Sportgericht SSV Reutlingen: Punktabzug und Geldstrafe

In der Oberliga-Partie zwischen der TSG Backnang und dem SSV Reutlingen kam es in der 82. Spielminute zu Tumulten.
In der Oberliga-Partie zwischen der TSG Backnang und dem SSV Reutlingen kam es in der 82. Spielminute zu Tumulten. © Foto: Joachim Baur
Reutlingen / swp 13.09.2018

Das Sportgericht der Oberliga Baden-Württemberg hat entschieden, dass dem SSV Reutlingen 1905 Fußball wegen des sportwidrigen Betragens seiner Anhänger beim Auswärtsspiel gegen die TSG Backnang am 25.08.2018 in der Saison 2018/19 drei Punkte in Abzug zu bringen sind. Des weiteren hat das Sportgericht eine Geldstrafe in Höhe von 1.000 EUR gegen den Verein verhängt.

Den Einspruch der TSG Backnang gegen die Spielwertung hat das Sportgericht der Oberliga Baden-Württemberg indes als unbegründet verworfen und den Verein wegen Vernachlässigung der Platzdisziplin zu einer Geldstrafe in Höhe von 200 EUR verurteilt, weil die getroffenen Sicherheitsvorkehrungen als nicht ausreichend bewertet wurden.

Vorfälle durch Videoaufzeichnungen dokumentiert

Nach den Urteilsgründen haben Anhänger des SSV Reutlingen 1905 Fußball, die der Verein selbst im Wesentlichen der eigenen Ultragruppierung „Szene E“ zuordnet, nach einem Foulspiel in der 82. Minute Ersatzspieler und Verantwortliche der TSG Backnang im Bereich der Bank massiv verbal und körperlich angegangen. Einer der Anhänger schlug dabei dem Ersatztorwart der TSG Backnang in das Gesicht, ein anderer warf einen befüllten Getränkebecher auf den Backnanger Trainerassistenten.

Die Vorfälle sind durch Videoaufzeichnungen dokumentiert. Aufgrund der erheblichen Vorbelastung des Vereins und mehrfacher, erfolglos gebliebener Aufforderungen, auf die eigene Anhängerschaft durch verschiedene Maßnahmen, u.a. der Begleitung mit eigenen Ordnern, einzuwirken, erschien eine Geldstrafe nicht mehr ausreichend.

Neue Dimension erreicht

Zudem war mit dem tätlichen Angriff auf einen (Ersatz-)Spieler aus Sicht der Kammer eine neue Dimension erreicht. Entsprechende Konsequenzen hatte das Sportgericht der Oberliga Baden-Württemberg bereits mit Urteil Nr. 00014-16/17-1901 vom 24.10.2016 in Aussicht gestellt, sollte der Verein nicht aktiv werden und es erneut zu gravierenden Zuschauerverfehlungen kommen.

Die Entscheidungen sind noch nicht rechtskräftig. Die betroffenen Vereine können innerhalb von zehn Tagen Rechtsmittel zum Berufungsgericht der Oberliga Baden-Württemberg einlegen. „Das Urteil ist unsportlich und wir werden es anfechten. Dabei sind wird uns sicher, dass der Sport am Ende siegen wird“, so der Vorsitzende des SSV Reutlingen 05 Fußball, Michael Schuster.

Offizielle Stellungnahme SSV Reutlingen:

„Wir halten die vom Sportgericht ausgesprochene Sanktion eines Abzugs von drei Punkten - auch im Vergleich mit Vorfällen bei anderen Spielen - für unverhältnismäßig. Wir stellen nicht in Frage, dass der Vorgang gegen Ende des Spiels bei der TSG Backnang gravierend war, weshalb wir uns auch umgehend bei der TSG Backnang und dem betroffenen Spieler entschuldigt und den Vorgang in der Öffentlichkeit scharf verurteilt haben.

Nachdem wir sowohl im Vorfeld der Saison mit besonderem Aufwand präventiv als auch im Nachgang zum Vorfall repressiv auf unsere Fanszene und die handelnden Personen eingewirkt, nachdem wir uns im Austausch mit dem WFV, der Polizei und der Fanszene intensiv um Aufklärung bemüht und nachdem wir uns bereit erklärt haben, ab sofort mit eigenen Ordnern auch bei Auswärtsspielen präsent zu sein, halten wir die ausgesprochene Sanktion für unangemessen hoch. Wir werden die Begründung des Gerichts jetzt sorgfältig erörtern, kündigen aber bereits an, Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen.“

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