Pfullingen Sparen an den Pfarrstellen

Dekan Jürgen Mohr erläuterte in der Frühjahrssynode die Notwendigkeit der Stellenstreichungen.
Dekan Jürgen Mohr erläuterte in der Frühjahrssynode die Notwendigkeit der Stellenstreichungen.
Pfullingen / JÜRGEN SIMON 27.03.2012
Die Zahl der Pfarrstellen muss laut Vorgabe der Landeskirche weiter reduziert werden. Ein Sonderausschuss der Bezirkssynode hat am Freitag bei der Frühjahrstagung genauere Vorschläge gemacht.

Die Vorgabe der Landeskirche für den Kirchenbezirk Reutlingen lautet, bis spätestens 2018 von derzeit 42 auf 39,5 Pfarrstellen zu kommen. Dekan Dr. Jürgen Mohr erläuterte den Synodalen bei der Frühjahrssynode am Freitagabend den detaillierten Berechnungsschlüssel, den die Landeskirche für die Bemessung der Pfarrstellen vor Ort zu Grunde legt und der auch im Kirchenbezirk Reutlingen bis auf zwei Ziffern hinter dem Komma angewandt wurde.

In der Vergangenheit habe man versucht, diese Zahlen in Viertel-Stellen-Stufen umzusetzen und so auch 75-Prozent-Pfarrstellen geschaffen. Davon rät der Sonderausschuss, der sich intensiv mit dieser Frage befasste, nun ab, da sich für diese Teilzeitstellen kaum Bewerber fänden. Stattdessen sollten Gemeinden über Kooperationen oder Zusammenschlüsse nachdenken, um Stellenanteile für eine volle Pfarrstelle zusammenzubekommen.

Und statt Zehntel-Stellenanteile auf die Gemeinden zu verteilen, solle lieber wieder eine volle Jugendpfarrstelle im Bezirk eingerichtet werden, referierte der Dekan die Meinung des Sonderausschusses.

Die Gesamtkirchengemeinde Reutlingen muss 1,5 Pfarrstellen einsparen, in den anderen Teilbezirken (Pfullingen, Sonnenbühl und Reutlinger Nordraum) muss jeweils um eine halbe Stelle reduziert werden.

Ausnahmen bilden Eningen und Lichtenstein, da dort bereits mit dem Pfarrstellenplan 2011 ausreichend gespart wurde. Die kleineren Teilbezirke Reutlingen-Südwest und Trochtelfingen-Gammertingen kommen jeweils mit einem Minus von 0,25 Stellenanteilen davon.

Innerhalb der Teilbezirke sollen nun die Gremien beraten, wie sie die ihnen zugewiesenen Stellenanteile auf die Einzelgemeinden oder gemeindeübergreifende Aufgaben verteilen wollen oder ob sie Gemeindezusammenschlüsse für eine Lösung halten.

Die kirchlichen Jugendwerke sollen eine Stellungnahme zur Jugendpfarrstelle abgeben. Bei der Herbsttagung der Bezirkssynode werden diese Voten dann zu einem Gesamtpaket zusammengefügt und ein Beschluss gefasst.

Für Diskussionen sorgte der Vorschlag, im "Jahr des Gottesdienstes", das die Landessynode für 2012 ausgerufen hat, alle Gottesdienste in den Gemeinden und die Zahl der Teilnehmenden statistisch zu erfassen und durch Annette Haußmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Evangelisch-theologischen Lehrstuhl für Praktische Theologie der Universität Tübingen, auswerten zu lassen. Von "zu viel Bürokratie" bis hin zu grundsätzlicher Ablehnung einer Gottesdienststatistik reichten die Einwände der Mitglieder der Bezirkssynode.

Alexander Behrend, Pfarrer in Gönningen und Befürworter des Statistikprojekts, hatte in einer Einführung zum Thema darauf verwiesen, dass in seiner Gemeinde seit sieben Jahren eine solche Statistik geführt wird und dadurch deutlicher geworden sei, dass nicht nur am Sonntagmorgen evangelischer Gottesdienst gefeiert werde. Rund 80 weitere Gottesdienste gebe es pro Jahr in Gönningen: Kinder- und Schülergottesdienste, Andachten im Seniorenheim, Trauungen und Trauerfeiern. Nicht mitgezählt werden Andachten bei Krankenbesuchen oder zum Auftakt von Sitzungen.

Sabine Großhennig, Pfarrerin an der Reutlinger Marienkirche, verwies auf die stärker gewordene Differenzierung des Gottesdienstangebots. In ihrer Gemeinde gebe es 14 verschiedene Gottesdienstformen, der Predigtgottesdienst am Sonntagmorgen sei nur eine davon. Nur ein kleinerer Teil der Menschen komme jeden Sonntag in die Kirche, immer mehr nutzten "Kirche bei Gelegenheit" und hielten sich auch nicht mehr an Pfarrgrenzen.

Der Reutlinger Pfarrer Stephan Sigloch warnte davor, die Zahl der Gottesdienstbesucher als Maßstab für eine Gemeindebeurteilung zu nehmen. Schon in der Bibel werde die Einheit von Gottesdienst und Alltag hervorgehoben, also das gesamte Gemeindeleben. Das ehrenamtliche Engagement in vielen anderen Bereichen müsse gleichwertig mit dem Gottesdienst gesehen werden.

In der Abstimmung erhielt das Projekt zur Gottesdienststatistik eine Zwei-Drittel-Mehrheit, bei 14 Neinstimmen und 19 Enthaltungen, so dass ab kommenden Sonntag, dem Palmsonntag, bis Ostern 2013 gezählt wird. Die Auswertung soll der Bezirkssynode im Herbst 2013 vorgelegt werden.

Pfarrer Thomas Henning aus Lichtenstein wurde einstimmig als neues Mitglied in den Kirchenbezirksausschuss gewählt. Dieses Gremium trifft zwischen den Synodentagungen notwendige Entscheidungen und bereitet die Synodenbeschlüsse vor.

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