SEITENBLICKE: Virenschleuder: Rotznase, Halskratzen und umnebelter Kopf

ARMGARD DOHMEL 21.02.2015

Mich hat es schon wieder erwischt! Eigentlich ist das bei mir ja fast ein Dauerzustand: Rotznase, Halskratzen, verschleimter Husten, umnebelter Kopf. Ich weiß gar nicht mehr, wie sich das Leben ohne diese Sch...infekte anfühlt, die mich immer häufiger packen und schütteln und mir langsam jede Lebensfreude rauben. Andere Leute sind gesund und schauen mich mitleidig-verächtlich an, wenn ich mich schon wieder als Virenschleuder betätige - und sie machen mehr und mehr einen Bogen um mich.

Angefangen hat es vor rund vier Wochen während meiner Türkeireise. Eigentlich wollte ich etwas Sonne tanken im deutschen Winter - aber denkste! Bei meiner Ankunft gab es dort am Mittelmeer ungewohnte Minusgrade, gefolgt von Sturm und Regen. Und ich bekam natürlich Husten und Schnupfen. Es war jedoch eine etwas mildere Variante, so dass ich trotzdem am öffentlichen Leben teilnehmen und die paar letzten Tage genießen konnte, als tatsächlich die Sonne schien. Wieder daheim, blieben mir bis jetzt kleine Reste dieser Erkältung - bis die Viren in mir vor ein paar Tagen erneut aktiv wurden und mich lahm legten: Bellhusten mit Schleimproduktion und brennender Luftröhre, ein "laufender" Schnupfen, der meinen Taschentuchverbrauch in schwindelnde Höhen jagt - und sogar etwas Fieber, wie ich heute gemessen habe.

Nun sitze und liege ich also im Wechsel daheim herum. Mein geliebter Sonntagskurs im Fitness-Studio fehlt mir besonders und es ist sooo langweilig! Gemeinerweise scheint draußen die Sonne - heute früh konnte ich ihren Aufgang über dem Albrand beobachten. Die Vögel haben Frühlingsgefühle und zwitschern um die Wette. Und ich schleppe mich in der Wohnung von der Couch zum Computer, von dort in den Sessel vor dem Fernseher - und immer wieder in die Küche.

Dort suche ich ständig nach etwas Essbarem, denn anders als "normale" Leute, die dann nichts runterkriegen, habe ich einen ungeheuren Appetit, wenn ich krank bin. Das liegt wahrscheinlich an meiner frühkindlichen Sozialisation: Meine Mutter verwöhnte mich bei meinen Kinderkrankheiten und meiner häufigen Angina immer mit Pudding, Kuchen und anderen Leckereien. Ihrer Meinung nach brauchte ich, gerade wenn ich krank war, "etwas zum Zusetzen", damit ich ja nicht vom Fleisch fiel. Das hat sie damit wahrlich meisterhaft geschafft, das sieht man an meinem Gewicht und daran, dass diese "Konditionierung" auch heute noch wirkt.

Es ist so laaangweilig! Nach dem Mittagessen, bestehend aus einer Fertigsuppe, habe ich tatsächlich zwei volle Stunden mit einer Decke auf meiner gemütlichen Wohnzimmer-Couch gepennt! Trotzdem war mir nach dem Aufwachen kalt und ich habe mir eine Wärmflasche gefüllt sowie einen heißen Tee getrunken. Zu irgendwelchen vernünftigen Beschäftigungen fehlen mir Lust und Energie, dafür bin ich zu verdrießlich und zu gelangweilt. Meine Berliner Mailfreundin, die jetzt nach Puerto de la Cruz auf Teneriffa reist, hat geschrieben: "Daran stirbst du schon nicht!" Ich hoffe, sie hat Recht. Für meine nächste Reise nach Tunesien habe ich immerhin noch ein paar Wochen Zeit, um gesund zu werden.

Inzwischen hat sich die Sonne immer mehr hinter Wolkenschleier verzogen und es erscheint mir gar nicht mehr so verlockend draußen. Eben war ich wieder in der Küche und habe zwei Toastbrötchenhälften in den Toaster geworfen. Essen ist die einzige "Tätigkeit", die mich begeistern kann. Auf die Waage gehe ich natürlich in meiner jetzigen Verfassung auch nicht - das deprimiert nur noch mehr. Die Brötchen sind fertig - die gibt's jetzt mit Butter und Marmelade, hmm! Oder lieber mir Leberwurst und Zwiebelscheiben?