Menschen in fortgeschrittenem Alter, die den Jugendjahren schon eine Weile den Rücken gekehrt haben, konnten sich nur wundern, welche Kunststücke sowohl die Parcour-Sportler wie auch die Breakdancer am Samstag auf die "Bühne" beim Jugendhaus Bastille gezaubert haben: Wie schwerelos überwanden etwa die Jugendlichen beim Parcour Hindernisse im Salto, mit sogenannten Front- oder Side-Flips oder sie erklommen eine mehr als zwei Meter hohe, glatte Wand problemlos. Ein ganzer Parcour-Park hatte die Wettbewerbs-Teilnehmer dabei zu unglaublichen artistischen Einlagen animiert.

"Die Reutlinger Stiftung Jugendwerk will gute Orte für Jugendliche schaffen und aktuelle Trends aufgreifen", hatte Christiane Kohrs vom Amt für Jugend, Schule und Sport in ihrem Grußwort kurz vor Beginn des ersten Wettbewerbs mit den Parcour-Sportlern betont. In 50 Jahren habe die Bastille es immer wieder geschafft, Mode-Sportarten wie auch Breakdance aufzugreifen und den Jugendlichen im oder beim Jugendhaus dafür eine Plattform und auch Trainingsmöglichkeiten zu bieten.

"Übrigens ist die heutige Veranstaltung Breakdance meets Parcour im Zusammenhang mit dem Festwochenende zum 50-jährigen Jubiläum der Bastille zu sehen", sagte Jugendhausleiter Ingo Glöckler am Samstag. Weil sich niemand anmelden musste, war auch bis kurz vor Beginn der Wettbewerbe unklar, wie viele Teilnehmer dabei sein würden. "Das Schöne hier am Jugendhaus ist, dass alles sehr spontan ist", sagte Glöckler und grinste.

Dabei gibt es sowohl für Parcour (seit 2010) wie auch für Breakdance (schon seit den 1990er Jahren) eine regelrechte Szene - und auch Trainingsmöglichkeiten in der Bastille. Für Parcour wurde zusammen mit Jugendlichen extra ein ganzer Park mit riesigen Felsbrocken einem ebenso großen alten Traktorreifen als Absprung-Möglichkeiten geschaffen, dazu ein ganzes Sammelsurium mit unterschiedlich hohen Stangen - an denen sich die Sportler hindurchhangeln. Geradezu wie beim Reckturnen. Extrem beliebt ist natürlich das große Trampolin, das besonders hohe und weite Sprünge erlaubt.

"Es sind sogar zwei Jungs aus Nördlingen angereist", sagte der Jugendhausleiter. Die Teilnehmerschar war allerdings nicht so groß, wie erhofft: Mit einiger Überredungskunst kamen schlussendlich acht Sportler zusammen. Die bewiesen allerdings, dass diese Sprünge, Salti und das Schwingen durch das Stangenwirrwarr, das so leicht und schwerelos wirkt, extrem harte Arbeit ist. Und eine Menge Kondition erfordert.

Zum Breakdance-Battle sind sogar internationale Gäste aus Rumänien eingeflogen worden, wie Glöckler erläuterte. Und der Zusammenhalt unter den Breakdancern sei enorm groß - "das ist eine eingeschworene Truppe", so Ingo Glöckler. "Unsere Jugendlichen hier werden jeweils von den Älteren trainiert, die schon ein paar Jahre dabei sind", so der Bastille-Chef. "Die Jüngeren schauen sich dann ab, was die Älteren können und machen das dann nach." Da greife ein Zahnrad in das nächste, ohne dass es den Jugendlichen bewusst sei. "Hier werden die Älteren vom Schüler zum Lehrer - das stärkt natürlich auch das Selbstbewusstsein", betonte der Bastille-Leiter.

Und genau das sei schon immer ein zentrales Thema in dem Jugendhaus Bastille in seiner 50-jährigen Geschichte gewesen. Groß gefeiert wird das Jubiläum im Übrigen vom 24. bis 26. Juli.