Reutlingen Stadtbahn nimmt Fahrt auf

So könnte es einmal in der Lederstraße aussehen: Die Regionalstadtbahn hätte genügend Platz. Stadt und Gemeinderäte wollen jetzt eine Machbarkeitsstudie abwarten.
So könnte es einmal in der Lederstraße aussehen: Die Regionalstadtbahn hätte genügend Platz. Stadt und Gemeinderäte wollen jetzt eine Machbarkeitsstudie abwarten. © Foto: Stadt Reutlingen
Reutlingen / Carola Eissler 23.07.2018

Von einer Verdreifachung der Mittel aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (Gvfg) in Bezug auf die geplante Regionalstadtbahn kann Stefan Dvorak, Amtsleiter Stadtentwicklung und Vermessung,  berichten. Rund eine Milliarde Euro werden zur Verfügung stehen. „Das gab’s in den letzten 20 Jahren nicht mehr“, sagte Dvorak im Gemeinderat. „Die Regionalstadtbahn nimmt enorm Fahrt auf“, freute sich Oberbürgermeisterin Barbara Bosch. Das Gremium hat bei der Innenstadtstrecke nun die Lederstraße und in der Folge die Straße Am Echazufer als Trasse favorisiert. Nun soll eine Machbarkeitsstudie abgewartet werden, bevor der Gemeinderat eine endgültige Entscheidung trifft. Die Gartenstraße wird zwar im Blick behalten, birgt aber gleich mehrere Risiken.

Da ist zum einen die Enge in der Gartenstraße. Denn dort sollen nach dem neuen Buskonzept bald zahlreiche Busse verkehren. Hinzu kommen Radfahrer, Fußgänger und natürlich der Autoverkehr. Ein Gleiskörper für die Regionalstadtbahn wäre zwar möglich, dann könnten allerdings entlang der Straße kaum noch Bäume gepflanzt werden, sämtliche Parkplätze würden entfallen. Probleme gibt es auch mit den Bahnsteigen: In der Gartenstraße findet sich wegen der zahlreichen Ein- und Ausfahrten und der Querstraßen kaum Platz, um die 70 Meter langen Bahnsteige einzubauen. Eng wird es zudem oben an der Albstraße, wo einige Kurven zu bewältigen sind. Und noch ein weiteres, überaus wichtiges Kriterium: Die Versorgungsleitung würden unter den Schienen verlaufen. „Bei einer Störung müsste der gesamte Stadtbahnverkehr gestoppt werden“, so Dvorak.

Ganz anders sieht es in der Lederstraße und am Echazufer aus. Die Strecke ist breit und gerade, was die Fahrzeit verkürzt. Versorgungsleitungen liegen neben der Bahnstrecke. Und: Die Förderquoten für diese Strecke sind deutlich höher. Während für die Gartenstraße nur 20 Prozent gefördert werden, liegt die Lederstraßen-Förderung bei 80 Prozent. Geschuldet ist dies dem Einbau eines „eigenen Bahnkörpers“, was eben in der Gartenstraße nicht möglich ist. In konkreten Zahlen bedeutet dies, dass der kommunale Anteil bei der Variante Gartenstraße (Gesamtkosten 30,8 Millionen Euro) bei 24,6 Millionen Euro liegt, bei der Variante Lederstraße (Gesamtkosten 42,5 Millionen Euro) bei 8,5 Millionen Euro. Rainer Löffler (CDU) sagte, die Gartenstraße mit allen Verkehrsmitteln sei nicht vorstellbar. Die Lederstraße könne dagegen ganz neu gestaltet werden. Auch Jürgen Fuchs (FWV) hält es „für nahezu ausgeschlossen“, die Bahnstrecke durch die Gartenstraße zu führen. Ähnliches signalisierten auch die Fraktionen von SPD, FDP, Linken und WiR. Nur die Grünen wollten nicht mitziehen und taten sich mit der Favoritenrolle der Lederstraße schwer. „Es ist stadtverträglich, wenn viele Busse durch die Gartenstraße fahren“, sagte Holger Bergmann. Was störe, seien Autos und Ampeln. In der Gartenstraße wäre seiner Ansicht nach ein reiner Anliegerverkehr deshalb ausreichend. Man solle also nicht nicht vorschnell der Lederstraße den Vorzug geben. Ein entsprechender Antrag der Grünen wurde dann aber mehrheitlich abgelehnt.

Stadt tritt geplanter Projektgesellschaft bei

Die Stadt Reutlingen beteiligt sich an einer Projektgesellschaft Regional-Stadtbahn Neckar-Alb zusammen mit dem Regionalverband Neckar-Alb, den Landkreisen Reutlingen, Tübingen und dem Zollernalbkreis sowie der Stadt Tübingen, welche im Herbst dieses Jahres gegründet werden soll.

Anfang März 2018 wurde entsprechend dem Gemeinderatsbeschluss der Stadt Reutlingen bei einem Termin der Projektpartner beschlossen, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, die unter Federführung von Verbandsdirektor Dr. Dirk Seidemann eine geeignete Struktur entwickelt und die Prüfung rechtlicher Aspekte veranlasst. Ziel ist die Gründung der Projektgesellschaft Regional-Stadtbahn Neckar-Alb noch in diesem Jahr.

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