Reutlingen Stück für Stück durchs Erdreich

Die Fernwärmerohre an der Marienkirche verschwinden bald unter einem provisorischen Straßenbelag.
Die Fernwärmerohre an der Marienkirche verschwinden bald unter einem provisorischen Straßenbelag. © Foto: Anne Leipold
Reutlingen / ANNE LEIPOLD 06.06.2015
Seit März wird entlang der Nordseite der Marienkirche und in der Oberamteistraße gebuddelt, um das Fernwärmenetz auszubauen. Dazu gibt's gleich neue Rohre für Abwasser sowie für Gas und Frischwasser.

"Stücklesweise" arbeiten sich die sieben Männer um Polier Dietmar Benz durchs Reutlinger Erdreich entlang der Marienkirche und in der Oberamteistraße. Parallel zu den alten Abwasserrohren werden für die Fair-Energie neue verlegt. Auch sollen neue Gas- und Frischwasserleitungen die in die Jahre gekommenen Leitungen ablösen. Und dazu gibt's jetzt auch Fernwärme. Diese wird von der Rebentalstraße über die Kanzleistraße und die Oberamteistraße verlegt. Dann wird die Wilhelmstraße gequert und die Leitungen entlang der Marienkirche über die Metzgerstraße hinweg bis zum Anfang der Aulberstraße verlegt. Um damit auch aktiv etwas zum Klimaschutz beizutragen, heißt es von Seiten der Fair-Energie. Bislang erstreckt sich das Fernwärmenetz in Reutlingen über etwa 27 Kilometer.

Ganz schön viel zu baggern haben die Männer von der Metzinger Baufirma Brodbeck also, denn für Fernwärme und Abwasser gibt es jeweils einen Kanal - und dann noch einen dritten für Gas und Frischwasser. Sie sind außerdem zuständig für die Verlegung der Abwasserrohre und dem Einbau der Kanalschächte. Die Fernwärmeleitung wird dann von einer Rohrleitungsfirma verlegt. Gas und Frischwasser verlegt die Fair-Energie. Benz und seine Männer machen die Gräben schließlich wieder zu.

An der Nordseite der Marienkirche sind die Arbeiten nahezu abgeschlossen. "Das Abwasser an der Marienkirche ist fertig, gerade sind wir bei der Fernwärme", sagt Benz. Bis Mittwoch noch muss der Graben mit der Fernwärme offen bleiben, um sicherzugehen, dass die jeweils zwölf Meter langen Stahlrohren dicht sind. In denen nämlich wird heißes Wasser transportiert, weshalb nochmal eine dicke Isolierschicht um die Rohre gelegt wird. Dann verschwinden die Rohre im Sand und unter dem Straßenbelag.

Danach geht's auf der anderen Seite der Marienkirche weiter, da verlegt die Reutlinger Firma Adolf List die neuen Abwasserrohre. Bis November sollen die Arbeiten beendet sein. Noch im Juni soll es auf dem Weibermarkt mit den Straßen- und Pflasterarbeiten los gehen, die ebenfalls List übernimmt. Die Fertigstellung ist bis Ende Juni 2017 angepeilt. Dem Weindorf und auch dem Weihnachtsmarkt stünden die Bauarbeiten nicht im Wege, versichert die Fair-Energie.

In der Oberamteistraße sind die Männer um Benz noch bis Mitte August zu Gange. Gerade werden die Gräben für die Abwasserrohre ausgebaggert. "Wir heben ein Loch auf Sollhöhe aus, dann kommt Splitt rein, der Kanalschacht wird darauf gesetzt. Wenn der Schacht sitzt kommt der Hauptgraben, ein Splittbett und dann die Stahlbetonrohre", erklärt Benz. Auf die Rohre kommt erneut Splitt, schließlich wird alles mit Verfüllmaterial zugemacht, etwa mit Siebschutt oder gutem Material, das vom Ausheben der Löcher und Gräben über ist. Bis zur Ecke Kanzleistraße wird das "stücklesweise aufgemacht und gleich wieder zugemacht", sagt Benz. Anschließend wird auch hier in einem separaten Graben Fernwärme verlegt und anschließend Gas- und Frischwasserleitungen.