berg in Aspach und haben uns hier zwei grüne Strohhüte besorgt“, erzählt die putzmuntere Eva. Denn jetzt geht’s erst richtig los. Das Duo will nun  so richtig „reinschmecken“ in einen der größten Märkte dieser Art im Lande.