Mittelstadt Stein folgt auf Holz

Es gibt noch viel zu tun - und hoffentlich keine bösen Überraschungen.
Es gibt noch viel zu tun - und hoffentlich keine bösen Überraschungen.
NORBERT LEISTER 29.03.2012
Vor hundert Jahren wurde die neue Martinskirche in Mittelstadt erbaut. Um die dringenden Reparaturen auszuführen, braucht die Kirchengemeinde allerdings noch einiges an Spendengeldern.

Eine Holzkirche stand zuvor auf dem Platz, an dem seit 100 Jahren das Gotteshaus aus Stein auf diesem Hügel hoch über dem Neckartal thront. Die Version in Holz hieß genauso wie die nachfolgende Steinvariante - Martinskirche. Nur: Die einstige war zu klein geworden, viel größer und schöner sollte die neue werden. Schließlich hatte Reicheneck kurz zuvor schon vorgelegt und ein neues Gotteshaus gebaut - da konnte man im Nachbarort nicht zurückstehen. Dass aber die Mittelstädter ausgerechnet den gleichen Architekten anfragten wie die Reichenecker? "Na ja", sagt Richard Föll heute. "Martin Elsäßer war halt ein sehr renommierter Kirchenbauer", erläutert der Vorsitzende des evangelischen Kirchengemeinderates in Mittelstadt.

Tatsächlich: Elsäßer hatte schon zahlreiche Gotteshäuser gebaut, in Holzelfingen etwa und in Tübingen. Und die Zeit war gar nicht so schlecht, wie man vielleicht vermuten könnte: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war durch die Industrialisierung viel Geld in so mancher Gemeinde vorhanden. "Das hat man ja dann im Ersten Weltkrieg alles verpulvert", sagt Föll. Ein auffälliger Unterschied zwischen der alten und der neuen Kirche in Mittelstadt war nicht allein der Wechsel von Holz zu dauerhafterem Stein. "Vorher war der Chorraum wie zumeist üblich nach Osten ausgerichtet, bei der heutigen Martinskirche strahlt aber die Abendsonne durch die Rosette in den Chorraum", sagt Pfarrerin Gerlinde Henrichsmeyer. Warum die Ausrichtung nach Westen? "Da findet sich nichts in den Unterlagen, wahrscheinlich ging es letztendlich einfach darum, dass die Kirche so besser gesehen wird."

1912, innerhalb von nur einem Jahr, war das Gotteshaus fertig. "Aus der Holzkirche haben wir heute noch Kruzifix und Epitaph sowie eine Säule an der Sakristei", sagt Richard Föll. Die Besonderheit an der neuen Martinskirche ist zum einen der Jugendstil, der in der damaligen Zeit nicht mehr üblich war. Und: "Die Mittelstädter hätten eigentlich gerne einen größeren Turm gehabt - dann ging aber das Geld aus", sagt Föll und schmunzelt. Schon einmal war die Kirche saniert worden, das war im Jahr 1975: Die Orgel wurde dabei von oben nach unten versetzt und die Sakristei verlegt. Manch andere Bausünde stamme auch noch aus dieser Zeit, "das wollen wir zum Teil wieder rückgängig machen", so der Kirchengemeinderatsvorsitzende.

An der Westseite der Kirche sollen unter der Figur Johannes des Täufers wieder drei Fenster eingesetzt werden. Die Rosette wird gereinigt, restauriert und mit einer Schutzverglasung versehen. Das gesamte Kirchenschiff soll neu gestrichen, die Holzpaneele gereinigt und aufpoliert werden - alles soll in einem helleren Licht erstrahlen. So wie es schon mal war. Auch die Malereien sollen dadurch wieder sichtbar werden, im Eingangsbereich kommen die Flügeltüren weg, Steinmetzarbeiten stehen an, die Beleuchtung wird komplett erneuert.

Mit 250 000 Euro wurde ursprünglich für diese Arbeiten gerechnet. Einen Strich durch die Finanzplanungen machte dann aber das undichte Dach - es regnet in die Kirche rein. Das müsse jetzt dringend gerichtet werden, weitere Überraschungen seien beim Öffnen des Dachs möglich, sagt Föll. Diese Möglichkeiten will er sich aber lieber nicht ausmalen. Im Moment geht die Kirchengemeinde davon aus, dass sie 200 000 Euro selbst aufbringen muss, 30 Prozent gibt es von der Landeskirche dazu und fünf Prozent vom Kirchenbezirk. Macht zusammen rund 350 000 Euro. Das Spendenbarometer vor der Martinskirche steht jetzt bei etwas mehr als 150 000 Euro - es fehlt also noch ein ganz netter Batzen. Doch Richard Föll zeigt sich hoffnungsvoll, dass noch einiges an Spenden zusammenkommt.

Bisher schon war die Kirchengemeinde äußerst rührig und hat durch eine Vielzahl an Veranstaltungen eben diese gewaltige Geldsumme erhalten. Erfreulich sind bei all der finanziellen Last, die es zu schultern gilt: Zum einen zeige sich, "dass den Mittelstädtern ihre Kirche viel wert ist", sagt Richard Föll. Und: Für das Dach wurden aus anderen Gemeinden in Württemberg die so genannten Ludovici-Ziegel beschafft. Die haben nichts gekostet. "Wir hoffen nur, dass sie auch ausreichen", betont Kirchenpflegerin Brigitte Kugel.