Reutlingen / JÜRGEN SPIESS  Uhr
Sterben und Gebären im Ländle: Der Kinofilm "Die Kirche bleibt im Dorf" läuft nun auch als TV-Serie. Hauptdarsteller Rainer Piwek und die Reutlingerin Meike Kircher stellten die Folgen im Planie Cineplex vor.

Dieser Pfarrer muss einiges aushalten. Von Hamburg in die schwäbische Provinz versetzt, versteht er die Sprache seiner Gemeindeschäfchen nicht und erfährt den speziellen schwäbischen Humor sofort am eigenen Leib.

Nach der Ankunft in Unterrieslingen fährt "Paschtor Köschter" (Rainer Piwek) mit wehendem Talar durch die Weinberge und wird gleich mal vom Mofa gestoßen ("Pass doch auf, du Daggel!"). Dem sterbenden Rossbauer Senior muss er das letzte Geleit geben und dann auch noch ein auf Schwäbisch aufgesetztes Testament verlesen, das mit jeder Menge Gemeinheiten gespickt ist.

Doch damit nicht genug: Da niemand anderes zur Stelle ist, wird er für die Dorfschönheit Maria Häberle (Meike Kircher) zum unfreiwilligen Geburtshelfer. Zudem muss er sich bei seiner ersten Amtshandlung mit einem kiffenden Teenager im Beichtstuhl und den zerstrittenen Familien Häberle sowie Rossbauer auseinandersetzen.

Nach der Kinoversion bringt die Autorin und Regisseurin Ulrike Grote nun die gleichnamige Serie als Zwölfteiler ins Fernsehen. Die Handlung knüpft zwar an den Kinofilm an, erzählt aber die Vorgeschichte. Es geht im Wesentlichen um den Streit zweier urschwäbischer Familien und um ein dunkles Familiengeheimnis, dem der norddeutsche Pfarrer auf die Spur kommen will.

Die schwäbische Serie wurde in insgesamt 60 Drehtagen in Kleiningersheim bei Ludwigsburg gedreht. Außer der Stuttgarterin Karoline Eichhorn, die auch schon im Kinofilm mitspielte, wurden für die Serie neue Schauspieler gecastet.

Zwei davon, der Hamburger Rainer Piwek und die ursprünglich aus Reutlingen stammende und nun ebenfalls in Hamburg lebende Meike Kircher, kamen nun ins Cineplex-Kino, um nach der Vorstellung der ersten drei Folgen Fragen aus dem Publikum zu beantworten.

Da Meike Kircher mit dem schwäbischen Dialekt aufgewachsen ist, hatte sie wenig Probleme, sich mit der Figur der Häberle-Tochter Maria zu identifizieren: "Mir fiel es noch nie so leicht, den Text für eine Rolle zu lernen", erzählt die Theater-Schauspielerin, Sängerin und Musicaldarstellerin nach der Vorstellung, "dabei wurde ich beruflich noch nie mit dem Schwäbischen konfrontiert".

Ungleich schwerer tat sich da schon der gebürtige Bonner Rainer Piwek: "Einige Dialoge im Film mussten für mich schon vorher übersetzt werden", witzelt der Schauspieler und Musiker, der auch im Rheinland ohne Dialekt aufwuchs. "Meine Eltern teilten das typische Vertriebenenschicksal, und auch an der Schule war Mundart eher verpönt." Und wie kommt er so mit den schwäbischen Eigenarten zurecht? "In der Serie natürlich denkbar schlecht", berichtet der aus TV- und Spielfilmproduktionen bekannte Darsteller, "aber ansonsten kann ich dem direkten, schwäbischen Humor einiges abgewinnen".

Auch von den Besuchern bekamen die ersten drei Folgen nach der Vorstellung herzlichen Beifall. Das mag mit der festen Verankerung des Films und seiner Darsteller in hiesigen Gefilden zu tun haben, aber auch mit dem passenden Musik-Soundtrack und den treffsicheren Pointen.

Die SWR-Serie ist voller hinterhältigem Humor, ruppig-liebenswerten Einfällen und mit urigen Typen gespickt, die vor allem durch ihre eigenbrötlerische Darstellung zu überzeugen wissen.

Landläufige Gepflogenheiten sowie menschliche Abgründe und Eitelkeiten werden zuhauf auf die Schippe genommen. Dabei lässt die aus Bremen stammende Autorin Ulrike Grote gerne deftige Bitternis in tiefschwarzen Humor umschlagen, Skurriles in Tragisches und umgekehrt, und das von Szene zu Szene. Alles in allem: Der Weg vom erfolgreichen Kinofilm zur vielleicht kultigen TV-Serie dürfte zumindest geebnet sein.