Die Männer tragen schwarze Westen mit Silberknöpfen und prächtige Hüte, bestückt mit kleinen glitzernden Spiegeln. Bei den Frauen fällt der Blick sofort auf die bunten Seidenröcke mit den aufwändig gearbeiteten Schürzen und Spitzenhemden sowie die handgeknüpften Seidentücher.

Einmal im Jahr ziehen die Trachtengruppen zu volkstümlichen Klängen von der Betzinger Mauritiuskirche zum Julius-Kemmler-Platz. Nicht fehlen dürfen beim großen Festumzug der "Kerweihnarr", das Geldherrenpaar und natürlich der Kirchweih-Strauß, der eine besondere Rolle bei der traditionellen Kirchweih der Banater Schwaben einnimmt. Am Samstag war es wieder soweit: Da bot Betzingen die malerische Kulisse für das Banater Kirchweihfest, das dieses Jahr vom rumänischen Dörfchen Bogarosch ausgetragen wurde.

Die Banater Schwaben sind eine deutsche Bevölkerungsgruppe aus dem rumänischen Banat, die nach ihrer Vertreibung, Flucht oder Auswanderung nach dem Zweiten Weltkrieg unter anderen in Betzingen ein neues Zuhause gefunden haben. Von den mehr als 500 000 in Rumänien lebenden Deutschen sind weniger als 50 000 dort verblieben, die meisten davon Ältere. Rund 1500 Banater Schwaben leben derzeit in der Region Reutlingen und für viele ist es der Jahres-Höhepunkt, "diese Tradition wieder aufleben zu lassen und ein Zeichen der Integration in der Dorfgemeinschaft zu setzen", so die Vorsitzende des Kreisverbandes Reutlingen, Christine Neu, die auch die Trachtengruppe der Banater Schwaben leitet.

Das Kirchweihfest wird jedes Jahr nach der Tradition einer anderen Gemeinde ausgerichtet, je nachdem, wer im Vorjahr den Kirchweih-Strauß ersteigert hat. Dieses Mal sind es die Donauschwaben aus Bogarosch, die ihre Trachten stolz beim Festumzug präsentieren. Mit dabei sind neben den Banater Schwaben aus Reutlingen und Singen auch die Donauschwäbische Tanz- und Folkloregruppe Reutlingen, die Siebenbürger Sachsen aus Metzingen, die Donauschwaben aus Cincinnati (USA) und erstmals die Donauschwaben aus Buenos Aires (Argentinien).

Das abwechslungsreiche Programm startet mit einem Gottesdienst in der Mauritiuskirche, der wie immer von Heimatpfarrer Peter Zillich gehalten wird. Danach bewegt sich der Umzug unter dem Jubel zahlreicher Zaungäste zum Festplatz bei der Kemmlerhalle.

Dort werden schließlich Banater Spezialitäten angeboten. Es gibt traditionelle Tanzvorführungen und zahlreiche Ansprachen, unter anderen von der Vereinsvorsitzenden Christine Neu und Bezirksbürgermeister Thomas Keck, der als Schirmherr die Veranstaltung begleitet. Er bemüht in seinem Grußwort ein passendes Zitat von Wilhelm von Humboldt: "Wer seine Vergangenheit nicht kennt, hat keine Zukunft."

In diesem Sinne verkündet der Vortänzer den dicht gedrängten Gästen im Anschluss den traditionellen Kirchweihspruch, die Kapelle spielt zünftige Blasmusik und der Rosmarin-Strauß wird an den nächsten Ausrichter der Banater Kirchweih versteigert. Das Fest endet erst zu später Stunde mit einem Tanzabend in der Julius-Kemmler-Halle, musikalisch begleitet von den "Schlager(b)engeln".