Stadtmarketing Stadt mit drei Stärken

Reutlingen / Carola Eissler 19.07.2018

Das Interesse am Reutlinger Markenbildungsprozess ist enorm. Nicht nur, dass am Mittwochabend rund 900 Besucher in die Stadthalle kamen, um sich die Ergebnisse der Analyse erläutern zu lassen und die launige Moderation von Helge Thun zu genießen. Auch an der Umfrage nahmen enorm viele Bürger teil, nämlich 9488. „Die Beteiligung ist extrem gut. Wir haben das so noch nicht erlebt“, betonte Peter Pirck von der Brandmeyer Markenberatung aus Hamburg, die mit der Analyse beauftragt ist.

Was die Bürger an Reutlingen zu kritisieren oder zu loben haben, wo sie Stärken und Schwächen sehen und wofür die Stadt ihrer Ansicht nach steht, das war dann doch überraschend. „Einkaufen hat eine große Relevanz“, haben Pirck und sein Team herausgefunden. Die entspannte Einkaufsstadt Reutlingen, das können viele Bürger so sehen. Gerade inhabergeführte Geschäfte stünden hoch im Kurs. Aber, warnte Pirck, der Wettbewerb mit dem Online-Handel sei stark. Gute Noten erhielt auch der Wochenmarkt, der viele Bürger in die Innenstadt lockt. Der starke Wirtschaftsstandort und die attraktive Lage Reutlingens sind weitere wichtige Faktoren.

Überraschend: Das Kulturangebot wird in Reutlingen sehr mittelmäßig bewertet, ebenso Freizeitangebote und Veranstaltungen. Pircks Rat: „Daran müssen Sie arbeiten.“

Pirck erläuterte detailliert die Vorgehensweise der Analysten. Und warnte Reutlingen davor, möglichst viel in eine Marke reinzupacken. „Suchen Sie sich die drei besten Dinge aus, die Sie ins Schaufenster stellen wollen.“ Pirck verglich dabei eine Stadt mit einem Kaufhaus, das ja eben auch nur die besten und attraktivsten Artikel ins Schaufenster stelle und nicht das gesamte Sortiment. Diese besten Stücke gelte es dann auch zu so genannten Markentreibern zu machen. Sein Rat: „Entspannte Einkaufsstadt, starker Wirtschaftsstandort, attraktive Lage“ zu Reutlinger Marken auszubauen. Diese drei Themenfelder stehen auch bei den Bürgern der Stadt und der Region vorne, wie die Umfrage ergeben habe. Was Pirck auffällt: Die Reutlinger seien sehr kritisch eingestellt und entsprechend kritisch werde auch die Stadt eingeschätzt. „Wir aus dem Norden verstehen das so gar nicht.“ Schließlich habe die Stadt Reutlingen unglaublich viel zu bieten, lobte das Nordlicht.

Den Bürger als wichtigsten Kommunikator sieht Dr. Sebastian Zenker, Professor für Stadtmarketing an der Copenhagen Business School. „In Reutlingen haben wir sehr engagierte Bürger.“ Die Stadt sollte zusammen mit den Bürgern zeigen, dass sie Reutlingen voranbringen wolle. „Das stärkt auch das Wir-Gefühl in der Stadt.“

Nun ist die Stadt gefragt, die Analyse entsprechend umzusetzen. Eine Idee hat Oberbürgermeisterin Barbara Bosch bereits, die sie am Mittwochabend in der Talkrunde mit Helge Thun verriet: Reutlingen will sogenannte Fan-Projekte auf den Weg bringen und einen Preis für kreative Ideen ausloben.

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