Die Hausbesetzung des GWG-eigenen Gebäudes in der Kaiserstraße 39 wird die Reutlinger wohl noch eine Weile beschäftigen. Die GWG hat, entgegen zunächst anderslautender Aussagen der Wohnungsgesellschaft, noch keine Strafanzeige gestellt, sondern sich diese lediglich vorbehalten. Die Hausbesetzer berichten von „konstruktiven Gesprächen“ mit Stadt und Eigentümerin, die GWG nickt dies ab und hält sich ansonsten eher bedeckt. Wohin diese Gespräche eigentlich führen sollen ist noch offen.

Oder vielleicht auch nicht. Den Hausbesetzern, die sich übrigens sämtliche Nebenkosten wie Wasser, Abwasser, Müllgebühren und Strom nach wie vor von der GWG bezahlen lassen, geht es um nicht weniger als um ein zweites autonomes linkes Zentrum, neben der Zelle eine weitere Anlaufstelle für das entsprechende Klientel innerhalb und außerhalb der Stadt. Und zwar auf einem Grundstück in der Oststadt, das angesichts der Entwicklung der Bodenpreise inzwischen einiges wert sein dürfte.

Die Zelle, die von Anfang an die Hausbesetzung gut geheißen und unterstützt hat, obwohl es sich um eine Straftat handelt, wartet derweil auf den nächsten warmen Geldsegen der Stadt respektive der Steuerzahler. Wenn der Gemeinderat in der letzten Juniwoche zur nächsten Sitzung zusammenkommt, dann soll er über die Aufhebung eines Sperrvermerks im Haushalt entscheiden, die der Zelle weitere knapp 19 000 Euro an Zuschuss bewilligen würde. Zum Doppelhaushalt 2019/20 hatte die Zelle die komplette Übernahme der Miet-, Betriebs- und Nebenkosten für das stadteigene Domizil auf der Bobrzyk-Insel beantragt.

Insgesamt steht jetzt ein Gesamtzuschuss von 31 520 Euro pro Jahr im Raum, 19 340 Euro Kaltmiete und 12 180 Euro Nebenkosten. Dies sei mit anderen Kultur- und Jugend-Einrichtungen vergleichbar, heißt es seitens der Verwaltung, die deshalb die Aufhebung des Sperrvermerks vorschlägt. Auch der Jugendgemeinderat hat sich bereits für eine Erhöhung des Zuschusses an die Zelle ausgesprochen. Die Stadt erwartet nun allerdings, dass die Zelle auf die „heiklen Großveranstaltungen“, wie es in der Vorlage heißt, verzichtet oder diese merklich reduziere. Ob dies geschieht, bleibt abzuwarten. Die Zelle hat jedenfalls schon mal verlauten lassen, es werde weiterhin Techno-Parties geben. Die Großveranstaltungen würden allerdings zukünftig eine Ausnahme sein.