Rund 20 000 Straßenhunde werden jährlich in Ungarn eingefangen. Die meisten davon kommen in den staatlich finanzierten Tötungsstationen oder bei Tötungsaktionen ums Leben, bei denen sie vergiftet, erschlagen oder erschossen werden. „Ihr Leben zählt gar nichts“, sagt Sandra Unger, zweite Vorsitzende des Reutlinger Tierschutzvereins „Paradies für Tiere“, der das ungarische Tierheim in Karcag im Komitat Jász-Nagykun-Szolnok unterstützt.

Dank der Initiative sei in Karcag seit drei Jahren kein Hund mehr getötet worden. Rund 300 Hunde werden im dortigen Heim und seinen angeschlossenen Pflegestellen betreut. Gegründet wurde die Einrichtung, die bereits mit dem ungarischen Tierschutzpreis gewürdigt wurde, von der bekannten ungarischen Tierschützerin Timea Nemes.

Von Ungarn nach Reutlingen

Die Organisation „Paradies für Tiere“ wurde 2011 in Reutlingen gegründet und kümmert sich um die Vermittlung von Straßenhunden aus Ungarn, Italien und Griechenland. „Wir versuchen, in Deutschland und in der Schweiz Menschen zu finden, die einen Hund von dort aufnehmen“, so Unger. Das Aussuchen funktioniere per Internet, der Verein organisiere und bezahle Transport, ärztliche Versorgung, Impfung und Kastration. „Die Übergabe an den neuen Besitzer erfolgt dann in Reutlingen, Stuttgart, München oder Ulm.“ Jeder vermittelte Hund rette einen weiteren, indem er für ihn Platz im Tierheim mache.

Das Tierheim in Karcag liegt in einer ärmlichen Gegend. Werde ein Hund im Tierheim aufgenommen, brauche man dort Vieles. Täglich müssten die Tiere gefüttert werden, oft mit Spezialnahrung. „Es gibt Futter für Hundewelpen, für Senioren, für Allergiker oder für Tiere mit einer geschädigten Niere.“ Rund 1,5 bis zwei Tonnen Futter pro Monat würden benötigt, dazu Körbchen und Hütten, wie Susanne Fries, Spendenkoordinatorin bei „Paradies für Tiere“, erläutert. Das Tierheim selbst sei leider in einem schlechten baulichen Zustand.

Hilfe auch von Online-Shop

In diesem Jahr bekommt Karcag über „Paradies für Tiere“ eine besondere Unterstützung. Der Verein wurde vom „Tierschutz-Shop“, einer Internetplattform für Futterspenden, für den „Spendenmarathon für Tiere“, der noch bis zum 23. Dezember läuft, ausgewählt. Zusammen mit 39 weiteren Vereinen wird auf der Homepage des Shops auf deren unterstützte Projekte hingewiesen. Hier ist auch die „Wunschliste“ des ungarischen Tierheims  einsehbar. Jeder, der möchte, kann dort auf einfache Art spenden. „Wenn eine Palette gefüllt ist, liefert der Tierschutz-Shop sie direkt nach Karcag.“

Hilfe in der Praxis

Zusätzlich zum Futter bekommen die Vereine noch zehn Prozent jedes Nettoeinkaufswerts als Geldgutschrift. „Diese wird für die medizinische Versorgung der Hunde oder auch für Infrastrukturmaßnahmen dringend benötigt“, berichten Fries und Unger. Vereinsmitglieder leisteten auch aktive, ehrenamtliche Aufbauarbeit für das ungarische Tierheim. Dort fehlen dringend Quarantäne-Räume für operierte und kranke Hunde, neue Zwinger, sowie eine zuverlässige Stromversorgung. Durch die Hilfe von „Paradies für Tiere“ konnte immerhin bereits ein Welpenhaus mit Auslauf erstellt werden.

Ziel des Spendenmarathons sei in diesem Jahr, eine Million Kilogramm Futter für die weltweit unterstützten Tierheime zu sammeln. Aktuell seien bereits über 285 000 Kilo gespendet worden. Bisher habe der Tierschutz-Shop seine Ziele immer erreicht. „Wir hoffen, für Karcag einen Lkw mit 25 Tonnen Futter zusammen zu bekommen“, so Susanne Fries zuversichtlich.

Weitere Informationen unter www.spendenmarathon-tiere.de