Honau Sommergäste im Schatten-Tal

Dicke Luft auf dem Hof der Hutzelers: Wegen des Feriengastes Anni Lauscher (Bettina Werner, 3. v. links) muss Opa Wilhelm (Jürgen Reiff, links) in den Geräteschuppen ziehen. Magd Gretl (Carmen Vogelweyd, 2. v. links) hat wertvolle Skulpturen vernichtet, Luise Hutzele (Carmen Epple) kann nur noch den Kopf schütteln.
Dicke Luft auf dem Hof der Hutzelers: Wegen des Feriengastes Anni Lauscher (Bettina Werner, 3. v. links) muss Opa Wilhelm (Jürgen Reiff, links) in den Geräteschuppen ziehen. Magd Gretl (Carmen Vogelweyd, 2. v. links) hat wertvolle Skulpturen vernichtet, Luise Hutzele (Carmen Epple) kann nur noch den Kopf schütteln. © Foto: Gabriele Böhm
Theater / Gabriele Böhm 08.01.2018

Wir waren noch nie so schnell ausverkauft“, freute sich Otto Niederer, Regisseur der schwäbischen Gaunerkomödie, die am Freitagabend mit dem Ensemble der Honauer Zwiebelbäuch Premiere feierte. Kein Wunder – versprach doch der Titel „D’Madonna von Lichtenstein“ jede Menge Lokalkolorit. Der Dreiakter von Dieter Kleinschrod wurde auf Honauer Verhältnisse umgedichtet, wobei fiktiv auch schon einmal eine Heiligenskulptur in der evangelischen Kirche Platz fand.

Seit Ende September hatten die Schauspieler geprobt, zu deren traditioneller Premiere im Januar unter anderem diverse Theatergruppen der Region erschienen waren. Als sich der Vorhang im Gemeindehaus öffnete, blickten die Zuschauer auf ein ländliches Idyll, perfekt mit einer Fototapete und Jagdtrophäen in Szene gesetzt. „Die nur zwei Meter tiefe Bühne ist jedes Mal eine Herausforderung“, erklärte Niederer, der das Publikum begrüßte und auf die Tischdekoration mit Madonnenfiguren, Scheichs und (süßen) Schrotkugeln verwies, die wieder passend zum Stück entworfen worden war.

Gestikulierend traten Opa Wilhelm Hutzele (Jürgen Reiff) und sein Freund Karl (Thomas Biffart) in zünftiger Jägertracht durch den Saal auf die Bühne. „Manches goht nemme so wie friea“, lautet die philosophische  Erkenntnis der beiden, wenn auch Karl bekennt: „Mit schlofa ond veschpra han i no nie a Problem ghett.“ Über allem steht die Frage, wen Wilhelm nachts mit seiner Schrotflinte erwischt haben könnte, seien doch die Schmerzensschreie recht merkwürdig gewesen. Die beiden alten Herren waren ebenso witzig wie glaubwürdig und hatten die Lacher sofort auf ihrer Seite. Auf dem Hof der Familie Hutzele hat man mittlerweile ganz andere Sorgen. Weil sich die traditionelle Landwirtschaft nicht mehr rentiert, werden Sommergäste aufgenommen. Nach dem Masterplan von Hugo Hutzele (glaubwürdig als Hausherr: Thomas Epple) soll seine Ehefrau Luise (schön resolut: Carmen Epple, auch im wahren Leben die Ehegattin) fortan Meisterwerke der Backkunst auf den Tisch bringen, während Opa Wilhelm in den Geräteschuppen verbannt wird. Alles soll passen, wenn schon Gäste nach Honau, dem „vom Schatten verwöhnten Tal“, kommen.

Eine Paraderolle hatte auch Carmen Vogelweyd als Magd Gretl, die auf einmal viel mehr Arbeit hat als vorher, es jedoch gelassen sieht: „I mach oifach, was gsagt wird, da muaß i scho et soviel denka.“ Aline Werner als Tochter Mathilda Hutzele brachte das Publikum mit ihrem sportlichen Rock’n’Roll als Morgengymnastik zum Mitklatschen.

In das Idyll bricht Feriengast Anni Lauscher (Bettina Werner) ein, die der erstaunten Familie von wahren Kunstschätzen im Ort berichtet, angefertigt vom berühmten Bildhauer Johann Ferdinand Dudlbauer, der auch eine Madonna schuf.  Was es damit auf sich hat und welche Rolle das Gaunerpärchen Fritz Frosch (Jürgen Eidt) und sein Kumpel Anton (David Epple) dabei spielen, erlebte das Publikum bei drei Aufführungen am Freitagabend und am Wochenende. Das Stück, das mit schönen Kostümen, einer mitreißenden Spielfreude des Ensembles und flotten Dialogen glänzt,  ist noch am 12., 13., 19., 20., 26. und 27. Januar jeweils um 19.30 Uhr im evangelischen Gemeindehaus in Honau zu sehen.

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