Möglicherweise sind diese 200 000 Euro, die der Kreistag jetzt mit großen Bedenken für die Fortführung der Regional-Stadtbahn-Planung bewilligte, "nicht sinnvoll eingesetzt", räumte auch Landrat Thomas Reumann ein. Das wäre dann der Fall, wenn die jetzt anstehenden Verhandlungen mit dem Land über einen von Finanzminister Nils Schmid (SPD) in Aussicht gestellten "faire Risikoausgleich" der nicht vom Bund bezuschussten Projektkosten scheitern.

Wenn also der Bund aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungs-Gesetz (GVFG) das rund 100 Millionen Euro teure Modul 1 der RSB - Elektrifizierung von Ammertal- und Ermstalbahn einschließlich stadtbahnähnlichem Ausbau der Neckartalstrecke - nicht zu 60 Prozent fördert. Mangels Masse etwa, denn bis 2019, wenn das GVFG ausläuft, stehen den Westländern ganze 1,9 Milliarden Euro Fördermittel zur Verfügung, während allein baden-württembergische Projekte im Wert von 1,4 Milliarden Zuschüsse erwarten.

Doch weil Begonnenes fertig gebaut werden muss, so Bundesverkehrs-Staatssekretär Enak Ferlemann, müssen sich das Land und die Projektträger die verbleibenden Kosten teilen. Der bei den Kommunen und Kreisen verbleibende Anteil muss jedoch zu stemmen sein, "wir dürfen uns da nicht verlupfen", so Reumann.

Bis zur Sitzung am 20. Oktober müssen diese Zahlen ausverhandelt sein, muss klar feststehen, wer war zu zahlen hätte. Dann wird der neue Kreistag entscheiden, ob er in die weitere Entwurfs- und Genehmigungsplanung einsteigt. Die kostet rund 2,1 Millionen, allein den Kreis Reutlingen 920 000 Euro. Oder ob er aus dem Bahnprojekt aussteigt.

Bis dahin aber, so Reumann, "wollen wir die Tür offen lassen". Doch die Zeit drängt, machte Carsten Strähle, als ENAG-Chef mit der Vorplanung betraut, klar: Drei Monate Untätigkeit gefährden den fristgerechten Ablauf. Mit dem Geld könnte zudem das Ingenieurbüro, das bislang die Pläne erstellte, gehalten werden und "wir müssten nicht neue Fachleute suchen".

Bei allen Bedenken und "unguten Gefühlen", die die Sprecher von FWV und CDU äußerten, rang sich das Gremium dann doch einstimmig dazu durch, diese Mittel zur Verfügung zu stellen. Florian Weller (CDU) verglich es gar mit dem Roulett-Tisch: "Wir legen noch mal 200 000 Euro auf und teilen das Risiko, um die Chance auf das Projekt zu erhalten." Für Barbara Bosch (SPD) gehen "im Oktober die Daumen rauf oder runter". Richtig sei, den genauen Preis für die RSB zu erfragen, "erst dann können wir sagen, wir haben alles versucht".