Südwestmetall Südwestmetall fordert bei der Arbeitszeit mehr Flexibilität für die Betriebe

Südwestmetall-Geschäftsführer Jan Vetter.  Foto: Südwestmetall
Südwestmetall-Geschäftsführer Jan Vetter. Foto: Südwestmetall
Reutlingen / swp 22.02.2017

 Die Metallarbeitgeber in der Region Neckar-Alb und Nordschwarzwald haben eine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeit angemahnt. „Wir haben bereits heute eine hohe Flexibilität, die unsere Nachteile im globalen Wettbewerb durch hohe Lohnkosten teilweise ausgleicht“, sagte Reiner Thede, Vorsitzender der Bezirksgruppe Reutlingen des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, nach einer Vorstandssitzung: „Allerdings werden die bisherigen Möglichkeiten kaum ausreichen, um künftige Herausforderungen zu meistern – zumal, wenn Gesetzgeber und Gewerkschaften ihrerseits immer mehr Arbeitnehmeransprüche auf Zeitsouveränität fordern und beschließen, die wiederum die Beweglichkeit der Betriebe einschränken.“

Aus Sicht des Vorstandes der Südwestmetall Bezirksgruppe Reutlingen besteht dabei sowohl gesetzlicher als auch tariflicher Handlungsbedarf. Als „überholt“ bezeichnet Andreas Kraut, geschäftsführender Gesellschafter der Bizerba SE & Co. KG, die gesetzliche Beschränkung der täglichen Höchstarbeitszeit auf zehn Stunden sowie die gesetzlich vorgeschriebene Mindestruhezeit von elf Stunden zwischen Arbeitsende und Arbeitsbeginn am nächsten Morgen: „Uns geht es nicht um eine generelle Verlängerung der Arbeitszeit. Aber wir stehen im ständigen Kontakt mit Kunden und Partnern rund um den Globus. Das funktioniert nicht mehr mit dem klassischen ‚Nine-to-five‘-Modell.“ Immer häufiger sei es zudem der Wunsch der Beschäftigten selbst, die Verteilung und Lage der Arbeitszeit flexibler zu handhaben: „Auch hier sind die gesetzlichen Regelungen ein Hindernis.“

Angesichts der zunehmenden technischen Möglichkeiten hält Dr. Jan Vetter, Geschäftsführer der Südwestmetall Bezirksgruppe, zwar in etlichen Bereichen mehr Flexibilität für beide Seiten auch ohne Interessenkollision für möglich: „Aber eine völlig einseitige Wunscharbeitszeit für Arbeitnehmer kann es nicht geben.“ Schließlich entscheide der Kunde, was wann produziert werde, und der Kunde bezahle letztlich auch dafür. „Das Weisungsrecht des Arbeitgebers darf daher nicht ausgehöhlt werden. Wenn die Beschäftigten kommen und gehen dürfen, wie es ihnen beliebt, wäre dies aber der Fall.“

Kritisch bewertet Thede die Bemühungen des Gesetzgebers, den Arbeitnehmern immer mehr Ansprüche einzuräumen, Arbeitszeit für persönliche Belange wie Familie, Pflege oder Weiterbildung vorübergehend zu reduzieren. Besonders problematisch sei dabei das geplante Recht auf befristete Teilzeit, verbunden mit einem Rückkehrrecht in Vollzeit: „Insbesondere kleinere Betriebe würden dabei große Schwierigkeiten bekommen, das entfallende Arbeitsvolumen zu kompensieren.“ Da die Stelle ja wegen des Rückkehrrechts prinzipiell freigehalten werden müsse, kämen zur Überbrückung oftmals nur Zeitarbeit, Teilzeit oder Befristungen in Frage. „Da kann es doch nicht sein, dass Politik und Gewerkschaften solche Beschäftigungsformen als ‚prekär‘ brandmarken und immer weiter einschränken.“

Guido Kunzmann, Geschäftsführer der Lechler GmbH, plädiert daher auch dafür, mehr Möglichkeiten zu schaffen, das individuelle Arbeitsvolumen vorübergehend oder dauerhaft erhöhen zu können: „Tarifliche Regelungen, die das Arbeitsvolumen künstlich verknappen, stammen aus einer Zeit der Massenarbeitslosigkeit und sind angesichts wachsender Fachkräfteengpässe nicht mehr zeitgemäß.“ Auch sei es wenig hilfreich, wenn der bestehende Spielraum über Flexi-Konten auf Grund des Widerstands von Gewerkschaften und Betriebsräten nicht ausgeschöpft werden könne: „Ob bei der Verteilung oder der Lage der Arbeitszeit und beim Volumen: Bei allem darf sich Arbeit nicht verteuern.“

Rolf Geisel, Geschäftsführer der Friedrich Boysen GmbH & Co. KG, verweist darauf, dass sich das globale Umfeld für die Metall- und Elektroindustrie derzeit gravierend verändere. Die neue US-Regierung habe mehr Protektionismus angekündigt, auch in Europa zeichneten sich mit dem Brexit zusätzliche Handelserschwernisse ab. Zudem stehe die Industrie durch die Digitalisierung und in Teilbereichen durch die Elektrifizierung der Mobilität vor großen Herausforderungen. „In dieser Situation erwarten wir von Politik und Gewerkschaften, dass sie die Betriebe nicht mit noch mehr Anforderungen belasten“, so Geisel: „Statt zusätzlicher Pflichten und Regelungen, die die Betriebe einengen, benötigen wir Entlastungen, mehr Spielraum und Unterstützung, um unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit verbessern zu können.“