SEITENBLICKE: Und wieder geht ein Jahr zu Ende

ARMGARD DOHMEL 31.12.2013

Schon wieder stehen wir an der Schwelle zu einem neuen Jahr. Dabei habe ich das Gefühl, mit dem zu Ende gehenden Jahr noch gar nicht richtig vertraut zu sein, geschweige denn, mit ihm abgeschlossen zu haben. Seit der Jahrtausendwende rauschen die Jahre an mir vorbei, ich kann sie bei dem Tempo ihres Vergehens nicht fassen, in ihnen nicht mehr heimisch werden.

Meine vage Erinnerung sagt mir, dass es früher anders war: Da schien mir ein Jahr eine lange Zeitspanne, die ich bewusst durchlaufen konnte, ohne den Anschluss zu verlieren - ohne aus der Zeit zu fallen. Ende Dezember war ich "reif" für ein neues Jahr, konnte von Anfang an Schritt mit ihm halten und fühlte mich "auf der Höhe der Zeit". Vielleicht bilde ich mir das auch nur ein - doch meine Empfindung sagt mir etwas anderes.

Jetzt im Alter kommt mir alles, was früher war, wie ein riesiger, trüber See vor: Ich weiß, mein ganzes Leben ist in ihm versunken, aber ich kann das meiste nicht mehr erkennen und weiß nicht, wo ich suchen, wo ich "im Trüben fischen" soll. Vieles, was ich erlebt habe, ist mit bestimmten Gefühlen und Eindrücken verbunden. An ihnen kann ich mich oft zurücktasten zu dem Erlebnis selbst. Doch die Dinge zeitlich einzuordnen, fällt mir immer schwerer. Und wenn mehrere Reisen oder andere wichtige Ereignisse kurz hintereinander stattfinden, verblassen die jeweils vorangehenden noch schneller. Deshalb will ich jetzt am Ende dieses Jahres zurückschauen und versuchen, mir seine wichtigsten Stationen noch einmal vor Augen zu führen.

Da waren die zwei sommerlich warmen Februarwochen auf der Kanareninsel Fuerteventura mit Sonne und Wind, Baden im Meer, der Beobachtung von Erdhörnchen und langen Spaziergängen. Zehn Jahre zuvor hatte ich hier Weihnachten und den Jahreswechsel zusammen mit einer sehr guten Freundin und früheren Kollegin verbracht. Sie ist vor gut drei Jahren an Krebs gestorben. Unseren Ferienort von damals ganz im Süden der Insel besuchte ich nun mit dem Linienbus und ging in Gedanken an sie die früheren Wege.

Im Mai unternahm ich etwas gegen meine Knie-Arthrose und leistete mir eine private Kur im Thermalbad Héviz in Ungarn. Aus dem noch eisigen Deutschland fand ich mich in einem strahlenden Frühling mit blühenden Tulpen, Flieder und Kastanien wieder. Das heilkräftige Wasser des größten Thermalsees der Welt tat mir zusammen mit der heiteren Atmosphäre des lebhaften Kurortes sehr gut - seitdem spüre ich mein Knie nur noch manchmal.

Darauf folgte der Freibad-Sommer, den ich wie üblich in Reutlingen genoss. Wenn die anderen unterwegs sind, bleibe ich gern daheim. So konnte ich auch die vernichtende Walze des Hagelsturms vom heimischen Balkon aus hautnah miterleben. Allerdings hatte ich Glück: Meine Wohnung liegt in Richtung Osten und es gab bei mir keine Schäden.

Für Oktober buchte ich frühzeitig eine Sommer-Verlängerung an der Küste von Dalmatien - und meine Rechnung ging auf: Der kleine, gemütliche Ferienort übertraf ebenso wie das preiswerte Hotel all meine Erwartungen. Ich schwamm fast täglich im Meer und machte viele Wanderungen dort in meinem noch angenehm naturbelassenen Lieblingsland Kroatien.

Nur zwei Wochen später - Anfang November - startete ich zu meiner dritten Kreuzfahrt ins östliche Mittelmeer, die mich diesmal bis nach Israel führte. Beim Aufenthalt im warmen Haifa konnte ich noch reichlich Sonne und Wärme für den deutschen Winter tanken. Und jetzt beginne ich langsam, mich auf zwei Wochen Tunesien im Februar des neuen Jahres 2014 zu freuen!