Seit eineinviertel Jahren gibt es an den beruflichen Schulen im Kreis die "VAB-O"-Klassen. Betreut werden im "Vorqualifizierungsjahr Arbeit und Beruf ohne Deutschkenntnisse" gut 80 Schüler in fünf Klassen an der Laura-Schradin-Schule, der Kerschensteiner-Schule (zwei Klassen), der Gewerblichen Schule Metzingen sowie an der Beruflichen Schule Münsingen. Das neue Angebot hat sich bewährt, es läuft jetzt im zweiten Durchgang. Als Zielgruppe galten ursprünglich junge Menschen aus dem europäischen Ausland, die mit ihren Eltern nach Deutschland gezogen sind. Inzwischen sind unter den jungen Leute im Alter zwischen 16 und 21 Jahren viele Flüchtlinge und das Landratsamt geht von einem wachsenden Bedarf aus. Geplant ist, Anfang nächsten Monats eine weitere "VAB-O"-Klasse starten zu lassen.

"Für die Lehrkräfte ist der Unterricht in diesem Klassen eine große Herausforderung", berichtet Hans-Joachim Stark, Rektor an der Kerschensteiner-Schule im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Voraussetzungen der einzelnen Schüler sind sehr unterschiedlich. "Während manche Schüler richtig lernen wollen, tauchen andere als Analphabeten hier auf", ergänzt Hildegunde Haist-Huber, Leiterin der Laura-Schradin-Schule.

Für die Klassen gilt eine Höchstgrenze von 18 Schülern. Für deren Betreuung ist zumindest in einigen Stunden eine zweite Lehrkraft vorgesehen. Wechsel zum Halbjahr im Februar sind möglich. Aufgrund von Abschiebungen oder der laufenden Ankunft von Flüchtlingen ist eine höhere Flexibilität nötig.

"Das Interesse am Unterricht und die Bereitschaft zur Teilnahme sind groß", hat Haist-Huber beobachtet. Als eine Lehrkraft krankheitshalber längere Zeit ausfiel, sei sie regelrecht bedrängt worden, um für Ersatz zu sorgen.

Der Fokus in den jeweiligen "VAB-O"-Klassen ist auf den Spracherwerb gerichtet. "Deutsch steht in jedem Fach im Zentrum", so Haist-Huber. Natürlich aber geht es laut Stark auch darum, unterschiedliche Berufsbilder in den Werkstätten von der praktischen Seite her kennen zu lernen.

Im Schulalltag wird viel mit Bildern gearbeitet, zudem sind Englisch und Französisch oftmals gute Alternativen. Und die Schüler helfen sich untereinander aus. Auf diese Weise lassen sich größere Erfolge erzielen, als in den herkömmlichen VAB-R-Klassen, die allen Schülern, die ohne Zeugnis von der Schule gegangen sind, den Start ins Berufsleben erleichtern sollen. Als Ziel steht im Raum, dass die Teilnehmer am Ende des VAB-O-Jahres das A2-Niveau erreicht haben. Jede der Klassen wird durch eine Lehrkraft betreut, die "Deutsch als Fremdsprache" studiert hat, erklärt Stark - mithin also einen Bachelor-Abschluss mitbringt. Als Voraussetzung für eine erfolgreiche Teilnahme am regulären Unterricht gilt das B2-Niveau. "Es gibt drei Flüchtlinge in einer Bäckerklasse, die in der Backstube gut zurechtkommen, aber mit dem theoretischen Unterricht in der Schule völlig überfordert sind", erzählt Stark. Fachleute rechnen, dass die Schüler fünf bis sechs Jahre benötigen, um sich die für ihren Beruf notwendigen sprachlichen Grundlagen anzueignen. Ohne diese nützt auch der beste High-School-Abschluss nichts. Gute Perspektiven für einen Berufseinstieg bietet, Sprachkenntnisse vorausgesetzt, der Gastronomiebereich, so Haist-Huber, da es hier an Fachkräften fehlt. Überaus zufrieden zeigten sich beide Schulleiter mit den Lehrkräften: "Die jungen Kollegen machen es aus Überzeugung und sind sehr engagiert".