Nach dem tagelangen Machtkampf in der Union pochen CDU-Politiker aus dem Südwesten auf geordnetere Verfahren in der Zukunft. „Es war höchste Zeit, dass die Entscheidung fiel. Es drohte ein Schaden für die gesamte Union“, sagte etwa CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. „Ich hätte mir eine geräuschlosere Entscheidung gewünscht.“ Die Union müsse darüber nachdenken, wie das Prozedere in solchen Fällen verbessert werden könne. „So, wie es jetzt gelaufen ist, sollte es künftig jedenfalls nicht mehr laufen.“

Bundestagsabgeordneter Michael Donth zeigt dich enttäuscht

Einige Unionspolitiker aus dem Südwesten hatten sich in dem Kampf um die Kandidatur offen hinter Söder gestellt - und damit gegen Laschet. Sie nahmen die Entscheidung vom Dienstag mit Bedauern und Zähneknirschen hin. „Ich bedauere, dass wir als Union sein Angebot nicht angenommen haben“, sagte der Reutlinger Bundestagsabgeordnete Michael Donth zu Söders Bereitschaft zur Kandidatur. „Wir haben gesehen, welche Zugkraft von ihm ausgegangen ist.“ Laschet müsse die Union nun zusammenführen. Donth sprach von einer „gewissen Enttäuschung“. „Aber nicht so, dass ich drei Wochen den Kopf in den Sand stecke und in Depression verfalle.“

Auch andere Politiker zeigen Bedauern: „Ich hatte eine andere Präferenz.“

„Markus Söder wäre ein starkes Zugpferd gewesen im Südwesten“, sagte der CDU-Wahlkreiskandidat Yannick Bury (Emmendingen-Lahr). „Wir werden für künftige Fragen dieser Art ein geordneteres Verfahren brauchen - und damit verbunden würde ich mir wünschen, über die Gremien hinaus die Breite der Partei stärker abzubilden.“ Der Abgeordnete Alexander Throm aus Heilbronn sagte: „Ich hatte eine andere Präferenz. Jetzt ist es entschieden und wir kämpfen gemeinsam.“
Auch der Böblinger CDU-Bundestagsabgeordnete Marc Biadacz forderte ein ordentlicheres Verfahren für die Zukunft. Das sei sicherlich kein guter Start für den Bundestagswahlkampf gewesen, sagte Biadacz. Die Grünen hätten da ein besseres „Drehbuch“ gehabt. Ähnlich äußerte sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Markus Grübel aus Esslingen. In der Zukunft müsse die Basis besser eingebunden werden.

Offener Brief von sieben CDU-Politiker aus dem Südwesten

Eine Gruppe von sieben CDU-Politikern, darunter Biadacz, Throm, Donth, Bury und Grübel, hatten in dem Machtkampf in einem öffentlichen Brief für Söder geworben. Offensiv hatte auch der Vorsitzende des Parlamentskreis Mittelstand der Unionsfraktion im Bundestag und CDU-Abgeordnete aus Schwäbisch Hall/Hohenlohe, Christian von Stetten, für Söder getrommelt. Von Stetten hatte am Dienstagabend noch den CDU-Bundesvorstand aufgerufen, bei der Entscheidung die Stimmung in der Unionsfraktion zu berücksichtigen. „Alles andere wäre politischer Selbstmord“, sagte von Stetten. In der Bundestagsfraktion hatte Söder einigen Zuspruch erfahren.

Thomas Strobl plädiert für NRW-Ministerpräsident Laschet

Der CDU-Landeschef und Bundes-Vizevorsitzende Thomas Strobl hatte hingegen für NRW-Ministerpräsident Laschet als Kanzlerkandidat plädiert. In der entscheidenden Sondersitzung des CDU-Bundesvorstands am Dienstagabend bekam Laschet Unterstützung von Strobl. Der habe in der Schalte nach Angaben aus Teilnehmerkreisen von einem gemischten Bild in Baden-Württemberg berichtet. Es gehe ein Riss durch die Partei. Es gebe Unternehmer, die für CSU-Chef Markus Söder seien. Und es gebe Menschen und Familienunternehmer, die ihn beknieten, Laschet zum Kanzlerkandidaten zu machen, sagte er.
„Der Findungsprozess in der Kandidatenfrage wurde deutlich härter geführt, als ich es mir anfänglich vorstellen konnte“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Unionsbundestagsfraktion, Thorsten Frei, der auch stellvertretender Landesvorsitzender im Südwesten ist. „Nun müssen die ohne Frage aufgerissenen Gräben schnell zugeschüttet werden und alle Beteiligten müssen aufeinander zugehen.“ CDU und CSU würden nur gemeinsam erfolgreich sein. „Jetzt gilt es, Armin Laschet als unseren Frontmann mit aller Kraft zu unterstützen.“