Pfullingen Sich selbst herausfordern

Ein kleines Kissen aus Silber, den "Pfulben" als Motiv aus dem Stadtwappen, tragen sie nun am Revers. Bürgermeister Rudolf Heß (von links) zeichnete Theo Brenner, Prof. Gerhard Klein und Prof. Hermann Fischer aus. Foto: Jürgen Herdin
Ein kleines Kissen aus Silber, den "Pfulben" als Motiv aus dem Stadtwappen, tragen sie nun am Revers. Bürgermeister Rudolf Heß (von links) zeichnete Theo Brenner, Prof. Gerhard Klein und Prof. Hermann Fischer aus. Foto: Jürgen Herdin
Pfullingen / JÜRGEN HERDIN 26.11.2012
Drei langjährig ehrenamtlich außerordentlich engagierte Männer erhielten nun die seltene Ehrung, mit der Bürgermedaille ausgezeichnet zu werden. Den Stadtpfulben hatten zuvor nur sieben Pfullinger erhalten.

Das Martinskollegium unter der Leitung von Stefan Knote spielte alle vier Sätze von Mozarts Kleiner Nachtmusik, und die Festredner wählten würdevolle wie auch humorvolle Worte, um sich bei den Geehrten zu bedanken. Denn diese sind seit vielen Jahrzehnten in ihren jeweiligen Bereichen außerordentlich aktiv, agieren dem Gemeinwohl verpflichtet. Sie zählen die Stunden nicht, die sie auch weiterhin für ihre Mitbürger aufwenden - mit großem Engagement und unentgeltlich.

In der Mensa des Friedrich-Schiller-Gymnasiums hatten sich um Theo Brenner, Prof. Hermann Fischer und Prof. Gerhard Klein rund 150 geladene Gäste versammelt, die es selbst auch - irgendwann oder immer wieder - mit den Geehrten zu tun haben. Neben zahlreichen Gemeinderäten durfte Bürgermeister Rudolf Heß auch den Grünen-Landtagsabgeordneten von Reutlingen, Thomas Poreski, begrüßen - sowie mit Günther Hecht einen Bürger, der 2002 mit dem "Stadt-Pfulben" ausgezeichnet worden war.

Durch jeweils einstimmigen Beschluss des Gemeinderates wird diese Ehrung beschlossen, wobei es sich das Gremium dabei selbst auferlegt ist, mit Bedacht und sparsam die jeweiligen Persönlichkeiten auszuwählen. "Denn es ist eine seltene und hohe Auszeichnung, die an Persönlichkeiten verliehen wird, die sich in einem besonderen Maße um die Menschen und um die Stadt verdient gemacht haben", so Bürgermeister Rudolf Heß in seiner Laudatio, gerichtet an die Männer, die ganz ohne Zweifel diese Kriterien schon lange erfüllt haben - und heute noch aktiv sind. Und damit fordern sie auch stets sich selbst immer aufs Neue heraus.

Eigentlich brauchte man nicht mehr zu viel über sie berichten, so sehr bekannt und anerkannt ist deren Wirken in der Stadt. Doch waren ja auch Gäste von außerhalb nach Pfullingen gekommen, um zu erfahren, was denn alles zu den vielfältigen, eigeninitiativ gewählten Aufgabenfeldern dieser überaus rüstigen Herrschaften gehört.

So hat Theo Brenner einst das Bürgerbüro im evangelischen Paul-Gerhardt-Haus gegründet hat. Sein heutiger Bürgertreff mit 60 freiwilligen Mitarbeitern im Altenheim des Samariterstifts "Haus am Stadtgarten" gehört zu den lebendigsten, integrativsten Einrichtungen in der Stadt. Bei zahlreichen Veranstaltungen finden dort Menschen jeden Allters zusammen. Ebenso im "Offenen Mittagstisch" und im erfolgreichen Projekt "Bürgerbus".

"Immer dort, wo es brennt, ist Brenner", lobte der Bürgermeister wortspielerisch - und traf damit den Kern. Denn das Augenmerk des gelernten Textilingenieurs ist stets auch auf die Menschen gerichtet, die - aus welchen Gründen auch immer - am Rande stehen. Und er sorgte in Pfullingen auch mit der ebenfalls sozial engagierten "Läufergemeinschaft" (Benefizläufe) für eine Menge Bewegung.

Nicht zu vergessen die Bücherstube, das Projekt "Leih-Opa und Oma, sowie die "Theaterwerkstatt der Generationen" (heute: Mixed Pickles") , wie Heike Reiff anmerkte, die im Namen des Bürgertreffs sprach. "Du nimmst Dir Zeit und schenkst anderen Zeit", so Heike Reiff in ihren liebevollen Worten.

An Klaus Tross-Weinacht war es, die Arbeit von Prof. Hermann Fischer zu würdigen. "Kritisches Denken statt Nachplappern" habe er stets von seinen Studenten gefordert. Fischer lehrte als Professor für Deutsche Sprache und Literatur an den PHs Reutlingen und in Weingarten. Er schuf das Grundlagenwerk "Schwäbisches Handwörterbuch".

Er war und ist der Motor der "Pfullinger Kulturwege" - und ist mit den Freunden der Stadtbücherei die große Stütze einer Bibliothek, die auch dank dieses Engagements noch immer ohne Benutzergebühren auskommt. "Du bist immer bescheiden, integer und unbestechlich geblieben" - so der Laudator.

Gerhard Klein war Professor der Pädagogik und Gründer des Samstag-Treffs für Menschen mit und ohne Behinderungen. Das Miteinander in fast allen Lebensbereichen propagierte Klein schon zu Zeiten, als es den heute so gern dafür im Mund geführten Begriff "Inklusion" noch gar nicht gab."Du weist stets in die richtige Richtung": Elsbeth Pasternacki würdigte auch Kleins Arbeit für die Magdalenenkirche.

Erfreut und gleichermaßen bescheiden dankten die drei neuen Träger der Bürgermedaille - vor allem ihren Mitstreitern. Unisono betonten sie, dass ohne diese Stützen, Freunde und Ehepartner vieles nicht machbar gewesen wäre.

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