Damit die Kunstwerke und Skulpturen künftig bei Bleichstetten noch besser verankert sind, hat das Kunstforum St. Johann nun in der Wiese rund um das Alblabyrinth zwölf Bodenhülsen fest installiert. Sonntag war Eröffnung.

Mit einem „Traum-Baum“, dem Minotaurus, bunten Farbklecksen, einem Zukunfts-Wegweiser und einem goldenen Baum empfängt einen nun die dortige Kunst- und Labyrinth-Wiese. Fünf zeitkritische Skulpturen und Bilder für Zufallsbesucher, Spaziergänger und Open-Air-Kunstfans.

Und wie immer sind die Arbeiten der ganz besonderen Atmosphäre, dem rauen Albwind, den wechselnden Lichtverhältnissen, Schnee, Raureif und Regen ausgesetzt und verändern so von Tag zu Tag ihr Aussehen, auch wenn sie jetzt noch so standhaft im Boden verankert sind.

Das Kunstforum St. Johann hat nämlich zwölf fest installierte Bodenhülsen anbringen lassen, um zukünftig leichter Wechselausstellungen auf der Wiese hinter Bleichstetten veranstalten zu können. Die Bodenhülsen wurden jetzt „nach längerer Baurechts-Diskussion“ genehmigt, von einer örtlichen Baufirma über einen halben Meter in den Kalk-Boden gebohrt und mit Kalksplit und Sand befestigt.

Das Kunstforum hat sie in Gruppen um das Alblabyrinth herum positioniert, um eine allzu symmetrische Anordnung zu vermeiden. In diese Hülsen können nun sechs Zentimeter dicke Stahlrohre gesteckt werden, an die dann Skulpturen befestigt werden. Zur Einweihung der Bodenhülsen stellen nun fünf Kunstforums-Künstler(innen) und Gäste ihre eigens für die Winterausstellung angefertigten Arbeiten aus.

Dr. Inge Dieterich aus Traifelberg setzt mit ihren Acrylbildern auf Acrylglas „Farbkleckse in die Natur“: ein nicht gegenständliches Spiel mit Farben, Flächen und Formen, „zwischen Ernst und Heiterkeit, zwischen graphischen und malerischen Elementen“.

Der Traum-Baum

Als ebenso verspielt erweisen sich die Traumfänger an Ingrid Wolfs „Baum Traum – Traum-Baum“. Sie hat sich in das (un-)bewegte Leben eines 400 Jahre alten Eichenbalkens aus einem abgerissenen Haus hineingefühlt, ihn wieder aufrecht gestellt, Traumfänger und Antenne befestigt und sich überlegt, von was der Baum wohl all die Jahre geträumt haben mag. Und was unser aller Träume sind.

Die Antworten ihrer kleinen Umfrage hat Ingrid Wolf dann an den Baum geheftet. Und siehe da: Neben der Gesundheit, die wir uns alle wünschen, steht der Friede zwischen Völker und Religionen an wichtigster Stelle.

Der Frankfurter Clemens Fischer wiederum hat auf dem Gelände einen gold-lackierten Baum mit rostiger Kuhtränke gepflanzt, samt Wasserschlauch, der sich um den Stamm schlängelt. Mit diesem „Trog 2016“ setzt er sich mit den Widersprüchen der Konsumgesellschaft auseinander, die zwar die Natur gnadenlos mechanisiert und ausbeutet, von der sie sich aber gleichzeitig ein idealisiertes, verkitschtes Bild zurechtbastelt. Und trotz unserer Sehnsucht nach unverfälschter Natur zerstören wir diese Idylle. Der Trog ist deshalb auch längst nicht mehr auf Kuh-Höhe, sondern auf Menschen-Höhe angebracht.

Rainer Kemmler beschäftigt sich ebenfalls mit den Folgen von Technologisierung und Globalisierung. Von Beruf ist er Luftfahrtpsychologe und Krisenexperte und hat jetzt ein Aluminium-Schrottstück einer Boeing zu einem „Wegweiser Zukunft“ umfunktioniert – als „Ausdruck der momentanen Gesellschaftssituation“, die alles andere als glänzend sei, sondern vielmehr „marode und angeschlagen“.

Der Globalisierungspfeil zeigt deshalb stramm nach rechts, während der Demokratie-Pfeil in die gegenteilige  Richtung zeigt. Ein Zeichen dafür, dass „die Globalisierung die Demokratie bedroht“, wenn nur einige wenige vom Turbokapitalismus profitieren, auf Kosten von Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen.

Der Minotaurus

Mindestens genauso gefräßig wie einige Global Player zeigte sich schon der Minotaurus in der griechischen Mythologie, den Dr. Klaus Dieterich in Nachbarschaft zum Labyrinth aufgestellt hat. Dieterich beschäftigt sich – inspiriert von den archäologischen Kunstwerken aus den Albhöhlen wie dem Löwenmenschen – schon länger mit der uralten Tradition der Mensch-Tier-Wesen. Er hat nun aus einer Siebdruckplatte einen Stierkopf auf menschlicher Basis angefertigt. Der Minotaurus hat in seinem Labyrinth jährlich sieben Jünglinge und sieben Jungfrauen verspeist, wurde aber letztlich von Theseus und Ariadne besiegt.

Winterausstellung 2016/17 des Kunstforums St. Johann am Alblabyrinth in Bleichstetten, Waldparkplatz an der K 6708 Richtung Bad Urach.

Winterausstellung 2016/17 des Kunstforums St. Johann am Alblabyrinth in Bleichstetten, Waldparkplatz an der K 6708 Richtung Bad Urach.