Reutlingen/Pfullingen Stetes Ringen um mehr und gutes Personal

In den Reihen der für langjährige DRK-Mitgliedschaft Geehrten (von links) Christiane Voß von der Bereitschaftsleitung und DRK-Präsident Andreas Glück bei der Mitgliederversammlung des Kreisverbands.
In den Reihen der für langjährige DRK-Mitgliedschaft Geehrten (von links) Christiane Voß von der Bereitschaftsleitung und DRK-Präsident Andreas Glück bei der Mitgliederversammlung des Kreisverbands. © Foto: Foto: Jürgen Herdin
Von Jürgen Herdin 12.06.2018

Personalengpässe gibt es beim Deutschen Roten Kreuz nicht nur auf Landesebene. Auch der Kreisverband Reutlingen suche  händeringend nach qualifizierten Leuten, so DRK-Präsident Andreas Glück. Immerhin: Derzeit 30 Ausbildungsplätze sind keine schlechte Ausgangsposition.

Doch auch die demnächst aus dem Amt scheidende Landesdirektorin Renate Kottke weiß, „dass wir eine angespannte Personalsituation und mehr offene Stellen als Auszubildende haben.“ Kottke lobte die Arbeit des DRK im Kreis Reutlingen: „Hier leisten die Verantwortlichen eine konstant hervorragende Arbeit – und Sie haben dabei immer auch die Wirtschaftlichkeit im Auge.“

 Um den Nachwuchs ist es auch ganz gut bestellt: Im Kreis betreuen mehr als 50 ausgebildete Gruppenleiter derzeit rund 350 Kinder und Jugendliche zwischen sieben und 18 Jahren. Nun übernimmt Kathrin Reiber die Leitung des Jugendrotkreuzes. Sie löst Janna Schreiber ab, die nach vielen erfolgreichen Jahren im Ehrenamt nun einfach wieder normales DRK-Mitglied sein will.

Auf der Kreisversammlung im Rettungs- und Katastrophenzentrum in Pfullingen wurde gleich mehrfach daran appelliert, noch mehr Jugendliche zu gewinnen, personelle Engpässe zu beseitigen – und insgesamt mehr Mitglieder zu gewinnen. Nun ist das DRK mit rund 20 000 Mitgliedern  der größte Verein im Landkreis, davon sind 700 aktiv tätig. Doch auf diesen vermeintlichen Lorbeeren will sich Präsident Andreas Glück nicht ausruhen. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten startet das DRK im Kreis nun durch, ein Unternehmen startet mit der Mitgliederwerbung demnächst in Pfullingen.

Renate Kottke, außerordentlich gut über die hiesigen Verhältnisse informiert, nahm in ihrer Rede viel vom Jahresbericht 2017 vorweg. Ein „Erfolgsmodell“ sei neben dem sozialen Engagement des DRK vor allem das Pflege- und Seniorenzentrum in Oferdingen, das nun schon zehnten Geburtstag feiern kann. Aus dem Finanz-Jahresbericht geht überdies hervor, dass  die Einrichtung sehr rentierlich arbeitet.

Rettungsdienste, die DRK-Bergwacht, die Rettungssanitäter, Pflegedienste, Alzheimer- und Demenzberatung, Blutspendenaktionen und  Migrationsberatung: Die Aufgaben des DRK-Kreisverbandes sind vielfältig – insgesamt bewegt der Verein jährlich 11,6 Millionen Euro; wobei sich Ein- und Ausnahmen auch 2017 weitgehend die Waage  hielten, wie Schatzmeister Sascha Schwörer berichtete.

Die DRK-Bergwacht mit Standorten in Bad Urach und Pfullingen, so deren Repräsentant im DRK-Präsidium, Jörg Greiner, hatte im Vorjahr  46 Einsätze – was durch die vielen, steilen  Hanglagen der Region bedingt ist. Durch noch mehr Alb-Tourismus wird es der Bergwacht wohl auch heuer nicht langweilig werden.

Der Rettungsdienst ist recht  gut aufgestellt, wobei es nun auch gelungen ist, den Notarztstandort Trochtelfingen personell zu verbessern. Jeweils zwölf Stunden ist der nun an allen Tagen in der Woche besetzt.

Das freut den DRK-Kreispräsidenten Andreas Glück ebenso wie die hohe Leistungsbereitschaft der ehrenamtlichen „Helfer vor Ort (HVO)“. Sie sind gut ausgebildet und – regional flächendeckend präsent – in vielen Fällen schneller am Unfallort als der Rettungsdienst aus den Kliniken. 5152 Mal wurden die insgesamt 174 Leute im Jahr 2017 gerufen.

„So sind wir im Rettungsdienst besser als die Statistik, denn die Helfer vor Ort werden dort überhaupt nicht erfasst“, weiß Glück. Kreisbereitschaftsleiterin Christiane Voß hat also eine schlagkräftige Truppe, weiß aber ebenso wie viele DRKler, dass die Einsatzkräfte immer häufiger beschimpft und sogar körperlich angegriffen würden.

Martin Fink, der stellvertretende Pfullinger Bürgermeister, machte dies in seinem Grußwort anhand von selbst Erlebtem deutlich. Die Arbeit der DRK-Retter gewinne vor allem auch deshalb an Bedeutung, weil heute kaum mehr Verkehrsteilnehmer am Unfallort bereit seien, den Menschen Hilfe zu leisten, so Finks Erfahrung.

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