Hinweise aus der Bürgerschaft aber auch aufgrund eigener Erfahrungen, dass mit dem neuen Buskonzept längst noch nicht alles rund läuft, gibt es genügend. Die SPD-Fraktion hat nun insgesamt 26 solcher und in einer Mitgliederversammlung gesammelten Fragen und Anmerkungen zum neuen Buskonzept in den Gemeinderat eingebracht. Sie möchte damit verhindern, wie es der Pressemitteilung heißt, dass trotz berechtigter Kritik an der Umsetzung der neuen Buskonzeption die gesamten Neuerungen und Angebote schlecht geredet werden. Stattdessen müsse alles daran gesetzt werden, dieser neuen Chance auf mehr Mobilität im öffentlichen Personennahverkehr zum Durchbruch zu verhelfen.

Wandel zur klimaneutralen Stadt

„Der neue Stadtbus ist ein Meilenstein bei der Entwicklung einer nachhaltigen Mobilität in Reutlingen!“, ist SPD-Fraktionsvorsitzende Helmut Treutlein überzeugt. Die bisherige nachfrageorientierte Konzeption sei aufgegeben, stattdessen viele neue Angebote mit dichterem Takt, neuen Linien und  Haltestellen geschaffen worden. „Mit diesem Konzept und den Bussen als klimafreundliche Transportmittel können wir einen großen Beitrag leisten, dass in Reutlingen der Wandel zur klimaneutralen Stadt gelingt“, betonte Treutlein.

„Wichtig ist deshalb, dass wir nun zeitnah die von den alltäglichen Nutzern festgestellten Mängel und Probleme rasch offenlegen und diese auch behoben werden“, ergänzt Stadtrat Sebastian Weigle.

Autos raus aus der Gartenstraße?

Das Spektrum reicht von der Verkehrssicherheit an Bushaltestellen bis zu der Frage, ob die Haltestellen in der Stadtmitte, am Listplatz und in der Gartenstraße nicht vergrößert werden können. Derzeit reiche der vorhandene Platz aus, wenn drei  Gelenkbusse hintereinander halten. Die SPD möchte ferner wissen, wann denn der Autoverkehr in der Gartenstraße auf Anwohner und Anlieferer beschränkt wird.

FWV fordert Ein-Euro-Tagesticket

Die Freien Wähler haben sich  ebenfalls Gedanken gemacht, wie das Stadtbusangebot weiter verbessert werden kann. In einem Antrag, der den Titel „Durch Busfahren sich Freude bereiten“ trägt, greift die Fraktion erneut alte Forderungen wie die Einführung des Ein-Euro-Tagestickets auf. Derzeit zahlt ein Erwachsener 3,50 Euro, um einen Tag lang Busfahren zu können, für Kinder und Jugendliche werden 2,50 Euro fällig. Eine weitere FWV-Forderung zielt nach Tübinger Vorbild auf einen kostenlosen Busverkehr an Samstagen innerhalb der Naldo-Wabe 220 ab. Die Freien Wähler wünschen sich, dass die Aktion bereits an den bevorstehenden Adventssamstagen startet. Fraktionschef Jürgen Fuchs verspricht sich davon weniger Autoverkehr in der Innenstadt und somit einen Beitrag zur Luftreinhaltung.

SPD: Fragen und Anregungen zum neuen Stadtbuskonzept


1. Etliche Bushaltestellen sind nicht verkehrssicher oder nicht ausreichend im Straßenraum markiert, zum Beispiel Reutlingen Hauptbahnhof Nord. Für Wartende ist zu wenig Platz oder Autofahrer nehmen die Haltestelle nicht wahr und respektieren die Haltestelle nicht. Wie findet hier die Zusammenarbeit zwischen RSV und Stadtverwaltung statt? Wann wird es Nachbesserungen geben?

2. Kann man die Haltestellen in der Stadtmitte, am Listplatz und in der Gartenstraße nicht vergrößern? Wenn drei Gelenkbusse hintereinander halten ist nicht genügend Platz. Am Listplatz ragt der letzte Bus, wenn er aus der Gartenstraße eingebogen ist, dann in die Straße und blockiert den zwischenzeitlich fahrenden Verkehr.

3. Zwischen der Stadthalle und dem Markwasen gibt es stadtauswärts keine Wartehäuschen, nur eine Sitzmöglichkeit an der Haltestelle Ringelbach. Dies gilt für sehr viele Bushaltestellen. Wird dies noch nachgebessert? Welche Entwicklung ist für den Komfort der Wartebereiche zu erwarten?

4. Die Naldo-App wird von den Benutzern als sehr wenig kundenfreundlich erlebt, insbesondere beim Ticketkauf. Wann wird dies verbessert?

5. Der motorisierte Individualverkehr (MIV) behindert in der Gartenstraße die Busse. Wann wird der MIV in der Gartenstraße eingeschränkt auf Anwohner und Anlieferung?

6. Kurzfristig könnte in der Gartenstraße die Linksabbiegerspur in den Karlsplatz nur noch für den Bus reserviert werden. Wurde diese Option untersucht?

7. Sonntags ist der Markwasen schlecht erreichbar. Die Linie biegt beim Lidl ab. Dies ist für Besucher und Spaziergänger keine Einladung für die Erholung im Stadtwald. Wann wird dies nachgebessert?

