Sieben Musikwerkstatt-Bands aus allen Altersstufen waren angetreten, um das JugendArt-Zeltfestival lautstark zu eröffnen. Die "Ladies First" machten ihrem Namen die Ehre und starteten charmant schüchtern und mehrstimmig das RocknRoll-Kränzchen: "Wir sind die besten Freunde", singen die First Ladies, die sich in selbst bedruckten Band-T-Shirts präsentierten. Denn eine gute Live-Band macht nicht nur Musik, sondern liefert auch eine prima Performance ab, das wissen wir ja nicht erst seit Dieter Bohlen. Der wiederum wäre sicherlich neidisch gewesen, auf das, was die Zuschauer am Sonntag im Zelt geboten bekamen.

"Chicken Beats" hieß die nächste Combo, deren Musiker schon reichlich flügge wirken: "I Wanna Fly Away" von Lenny Kravitz singen sie. Der Nebel macht aus ihren "Sweet Dreams" eine echt düstere Rockshow. Das Zelt tobt. Sehr beliebt bei den jungen Bands der Reutlinger School Of Rock ist auch "Hit The Road Jack" - das gleich mehrere Bands kunstvoll malträtierten. Genauso war der Evergreen "Knockin On Heavens Door" in mehreren interessanten Versionen zu hören. Von oben regnete es ins Zelt, und die Chicken Beats sangen dazu passend: "Es ist voll Winter, da krieg ichn kalten Hintern, das find ich gar nicht toll, ich vermiss die Wärme voll."

Am schönsten ist Lyrik doch immer dann, wenn sie einem aus dem Herzen spricht. "Nikolaus is in da house. Und packt unsere Geschenke aus" - da sag noch einer, die Jugend sei nicht kreativ. Auf jeden Fall aber hat sie einen Mordsspaß an Schlagzeug, Gitarre, Bass, Keyboard und Mikro und verwandelt das brave Zirkuszelt noch mit "Seven Nation Army" von den "Whites Stripes" in ein Stadion.

"Black Fire" geht mit hübschen Hüten ans Werk, singt "Schule ist fast jeden Tag, auch wenn das nicht jeder mag" und macht dabei mächtig Dampf auf der Bühne. Sie "spielen Lieder, die die Welt nicht kennt" und haben darin nicht weniger als die Weltformel entdeckt: "Ferien dürfen niemals aufhören." Dazu gibts eine satte Dosis RocknRoll. "Wir sind ne tolle Band, die noch niemand kennt, doch das wird sich bald ändern", heißt es ganz unbescheiden, denn "Black Fire macht uns Spaß, Black Fire gibt Gas". Dann gibt es noch eine schöne, melodische Ballade sowie eine flotte Nummer zum Thema "Bus verpasst" mit Gitarrensolo.

"Under Pressure" wiederum macht mit kompaktem Sound, zwei Sängern, strammer Rhythmusfraktion und einer unerschrockenen Live-Performance richtig Power mit "In The End" von Linkin Park. Ihr selbstgeschriebenes "Fallen" klingt dramatisch-rockig, und Schlagzeuger Denis gibt alles. "Under Pressure" kann ebenfalls alles: rockig und balladig, Power und Gefühl.

Und auch bei "Brennwert" brennt die Luft, sie haben "Bock auf Fire" und pflegen einen schneidigen, metallischen Sound, der fast schon ins Elektro-Rockige geht, man wähnt sich in NDW- und Kraftwerk-Zeiten. "Brennwert" sind Propheten der guten Laune, machen mit ihrer unverkrampften Live-Show ordentlich Stimmung im Zelt und haben ziemlich Spaß bei der Sache. Ihre Songs sind mit effektvollen Breaks super arrangiert: Krach vom Feinsten. "Volle Kraft durchs Leben" singen sie, und das gilt auch für ihre Show. "Such das Glück, finde die Liebe", heißt einer ihrer vielen "Klassiker" viel sagend.

"The Weirdos" repräsentieren dann wiederum eher die coole, die charismatische Fraktion: alles in Schwarz-Weiß. Die Jungs sind an ihren Instrumenten schon sehr versiert und bringen Hits von GunsnRoses und Pink Floyd auf die Bühne. Können aber auch lustig sein: "Würden wir Freibier heißen, wär hier alles voll."

Dann treten noch die Stars der Musikwerkstatt-Manege auf: die legendären "Soulhossas", die immerhin schon den (Ex-)Bundespräsidenten gerockt haben. Und die mit ihrer routiniert guten Show und ihren unkonventionellen Songs "Schwitzen für RocknRoll" und "VfB - Oh, du bist mein VfB Stuttgart" unbedingt ins Stadion gehören. Hossa!