Die Stadt Reutlingen will die Elektromobilität weiter fördern. Zum Beispiel mit finanziellen Anreizen. So hat jetzt der Bau-, Verwaltungs- und Umweltausschuss sein Einvernehmen signalisiert, für eine Testphase von zwei Jahren E-Autos (und zwar nur solche mit E-Kennung) für die Dauer von vier Stunden an der Park-und-Ride-Anlage am Hauptbahnhof, auf dem Parkplatz am Leonhardsplatz und im Parkhaus Lederstraße von den Parkgebühren zu befreien. Die E-Auto-Besitzer können dort ganz normal mit Parkscheibe parken. An diesen Standorten gibt es zudem Ladestationen. Am Donnerstag wird sich der Finanz- und Wirtschaftsausschuss ebenfalls mit dem Thema befassen, bevor dann ein Gemeinderatsbeschluss erfolgen kann.

Zunächst war sogar ein generell kostenfreies Parken im Gespräch, die CDU hätte sich dafür begeistern können. Allerdings gab Ordnungsamtsleiter Albert Keppler zu bedenken, dass auch E-Autos Fläche verbrauchen. Es könne nicht sein, dass gewisse Parkplätze dann dauerhaft von E-Autos beparkt seien. „Wir wollen einen gewissen Umschlag auf den Parkplätzen haben.“ Da zwei Stunden, wie zunächst von der Verwaltung vorgeschlagen, für manchen Gemeinderat dann doch als etwas wenig erschien, einigte man sich schließlich auf vier Stunden. Der Einnahmeausfall für die Stadt ist gering. Zahlen aus Stuttgart, wo ein entsprechendes kostenfreies Parken bereits praktiziert wird, sprechen von drei Prozent Einnahmeausfall.

Das kostenfreie Parken für E-Autos wird sicherlich nicht den Umschwung für eine saubere Luft in der Stadt bringen. Vielmehr versucht die Stadtverwaltung derzeit, begleitend zu den großen Maßnahmen wie Durchfahrtsverbot für Lkw und Tempolimits sowie Reduzierung der Ampel-Grünphasen in der Innenstadt auch auf kleinere Maßnahmen zu setzen und Anreize für Elektromobilität sowie den Umstieg auf Bus und Bahn zu schaffen. Nach dem Ende der zweijährigen Pilotphase soll neu entschieden werden, wie in Zukunft mit den E-Autos verfahren wird.

Das kostenfreie Parken für E-Autos ist in deutschen Städten und Kommunen keineswegs unumstritten. So hat zum Beispiel die Stadt Konstanz im Herbst vergangenen Jahres das kostenlose Parken für die „Stromer“ wieder abgeschafft. Schließlich wolle man, dass die Besucher der Stadt auf den ÖPNV umsteigen.

Umwelthilfe schießt sich auf Stadt ein


Welche Agenda verfolgt Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe? Diese Frage muss man sich unweigerlich stellen, nachdem Resch sich jetzt am Wochenende erneut auf Reutlingen eingeschossen hat. Was die Stadt  zur Verbesserung der Luftqualität unternehme, reiche nicht aus. In einem Interview mit dem SWR ließ Resch durchblicken, dass er noch in diesem Herbst für Diesel-Fahrverbote in Reutlingen sorgen will. Ohnehin seien auch zu viele Privatautos in der Stadt Reutlingen unterwegs. Die Deutsche Umwelthilfe, die gerade mal 243 Mitglieder zählt (im Vergleich: NABU und BUND haben jeweils über eine halbe Million Mitglieder) scheint an der Stadt Reutlingen ein Exempel statuieren zu wollen. Carola Eissler