"Wir bleiben bei unserem Nein", verdeutlichte Stadträtin Jessica Tatti die Position der Linken Liste im Gemeindrat zur Auskreisung. Dass Reutlingen als Stadtkreis überhaupt keine Nachteile erleide, sei nicht glaubwürdig, aber die Auskreisung sei eben "die Heilige Kuh" der Oberbürgermeisterin. Die Bürgerversammlung, zu der Landrat Thomas Reumann gekommen wäre, wenn er gedurft hätte, sollte demonstrieren, dass die Verwaltung "in allen Punkten recht hat". Jessica Tatti geht davon aus, dass am Donnerstag im Gemeinderat eine Mehrheit für den Antrag stimmt, ein Viertel jedoch dagegen.

Achim Müller vom Linken-Arbeitskreis hat sich die Finanzen anderer Stadtkreise angeschaut und festgestellt, dass vier davon (Mannheim, Pforzheim, Ulm und Baden-Baden) unter den "Top Five" der am höchsten verschuldeten Kommunen sind. Der Diplom-Finanzwirt folgert daraus, dass Reutlingen viel besser dran sei, die Kreisumlage zu zahlen, als die immensen Aufgaben selbst zu erledigen.

Die Aussage, Reutlingen wäre als Stadtkreis längst schuldenfrei, hält er für "sehr gewagt". Die vier Millionen Euro mehr seien ein "Mythos" und zeugten davon, dass die Verwaltung entweder "ahnungslos" oder "gutgläubig" sei. Vieles sei noch überhaupt nicht gerechnet: Vermögensauseinandersetzung mit dem Kreis, hinzukommende Gemeinkosten, fällige Investitionen. Vor allem bei den Kliniken sei noch nichts geregelt. Müller: "Ich befürchte, hier kommen die Probleme zuerst an."

Thomas Ziegler hält die Entscheidungsfindung für ein "hochdiplomatisches Projekt". Es müsse Wert darauf gelegt werden, dass die Bürger aus Stadt und Kreis mitgenommen werden. "Ein Auskreisungsverfahren sollte Überzeugungscharakter und ein sauberes Hemd haben", dieses weise aber "Schmutzflecken" auf. Ziegler sprach von "taktischen Winkelzügen" und gab ein Beispiel. Ein Schreiben von Innenminister Reinhold Gall habe Landrat Thomas Reumann den Kreisräten zur Kenntnis gebracht. Nicht aber Oberbürgermeisterin Barbara Bosch den Stadträten. Ziegler meint den Grund zu kennen: Kritische Töne, wie der Satz, dass "Doppelstrukturen beim Land- und Stadtkreis" entstünden, wo bislang nur der Kreis zuständig war.