Region Spaß als Antrieb

Senior Ewald, seine Söhne Frank und Jochen Hecht sowie Andreas Stecker sind bei der LEroica dabei. Foto: Joachim Lenk
Senior Ewald, seine Söhne Frank und Jochen Hecht sowie Andreas Stecker sind bei der LEroica dabei. Foto: Joachim Lenk
Region / JOACHIM LENK 06.10.2012
Die Fans nostalgischer Radrennen haben den Termin im Kopf. Immer am ersten Sonntag im Oktober findet in der Toskana die LEroica-Rundfahrt statt. Vier ambitionierte Radler aus der Region sind am Start.

Ewald Hecht, 78 Jahre, seine beiden Söhne Frank (46) und Jochen (42) sowie deren Freund Andreas Stecker (44) verbindet ein gemeinsames Hobby. Alle vier Kirchentellinsfurter lieben alte Rennräder. Sie sind mindestens ein Vierteljahrhundert alt und aus italienischer Produktion.

Die Räder mit den Namen "Atala", "Alan", "Milanetti" und "Giostotno" haben noch einen Stahlrahmen, Hakenpedale mit Riemen, außen liegende Bremszüge und gerade mal zwölf Gänge. Die Schaltung muss noch am Rahmen betätigt werden. Eigentlich gehören diese Vehikels von anno dazumal, die absolut keinen Fahrkomfort haben, ins Museum. Ins Museum? Nicht unsere vier Schmuckstücke, sagen die vier durchtrainierten Herren im besten Alter, bei denen man in ihren eng anliegenden Renntrikots keinen Bauchansatz sieht.

Ab und zu holen die vier Schwaben ihre italienischen Rennmaschinen aus dem Keller und radeln über die Mittlere Alb. Nein, nicht auf geteerten Straßen. Sie ziehen es vor, auf Schotterwegen zu fahren. Wohl wissend, dass sie bei dieser Bodenbeschaffenheit und den alten Rädern mehr Kraft brauchen und am Abend alle Gelenke spüren.

Auf Schotterwegen? Freiwillig? Und das macht Spaß? Die vier Männer nicken. Sie haben etwas Großes vor. Morgen wollen sie sich in Italien einen Traum erfüllen. Am Sonntag, 7. Oktober, findet dort im Chianti-Gebiet in der Toskana die legendäre LEroica statt: Das ist eine Radrundfahrt für historische Rennräder, die mindestens 25 Jahre auf dem Buckel haben.

Das Heldenrennen hat sich in Liebhaberkreisen herumgesprochen. Mehrere Tausend Fans versuchen jährlich, einen der begehrten 3000 Startplätze zu ergattern. 2200 Startnummern erhalten die Italiener, der Rest bleibt den Ausländern vorbehalten. Die vier Radfans aus dem Schwabenland hatten Glück. Sie konnten sich am 1. März online für jeweils 40 Euro einen Platz im Starterfeld ergattern. Anmeldestart war damals um Mitternacht. Sechs Stunden später war alles ausgebucht.

"Man muss schon einen leichten Hang zum Quälen haben, um dort mitzumachen", gibt Frank Hecht zu Protokoll. Kein Wunder. Die Topografie und die Beschaffenheit der Rundfahrt sind eine echte Herausforderung. Mehr als die Hälfte der Strecke besteht aus den für die Toskana typischen "weißen Straßen" (strade bianche), den gefürchteten Schotterpisten. Darüber hinaus sind bei der längsten Strecke (205 Kilometer) knapp 3800 Höhenmeter zu bewältigen. Wenn es runtergeht, hat das Gefälle bis zu 15 Prozent. "Das ist Rennradfahren in seiner ursprünglichen Form", schwärmt Andreas Stecker. Warmduscher sind bei dieser Horrortour fehl am Platz. Die Teilnehmer können sich auch eine kürzere Strecke aussuchen. 38, 75 oder 135 Kilometer sind ebenfalls möglich. Die vier Kfurter haben sich für die 75 Kilometer entschieden. "Wir müssen es bei unserer Premiere nicht gleich übertreiben", schmunzelt Hecht senior, der mit 78 Lenzen zu den Ältesten im Starterfeld gehört. Gut ausgerüstet haben sich die vier Nostalgiker am Mittwoch mit einem Transporter Richtung Toskana aufgemacht. In ihrem Gepäck hat jeder eine Luftpumpe, vier Schlauchreifen, Reifenkitt und Pflaster in jeder Größe. Für den Fall der Fälle. Einen Besenwagen mit Mechanikern und Ersatzrädern gibt es bei dieser Tour nämlich nicht. Deshalb füllen die vier Schwaben auch nur Wasser in ihre blechernen Trinkflaschen. "Keinen Rotwein, wie bei vielen anderen. Wir brauchen einen klaren Kopf", beteuern die ambitionierten Rennradfahrer. Bei der Rundfahrt morgen geht es nicht auf Zeit. "Der Spaßfaktor ist der Antrieb", sagt Jochen Hecht. Auf der Strecke wird nicht nur die Landschaft genossen, sondern auch die zahlreichen Verpflegungsstände, an denen die Teilnehmer Käse, Salami, Schinken, die legendäre Linsensuppe und den berühmten Chianti kosten können.

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