Jetzt hat die Fridays-for-Future Bewegung auch den Segen der Kirche. Symbolträchtig um fünf vor zwölf ließ die Marienkirchengemeinde in Reutlingen gestern zum Aktionstag der Klima-Aktivisten die Kirchenglocken läuten. Die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Reutlingen hatte bereits vor Tagen eine Stellungnahme publiziert und sich auf die Seite der Schulstreikenden gestellt. Wen interessiert schon Bildung, wenn es um Moral und die richtige Haltung geht. Am Mittwoch, 23. Oktober, wird ergänzend ein Diskussionsabend zum Thema Klimaschutz in der Kreuzkirche veranstaltet. Es ist zu vermuten, dass Kritiker und Hinterfrager der Klimabewegung dort nicht zu Wort kommen.

Politisches Statement

Es läuten nun also Kirchenglocken als politisches Statement. Mut gehört dazu nicht, denn der Beifall derjenigen, die die Meinung bestimmen, ist den Kirchenoberen bis hinunter zum Dorfpfarrer, so er sich in den Strom der Willigen einspannen lässt, sicher. In den vergangenen Jahren hätte es genügend Gelegenheit gegeben, Kirchenglocken zu läuten als Mahnung,  Warnung und Erinnerung. Zum Beispiel angesichts der nahezu vollständigen Auslöschung des orientalischen Christentums in Syrien und im Irak und angesichts der beispiellosen Christenverfolgung weltweit, der Zigtausende zum Opfer fallen. Aber das hätte Mut erfordert und man hätte sich zugegebenermaßen vielleicht nicht beliebt gemacht.

Desaströs

Jedes Jahr aufs Neue beklagen die Kirchen, sowohl evangelische als auch katholische, massenweise Austritte ihrer Mitglieder. Die Zahl der Protestanten ging 2018 bundesweit um fast 400 000 zurück, die der Katholiken um mehr als 300 000, so die im Sommer veröffentlichten Statistiken. Wo bleibt die Selbstkritik, wo das Innehalten und Reflektieren angesichts dieser desaströsen Situation? Stattdessen geriert sich die Kirche nun zum Steigbügelhalter und Erfüllungsgehilfen einer neuen Religion, die sich Klimaschutz nennt. Bei wem will sie damit punkten?

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