In den Herbstferien 2020 wird der Fußgängersteg über die Konrad-Adenauer-Straße am Oskar-Kalbfell-Platz abgerissen. Ein Neubau wird voraussichtlich zwölf bis 16 Monate in Anspruch nehmen. Die Stadt rechnet mit Kosten zwischen drei und 3,5 Millionen Euro. Der alte Übergang ist so baufällig, dass er nicht mehr saniert werden kann, bereits im Sommer 2018 hatte der Gemeinderat deshalb einen Abriss der Restbrücke und die Ausschreibung eines Wettbewerbs beschlossen. Der erste Stegabschnitt am Tübinger Tor war schon 2011 abgerissen worden. In der Folgezeit beriet der Gemeinderat über 20 Anträge. 2017 wurde beschlossen, die Eröffnung des Scheibengipfeltunnels abzuwarten, um ein halbes Jahr später eine Verkehrszählung beim Steg durchzuführen. Denn, so dachte man damals, vielleicht sei ja gar kein neuer Steg nötig. Allerdings hat sich gezeigt, dass das Verkehrsaufkommen trotz des Tunnels recht hoch ist.

Drei Brücken-Entwürfe für die vom Gemeinderat beschlossene kurze Variante, also vom Nordsternhaus bis zum Vorplatz der Stadthalle, hat das Preisgericht, das am Montag tagte, prämiert. Insgesamt haben acht Bietergemeinschaften an der Mehrfachbeauftragung teilgenommen. Der erste Preis geht an die B+G Ingenieure Bollinger und Grohmann GmbH/Explorations Architecture/Sarl Marti-Baron aus Frankfurt, der zweite Preis an Dr. Schütz Ingenieure/Netzwerkarchitekten GmbH/Foundation 5+/Achterberg Herz Rohler aus Kempten, der dritte Preis an sbp-Schlaich Bergermann Partner/Wittfoht Architekten bda/Freiraum-Concept aus Stuttgart. Oberbürgermeister Thomas Keck und Erste Bürgermeisterin Ulrike Hotz stellten jetzt die Entwürfe der Preisträger vor.

Behindertengerecht

Die zukünftige Brücke soll sowohl für Fußgänger als auch für Radfahrer konzipiert sein, wobei, wie jetzt auch, das Rad eher über die Brücke geschoben wird. Vor allem aber braucht es eine behindertengerechte Brücke. In die Beratungen für den Neubau sollen deshalb auch nicht nur die Schulen im Umfeld des Stegs und die Task Force Radverkehr einbezogen werden, sondern auch die Behindertenverbände.

Der Entwurf, der den ersten Preis erhielt, glänzt als klassische Stadtbrücke mit hoher Ingenieurskunst, wie Ulrike Hotz betonte. Wobei sicherlich noch am einen oder anderen Punkt gearbeitet werden muss. So sieht dieser Entwurf einen Schrägaufzug vor. Da eine weite Rampe entfällt, bleibt der Vorplatz der Stadthalle auch frei. Die Entwürfe, die mit dem zweiten und dritten Preis prämiert wurden, sehen eben eine solche Rampe vor. Da die behindertengerechten Rampen mit fünfprozentiger Steigung gebaut werden sollen, haben sie entsprechenden Platzbedarf.

Die drei prämierten Entwürfe sind noch bis Ende Januar im Foyer des Rathauses ausgestellt. Dort liegt auch ein Meinungsbuch, so dass Bürger ihren ganz persönlichen Favoriten benennen können. Danach hat der Gemeinderat das letzte Wort.

So könnte die Brücke einmal aussehen


Die drei Sieger-Entwürfe für die neue Brücke über die Konrad-Adenauer-Straße/Oskar-Kalbfell-Platz sind bis Ende Januar im Foyer des Rathauses Reutlingen ausgestellt. Es liegt auch ein Meinungsbuch aus.