Pfullingen Straßenbahnen und Musik

Startklar stehen sie vor dem „Beiwagen 40“ (von links) Dieter Metzger, Horst Rehm, Martin Schindler und Michael Wödl von der Stadtkapelle Pfullingen.
Startklar stehen sie vor dem „Beiwagen 40“ (von links) Dieter Metzger, Horst Rehm, Martin Schindler und Michael Wödl von der Stadtkapelle Pfullingen. © Foto: Herdin
Pfullingen / JÜRGEN HERDIN 28.07.2016
Das zweitägige Fest kann beginnen, gefeiert werden am Wochenende 100 Jahre Straßenbahn. Auftakt ist am Samstag um 19 Uhr auf dem Marktplatz.

Technik-Nostalgiker und Straßenbahn-Romantiker werden sich über dieses pralle Angebot ebenso freuen wie „ganz normale“ Besucher. In Zusammenarbeit haben der Musikverein Stadtkapelle und der Verein zur Brauchtumspflege für Samstag und Sonntag ein buntes Programm auf dem Marktplatz vorbereitet.

„Wir haben dann ein Zelt auf dem Marktplatz aufgebaut“, so Michael Wödl, der Vorsitzender der Stadtkapelle ist. Damit solle allen Eventualitäten des Wetters getrotzt werden. Wödl legt auch Wert darauf hinzuweisen, dass mit dem Fest keine bestimmte Bevölkerungs- oder Altersschicht angesprochen wird. Das wird ein zweitägiges Fest für alle“, so Wödl.

Und der grüne „Beiwagen 40“, also der Straßenbahnwagen aus den 50er Jahren, steht vor dem Rössle und kann natürlich besichtigt werden, so Dieter Metzger, der Vorsitzende des Brauchtumsvereins. Der Waggon soll Anfang August wieder neben die Martinskirche gestellt werden, was das Transportunternehmen Volk besorgen wird.

Wer mehr über 100 Jahre Straßenbahn in Pfullingen erfahren will, kann dies zusätzlich im Schlössle tun, wo die Ausstellung des Brauchtumsvereins mit schönen originalen Schauobjekten zu sehen ist – so einem Führerstand, der auch betreten werden kann. Wobei das Motto „100 Jahre“ missverständlich sein könnte, denn bereits 1974 musste die Tram weichen, der Marktplatz wurde kurz danach zur Fußgängerzone

Zwei Tage lang wird auf dem Marktplatz gefeiert, und fehlen darf da die Musik natürlich nicht, lautet doch das Motto auch „Nostalgie und Musik“. Zum Frühschoppen am Sonntag spielt der Musikverein Sondelfingen bis etwa 13 Uhr. Ab 14 Uhr wird der von den Köhlermusikanten aus Kohlstetten abgelöst.

„Für uns alle t es das Highlight“ sagt Dieter Metzger. Wobei das auch finanziell so sein wird. Allein nur dafür, dass der alte Beiwagen besichtigt werden darf, wurden hohe Versicherungsgebühren fällig; dabei fährt der nicht einmal. Immerhin konnten Sponsoren gefunden werden, die von der Idee auch  angetan waren. Martin Schindler vom Brauchtumsverein und der städtische Kümmerer Horst Rehm berichteten bei einem Pressegespräch über weitere Details der Festivitäten. Die erste offizielle Kooperation von Brauchtumsleuten und Blasmusikern sieht auch vor, dass zur Bewirtung der Vereine auch eine zusätzliche Attraktion geplant ist. Lanz Bulldogs und andere Trecker-Oldtimer sind auf dem Marktplatz zu sehen.

„So einen Diesel-Glühvorgang des Motors der alten Sägemaschine aus dem Baujahr 1950 muss man einfach erlebt haben“, schwärmt Metzger. Wie überhaupt alle der in langer Arbeit restaurierten Gefährte und Maschinen noch oder wieder  funktionsfähig sind.

Los geht’s am Samstag auf dem Marktplatz um 19 Uhr, wenn Bürgermeister Michael Schrenk beim Fassanstich dabei sein wird. Dann gibt es auch Live-Musik des Duos „Sonnenklar“ und jede Menge kulinarische Köstlichkeiten vor und im Zelt des Musikvereins Stadtkapelle.

Am Sonntag dann holt der Brauchtumsverein seine Oldtimer auf den Marktplatz: Neben einem legendären Hanomag wird der erst unlängst frisch restaurierte Weinbergschlepper, der Knick-Lenker der Firma Holder, zu bestaunen sein.

Das Jubiläumsprogramm geht übrigens bis zum 19. August. Heute, Donnerstag, ist vor Ort ab 18 Uhr eine Modenschau mit dem Namen „Outfit und Schairers Esskultur“. Der Brauchtumsverein berichtet am Mittwoch, 3. August, von den Restaurationsarbeiten am Triebwagen „TW 29“. Die Gaststätte „Rosenkranz Genuss“ und das Weinhaus Erdmann bewirten und verwöhnen die Besucher am Samstag, 6. August.

An Stadtarchivar Stefan Spiller ist es dann, am Montag, 8. August „den langen Weg zur Pfullinger Straßenbahn“ zu skizzieren. Die Zeiten im Detail stehen noch nicht im Programm, da wolle und müsse man flexibel sein, so Horst Rehm. Jedoch würden Interessierte noch zeitnah informiert.

Ein weiterer Höhepunkt wird am Mittwoch, 10. August, zu erleben sein. Bernhard Madel, der als ganz junger Mann Straßenbahnschaffner wird, berichtet dann über seine Erlebnisse. Bekanntermaßen hatten Schaffner damals noch so richtig etwas zu sagen – und zu leisten.

Ebenfalls bestens mit der Materie Tram kennt sich Wolf-Rüdiger Gassmann aus. Am Freitag, 12. August, sorgen er und der Filmemacher Raimund Vollmer für spannende Straßenbahngeschichten. Vollmer zeigte erst unlängst wieder den Dokumentarstreifen über die Linie 1, wie sie zwischen dem Reutlinger  und dem Pfullinger Marktplatz verkehrte.

Der Fotografenmeister Steffen Burgemeister, mit seinem fast unerschöpflichen Fundus an Material so  gleichsam  das „fotografische Gedächtnis“ der Stadt, zeigt am Mittwoch, 17. August, jede Menge Fotografien zum Thema Straßenbahnen in Pfullingen.

Solange übrigens der legendäre Beiwagen noch vor dem „Rössle“ geparkt ist, gibt es dort tagsüber vom „Becka Beck“ einen Filterkaffee „wie zu Omas Zeiten“. Die Frau von „Käsekult“ nebenan wartet auch am Wochenende, mit zahlreichen Leckereien und Weinen auf. Am 19. August ist wieder „Rosenkranz“ an der Reihe.