Vor gut drei Jahren hat der Schülerladen seine Pforten geöffnet. Seitdem hat sich viel getan am Lindenplatz 3. Zum einen hat Jugendreferentin Julia Hildebrand mit ihrem Büro Einzug gehalten, zum anderen ist die Produktpalette genauso gewachsen wie die Zahl derer, die hier einkaufen.

Hildebrand ist am Dienstag zusammen mit Hans-Anton Maier von Pro Juventa in den Verwaltungsausschuss gekommen, um ihre Arbeit vorzustellen (ein Bericht über das Jugendreferat ist in unserer Zeitung bereits im Januar erschienen). Mit von der Partie war bei dem Präsentationstermin auch Claudia Zentgraf, die den Stadträten erläuterte, was sich bei PULS - ein wichtiger Bestandteil der Pfullinger Jugendarbeit - tut. Und das scheint doch einiges zu sein. Gut 50 Jungen und Mädchen sind heuer in verschiedenen Teams in dem Kooperationsprojekt von Arbeitsagentur, Pro Juventa, Stadt Pfullingen sowie Schloss-, Real- und Uhland-Förderschule aktiv. Betreut werden sie von sieben Erwachsenen - neben Hildebrand und Zentgraf sind das Ursel Münzinger, Leo Köhler, Sarah Strohmeier, Andrea Karnik und Hans Batsching.

Sie alle folgen einer Leitidee: Nämlich, dass im Schülerladen gearbeitet wird, wie in einer richtigen Firma. "Weshalb wir hier Bewerbungsverfahren üben und die Schüler dann sogar Arbeitsverträge abschließen", erklärt Zentgraf. Zu den 50 Jungen und Mädchen, die am Lindenplatz arbeiten und unter anderem für Warenplatzierung und Verkauf zuständig sind, kommen noch die Jugendlichen, die in den Produktionsgruppen an den einzelnen Schulen im Einsatz sind. Sie stellen Bienenhotels und Nistkästen, Schallplatten-Uhren und Visitenkartenständer, Textil-Boxen und Kirschkernkissen her. Und seit neuestem gibt's sogar einen Kuchenservice.

Immer freitags backen die Uhlandschülerinnen auf Vorbestellung Minikuchen. Zu den Standards (Käse, Marmor, Apfel und Linzertorte) bieten die Mädchen auch noch Cantuccini und saisonales Gebäck an. Ein Service, zu dessen Nutzern auch die Stadtverwaltung gehört und der immer besser ankommt.

Wären die Kuchen allerdings nicht so lecker, würde ihnen wahrscheinlich das widerfahren, was so manchem anderen Schüler-Produkt passiert: Es geht zurück. "Wenn etwas schlecht verarbeitet ist, merken wir das gleich. Es wird zum Ladenhüter oder die Kunden bringen es wieder her", so Zentgraf, die in den Retouren durchaus auch einen positiven Effekt sieht. Schließlich erkennen die Schüler so, dass es sie nicht weiterbringt, wenn sie schlampig arbeiten.

Im Laden am Lindenplatz gibt's derweil weit mehr zu kaufen, als das von Schülerhand hergestellte. Auch Fair-Trade-Produkte, Second-Hand-Kleidung, Bücher und Spielzeug gehen raus an die Käufer - zu denen übrigens nicht nur Kinder und Jugendliche zählen, "sondern auch viele ältere Leute", hat Zentgraf schon beobachtet. "Unsere Kunden sind zwischen fünf und 92 Jahre alt".

Sinn des Schülerladens ist es aber auch, den Kontakt zwischen den Jugendlichen zu verbessern. Bei Grillnachmittagen, Ausflügen, der Weihnachtsfeier und anderen Aktivitäten - PULS ist unter anderem beim Jugendaktionstag und beim Lebendigen Adventskalender mit dabei - kommen die einzelnen Schul-Teams zusammen. "Berührungsängste werden so Stück für Stück abgebaut", weiß Zentgraf, die heuer mit den Jugendlichen noch einmal auf die Reutlinger Gründermesse gehen wird. Das allerdings zum letzten Mal. Denn teilnehmen dürfen an der Messe nur Unternehmen, die es noch nicht länger als drei Jahre gibt. Weshalb PULS ab 2017 nicht mehr zu den Gründern, sondern zu den Etablierten zählt.