SO GESEHEN: Übern Jordan

BEH 06.03.2012

Bei der Podiumsdiskussion mit Wolfgang Kessler (siehe links) waren sich Banker und Globalisierungskritiker nahezu einig. Was haben Geld und Gier außer dem Anfangsbuchstaben gemeinsam? Das Erste verursacht das Zweite, und zwar nicht nur bei den Finanz-Heuschrecken, sondern auch beim Privatkunden. Das stellte Josef Schuler, Vorstandsvorsitzender der Volksbank, im Anschluss an das Referat von Wolfgang Kessler.

"Ich bekomme jeden Tag zu hören, unsere Zinsen seien zu niedrig", berichtete der Volks-Banker. Wie sich das mit der Gier auf sein Geldinstitut auswirkt, belegte er auch in Zahlen. Beim Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 seien 45 Millionen Euro an Anlagegeldern zur Volksbank Reutlingen geflossen: "Die Leute hatten die Hosen gestrichen voll." Kaum sei die Krise ausgestanden gewesen, seien wieder 50 Millionen Euro abgeflossen - zu Banken, die höhere Renditen versprechen. Und die mit Staatsgeldern gerettet werden mussten. Schulers Fazit: "Wenn die Politik nicht mal eine Bank ohne Wenn und Aber über den Jordan schickt, hört das nicht auf."

Seine Forderung: "Wir brauchen Banken, die das Geld ihrer Anleger seriös an Kreditnehmer verteilen. Den Rest können wir wegstreichen, das braucht kein Mensch", betonte er und lag damit auf einer Linie mit dem Finanzmarkt-Kritiker Kessler und Wilfried Münch von dem Vorzeige-Unternehmen GLS-Bank. Auch mit der Globalisierungskritikerin Natalie Kuczera von Attac stimmte der Banker Schuler zumindest darin überein, dass bei der Bewältigung der aktuellen Euro-Krise in Bezug auf den Lissabon-Pakt die Regierenden und die Europäische Zentralbank dreifachen Rechtsbruch begangen hätten.

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