SEITENBLICKE: Über Hotels, die es anscheinend nicht gibt

ARMGARD DOHMEL 03.05.2012

Nun passiert es mir schon zum zweiten Mal mit einem Hotel auf der kroatischen Insel Brac: Ich habe ganz normal für Mai eine im Internet angebotene Pauschalreise mit Aufenthalt in diesem Hotel gebucht und die Rechnung im Voraus bezahlt. Die Buchung wurde bestätigt, ich erhielt alle nötigen Unterlagen. Dann kam wieder so ein ominöser Brief: "Ihre Reservierung ... kann leider nicht aufrechterhalten werden. Der Hotelier teilte uns mit ... Hotelöffnung verschoben ..." Im Klartext: Das Hotel hat noch nicht geöffnet. Anfang Oktober 2011 hatte das gleiche Hotel entgegen der Bestätigung bereits geschlossen. Damals wie heute erhielt ich ein Alternativangebot für ein Hotel derselben Betreiberkette.

Hätte ich nicht genau mein Wunsch-Hotel im letzten Herbst bei einem Ausflug mit eigenen Augen gesehen, würde ich mir langsam die Frage stellen, ob es das Haus wirklich gibt - oder ob es sich dabei nur um ein "Lockangebot" handelt: Wer es bucht, bekommt eine bedauernde Absage - und als Alternative ein weniger attraktives anderes Hotel vorgeschlagen. Weil man ja verreisen möchte, sich schon darauf gefreut hat und nicht den lästigen Aufwand einer Stornierung mit möglichen Restkosten auf sich nehmen will, stimmt man schließlich zu, wenn auch nicht begeistert. Da aber in meinem Fall das ursprünglich gebuchte Hotel real existiert, kann meine unfreundliche Unterstellung nicht ganz stimmen. Möglicherweise trifft sie jedoch in Bezug auf die Qualität der Ersatz-Hotels zu. Deshalb bin ich schon sehr gespannt auf die Erfahrungen, die ich diesmal machen werde.

Die Anzahl der "Sterne", mit denen sich ein Hotel schmückt, ist nicht unbedingt ein Indiz für seine Güte. Ich habe schon großartige Drei-Sterne-Häuser erlebt - und solche mit vier Sternen, die schwer zu wünschen übrig ließen. In einem Ersatz-Hotel dieser Kategorie war ich im Oktober, als das gewünschte Hotel angeblich bereits geschlossen hatte: Zum Ende der Saison hin wirkte das Personal unlustig und gelangweilt, es herrschte eine unfreundliche Atmosphäre, das Büfett war eintönig und die Einquartierung einer vielköpfigen kroatischen Sportlergruppe sorgte tagelang für drangvolle Enge, Chaos und nächtlichen Radau.

Diesmal wurde mir ein Drei-Sterne-Hotel am gleichen Ort empfohlen, das leider etwas weiter vom Zentrum und vom Meer entfernt liegt. Anstelle der von mir gebuchten Halbpension werde ich dort "all inclusive" verpflegt, was zu unerwünschten Folgen für mein Gewicht führen kann. Ein echter Vorteil, der sich finanziell niederschlagen dürfte, sind jedoch die darin enthaltenen kostenlosen Getränke zu den Mahlzeiten. Schließlich bin ich inzwischen (fast) Schwäbin!

Weniger angetan bin ich vom betont "kinderfreundlichen" Image, das sich dieses Haus gibt. Das erinnert mich fatal an ein ähnliches Hotel auf Lanzarote, wo das Speiserestaurant jeden Abend vom Geschrei unzähliger Kleinkinder vibrierte. Im Internet kann man zu jedem Hotel vollmundige Beschreibungen von Betreibern und Reiseunternehmen lesen. Wer diesen Lobeshymnen nicht ganz traut, findet daneben Erfahrungsberichte von Reisenden, die bereits dort Urlaub gemacht haben. Diese Möglichkeit, meine Eindrücke ins Netz zu stellen, habe ich nach der Oktoberreise genutzt. Das werde ich nach dieser Reise ebenfalls tun - und freue mich schon heute darauf!