ARCHITEKTUR Sieger kommt aus Stuttgart

Reutlingen / Von Ralph Bausinger 19.12.2017

Die Jury hat getagt und eine einstimmige Entscheidung im Wettbewerb „Historische Häuserzeile Oberamteistraße“ getroffen. Der erste Preis geht an das Stuttgarter Büro Wulf Architekten GmbH, das sich mit einem durchaus unkonventionellen Entwurf durchsetzen konnte. Zudem sprach sich die Jury dafür aus, den Entwurf des ersten Preisträgers umzusetzen.

Die Häuserzeile Oberamtei­straße, die bis 13. Jahrhundert zurückreicht und als älteste Häuserzeile Süddeutschlands gilt, sei ein „großer Schatz, aber auch ein Sorgenkind für die Stadt“, hatte Oberbürgermeisterin Barbara Bosch in ihrer  Einführung betont. Hauptziel des Wettbewerbs sei die „maximale Bestandserhaltung“ der beiden historischen Gebäude gewesen. Zudem sollte ein Neubau – „ein modernes Gebäude in moderner Formensprache“ – diese abstützen, wie Bosch ausführte. Die Rathaus-Chefin zeigte sich überzeugt, dass wir hier eine „Lösung auf dem Tisch haben, die uns in Reutlingen weiterbringt.“ Ganz bewusst seien keine Nutzungsvorgaben gemacht worden, ergänzte Ulrike Hotz. Die Nutzung solle sich hier, so die Baubürgermeisterin, dem Kulturdenkmal unterordnen.

Am besten gelungen ist dies nach Überzeugung des Preisgerichts dem von Stephan Burger betreuten Entwurf des Stuttgarter Architektenbüros Wulf, das hierfür mit den beratenden Ingenieuren Knaak+Reich aus Reutlingen kooperierte. Der Siegerentwurf sieht für den Neubau eine Fachwerkkonstruktion vor, die komplett mit Biberschwanziegeln aus Glas verkleidet wird, so dass die Holzkonstruktion durchschimmern kann. Das Besondere daran: Mit Ausnahme eines Treppenhauses und eines Aufzuges, über die der Zugang zu den oberen Stockwerken der bestehenden Häuser erfolgt, ist das Haus leer. Der Zugang erfolgt über eines der alten Gebäude, in dem auch die Toiletten dank der Zustimmung des Denkmalamtes untergebracht werden können.

Er und seine Mitarbeiter hätten sich bewusst gegen eine Rekonstruktion des 1972 abgerissenen Hauses entschieden, erläuterte Prof. Tobias Wolf im Gespräch. „Wir mussten das machen, was notwendig ist.“ So entstand die Idee eines „Hauses mit Funktionen, das aber auch eine leere Hülle“ ist.

„Ein Haus ist dann schön, wenn du nichts wegnehmen und hinzufügen kannst“, lobte Prof. Arno Lederer den Siegerentwurf. Zuvor war der Vorsitzende des Preisgerichts kurz auf die Besonderheiten der prämierten Entwürfe eingegangen.

Wie geht’s jetzt weiter? In den kommenden Wochen wird die Stadt ein nach Europarecht notwendiges Verfahren nach der Vergabeordnung starten, ehe der Gemeinderat über das weitere Vorgehen entscheidet. Auch wenn die Fraktionen über den Weg der Finanzierung des Projekts noch nicht einig seien, hoffe und wünsche sie sich, sagte Barbara Bosch, „dass die Begeisterung über den Entwurf in die Bereitstellung der Mittel münden wird“.

Preisgericht vergibt fünf Preise

Das Preisgericht, das unter dem Vorsitz von Prof. Arno Lederer am Freitag getagt hatte, zeichnete fünf der insgesamt elf eingereichten Entwürfe mit einem Preis aus.

Neben dem mit 30 000 Euro dotierten ersten Preis für das Stuttgarter Büro Wulf Architekten GmbH gab es zwei, mit jeweils 15 000 Euro dotierte, dritte Preise für das Reutlinger Büro Riehle Assoziierte und die W&V Architekten GmbH aus Leipzig.

Jeweils 8500 Euro für ihren Entwurf erhielten die beiden Viertplatzierten, das Architekturbüro Klörle aus Bad Mergentheim und der Architekt Peter W. Schmidt aus Pforzheim. rab

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