8. Aus Berichten in der Zeitung über verkürzte Wartezeiten an den Endhaltestellen wird deutlich, dass die derzeitigen Verspätungen zu Lasten der Arbeitszeit der Berufskraftfahrer am Steuer unserer Stadtbusse ausgeglichen werden. Es entsteht der Eindruck, dass die Busfahrer derzeit unter Stress ihre Busse steuern. Wie werden die Arbeitsplätze der Busfahrer von der RSV aber auch von den Fahrern selber eingeschätzt?

9. Viele Fahrgäste warten vergeblich auf ihren Bus und stellen fest, dass die Tour ausfällt. Es entsteht der Eindruck, dass nicht alle Verkehre eingehalten werden. Ist dieser Eindruck richtig? Was ist die Ursache? Fehlen die Busfahrer, um alle Touren fahren zu können?

10. Überall in Deutschland werden Busfahrer gesucht. Zahlreiche Anzeigen bezeugen dies. Hat die RSV genügend Berufskraftfahrer?

11. Das 365-Euro-Ticket ist eine große Errungenschaft. Die große Zahl der Gelegenheitsnutzer in unserer Stadt, insbesondere Personen, die sehr stadtnah wohnen, kritisiert, dass die Einzelfahrscheine zu teuer sind. Ebenso wird die kurze Gültigkeitsdauer der Fahrscheine kritisiert. Gibt es die Absicht, hier etwas zu ändern?

12. Der neue Stadtbus fährt mit neuen Fahrzeugen. Sie sind jedoch nicht emissionsfrei oder klimaneutral. Wie sieht die Planung aus, die Busse insgesamt elektrisch fahren zu lassen oder andere Antriebe zu verwenden?

13. Die Abstimmung zwischen dem Stadtbus und den Abfahrtszeiten der Bahn ist unzureichend. Gibt es Bestrebungen, die Verknüpfung Bus / Bahn zu verbessern?

14. Auf vielen Strecken wird der Bus durch parkende Autos aufgehalten. Infolge von Gegenverkehr muss der Bus anhalten. Für die Fahrgäste wird die Fahrt wenig komfortabel und die Berufskraftfahrer sind enorm gefordert. Plant die RSV eine Umfrage unter den Busfahrern zur Ermittlung von Straßenabschnitten, an denen die Einrichtung eines Parkverbots notwendig wäre?

15. Die Vorfahrtsregelungen sind in vielen Straßen noch nach den alten Buslinien ausgeschildert, so zum Beispiel in der Bellinostraße. An anderen Stelle, beispielsweise an der Einmündung der Heinestraße in die Werastraße gilt die rechts-vor-links-Regel und der Bus hat keine Vorfahrt. Wie ist die Veränderung der Vorfahrtsregelung geplant? Werden die Stadtbusse in der Vorfahrt bevorrechtigt?

16. Der Fahrscheinverkauf durch die Busfahrer entspricht nicht dem Angebot einer Großstadt. Außerdem ist dies für die Busfahrer eine große Arbeitsbelastung. Wann wird dies geändert?

17. Überall in der Stadt werden Fahrscheinautomaten vermisst. Wie in anderen Großstädten könnte man an den Fahrscheinautomaten auch andere Tickets kaufen, z.B. auch Parktickets. Mit dem Ticket einsteigen würde die Fahrzeiten beschleunigen. Wann ist die Installation der Automaten vorgesehen?

18. Beim Umsteigen von einer Linie auf eine andere bestehen nicht selten Wartezeiten von mehr als einer Viertelstunde. Wann wird diese Koordination verbessert?

19. Die Ampelschaltung zugunsten der Busse aus der Gartenstraße in die Karlstraße lässt immer noch zu wünschen übrig. Was ist vorgesehen, um die Busse zu beschleunigen?

20. In der Frankfurter Straße gibt es regelmäßig Verspätungen. Kann dies verbessert werden?

21. In Orschel-Hagen fehlt ein Pausenplatz für die Stadtbusse. Viele Busse warten zur Zeit im Wohngebiet und werden dort zur Belastung zumal die nötigen Versorgungseinrichtungen für die Busfahrer fehlen. Wann gibt es Verbesserungen für die Busfahrer wie die Anwohner?

22. In vielen Bussen gibt es noch Platz für viel mehr Fahrgäste. Offenbar nehmen viele Besucher der Stadt die Parkplatzgebühren gerne in Kauf oder es wird kostenlos geparkt. Wird über die Erhöhung der Parkgebühren nachgedacht, um die Entscheidung zur Busbenutzung zu unterstützen und gleichzeitig den Autoverkehr in der Stadt zu verringern?

23. Die neue Linie 7 von der Wildermuthsiedlung nach Sondelfingen fährt am zentralen Umsteigepunkt Gartenstraße vorbei. Wird an dieser Linienführung etwas geändert?

24. Die Quartiersbuslinien sind eine große Errungenschaft in der ganzen Stadt. Warum enden die Fahrzeiten um 18 Uhr und warum fahren die Quartiersbusse nicht sonntags?

25. Der Quartiersbus zur Achalm ist auch für die Naherholung und für den Tourismus ein großer Fortschritt. Warum fährt er nicht sonntags? Spaziergänger und Gäste unserer Stadt könnten ihn nutzen.

26. Ist beabsichtigt, den Quartiersbus auf die Achalm auch an Silvester fahren zu lassen und ihn dabei auch über Mitternacht hinaus einzusetzen?