SO GESEHEN · ÜBERRASCHUNGSGAST: Semiaquatischer Säuger

In der Stadt ist er eher ein seltener Gast: Der Biber. Foto: Archiv
In der Stadt ist er eher ein seltener Gast: Der Biber. Foto: Archiv
SWP 26.08.2013

Für gewöhnlich befleißigen sich Polizeibeamte in ihrer Korrespondenz einer ernsthaften, um nicht zu sagen einer amtlich-korrekten Schreibe. Nicht so jener Diensthabende der Pressestelle, der am Samstag die Begegnung seiner Kollegen mit einem ungewöhnlichen Zeitgenossen zu vermelden hatte. Er lief schreiberisch zur Höchstform auf, weshalb diesem Polizeibericht ausnahmsweise ein besonderer Platz gewidmet wird:

"Laut Wikipedia handelt es sich beim Biber um ein semiaquatisches Säugetier, das heißt sein Lebensraum sind fließende und stehende Gewässer und deren Uferbereiche. An Land bewegt er sich aufgrund seines plumpen Körperbaus nur langsam. Dies widerlegte nun ein besonders agiles Exemplar in der Nacht auf Samstag.

Als ein Anwohner der Negelerstraße kurz nach Mitternacht aus dem Urlaub zurückkehrte, traf er in seinem Garten auf eben solch ein possierliches Nagetier. Die hinzugerufene Streifenwagenbesatzung des Polizeireviers Reutlingen staunte im ersten Moment nicht weniger, begann dennoch sofort ihren Plan zur Übersiedelung des Tieres umzusetzen.

Die ersten Versuche, den Biber mittels eines Waschkorbes zu fangen, scheiterten jedoch an der zu geringen Größe des Behältnisses und der massiven Gegenwehr des rund 15 Kilogramm schweren Tieres. Der Nager hielt sich die Beamten durch Fauchen vom Pelz, so dass ihm in der Folge die Flucht durch den Gartenzaun auf die Negelerstraße gelang. Dort flüchtete das Tier mit überraschend hoher Geschwindigkeit in Richtung Bellinostraße, wo es schließlich nach kurzer Verfolgungsjagd zu Fuß gestellt werden konnte.

Hier ergab sich nun eine Pattsituation, in der beide Parteien eine direkte Konfrontation scheuten. Nachdem dieses Gleichgewicht der Kräfte aufgrund der wachsenden Ungeduld des Bibers zu Ungunsten der Beamten zu kippen drohte, wurde eine leere Mülltonne auf die Seite gelegt, welche in dem Tier das Gefühl der Geborgenheit einer Höhle wecken sollte. Der Biber misstraute jedoch diesem Angebot und durchschaute offensichtlich die wahren Absichten. Worauf der Plan geändert wurde. Mit Hilfe einer übergeworfenen Decke, einer großen Wanne und mittels Anwendung einfacher körperlicher Gewalt konnte der Nager nach kurzer aber heftiger Gegenwehr schlussendlich dann doch in der Mülltonne festgesetzt werden.

Dort verblieb er dann widerstandslos bis zum Eintreffen der Tierrettung Neckar-Alb, die sich des Nagers annahm. Bis auf eine deutliche Erhöhung der Pulsfrequenz überstanden die eingesetzten Beamten den Einsatz schadlos und sind nun um eine seltene Erfahrung reicher. Der Biber wird sich mittlerweile wieder in seinem gewohnten Lebensraum, den Gewässern und deren Uferbereichen, von den Aufregungen der Nacht erholen."

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