So gesehen · INKLUSIVES ATELIER: Kunst-Stück in Raumnot

PETER U. BUSSMANN 06.03.2015

Kunst beansprucht meist Raum, selbst Kleinkunst. Ganz besonders gilt dieser Anspruch für die Arbeit von Erich Rosenberger, der sich der ausgreifenden bildnerischen Darstellung verschrieben hat (siehe obigen Artikel). "Seine kreative Äußerung ist nicht zu verkleinern", sagt sein künstlerischer Mentor Johannes Joliet über den ambitionierten Action-Painter in Diensten der Bruderhaus-Diakonie.

Da ist Einfallsreichtum gefragt. Beispielsweise bei der am Sonntag öffnenden inklusiven Ausstellung "etwas bleibt" in der Kreissparkassen-Kundenhalle am Marktplatz. Fünf laufende Meter stehen da jedem der sechs Künstler mit und ohne Behinderung zur Verfügung. Rosenbergers genialer Trick: Er verschraubte drei mannshohe Leinwände miteinander zur dreikantigen stehenden Skulptur - drei Bilder, drei Ansichten zum Drumherumgehen.

Umso schwieriger gestaltet sich wegen dieser Dimensionen die Suche nach geeigneten Räumen für ihren künstlerischen Bereich, die die Leitung der Bruderhaus-Werkstätten seit Jahren umtreibt. Das Provisorium im Obergeschoss der Siemensstraße 2, wo die Kunst wohlgelitten Unterkunft fand, stößt spätestens bei der Idee der gegenseitigen Atelierbesuche der "etwas bleibt"-Künstler an seine Grenzen.

Dabei hat die Kunst unterm Dach der Bruderhaus-Diakonie schon eine kleine Odyssee hinter sich: Anfangs in der ehemaligen Panzerhalle im Ringelbach untergebracht, hatte danach das Domizil auf dem Tennendach im Gaisbühl zwar Atelier-Charakter, war aber winters doch extrem kalt. Da nimmt sich das vor fünf Jahren bezogene Provisorium - Ende nicht absehbar - In Laisen, wo sich die Bruderhaus-Diakonie mit einigen ihrer Firmen eingemietet hat, schon fast kommod aus. Zudem ist der Blick über Reutlingen wirklich sehenswert.

"Wir sind hier gut gelandet und sehr willkommen", sagt der künstlerische Leiter Johannes Joliet, doch er und Werkstatt-Leiter Klaus Fischer denken weiter, denn die Situation für den raumgreifenden Aktionisten Rosenberger ist alles andere als ideal. Weil er mehrere Werke gleichzeitig bearbeitet, braucht er Platz. Den muss er immer wieder räumen, damit andere Kunstschaffende - therapeutisch oder arbeitsbegleitend - auch zum Zuge kommen.

Ein Gemeinschaftsatelier für Künstler mit und ohne Handicap mit mehreren Plätzen, womöglich auch über den Dächern der Stadt, wäre ideal. Susanne Blum von der Geschäftsstelle der Inklusionskonferenz, selber künstlerisch tätig, schwärmt: "Das wäre wahre Inklusion."