SEITENBLICKE: Mein tunesisches Hotel und die "Wunschliste"

ARMGARD DOHMEL 11.04.2015

Die dritte meiner Tunesienreisen entpuppte sich als ein richtiges kleines Abenteuer. Wie gewohnt, hatte ich im Internet eine Reise gebucht und dabei das Beste gehofft, da mir die beiden früheren Aufenthalte an der Nordküste Afrikas in guter Erinnerung waren.

Auf der Fahrt vom Flughafen zum Hotel in Yasmine, einem Vorort von Hammamet, regte ich mich nicht mehr über die "fliegenden" Plastiktüten am Straßenrand, auf den angrenzenden Feldern und Freiflächen auf und übersah auch die Müllhaufen, die sich in allen Ecken türmten: Das kannte ich ja bereits! Der Empfang im Hotel war freundlich und ich war froh, gut angekommen zu sein. Dass alles im Inneren des angeblichen Vier-Sterne-Hotels recht abgewohnt wirkte, nahm ich nach und nach zur Kenntnis, aber ich hatte keinen Luxus erwartet. In der Halle tummelten sich tunesische Familien mit vielen lebhaften Kindern. Die Frauen trugen meistens traditionelle Kleidung mit Kopftuch oder Schleier, die männlichen "Familien-Oberhäupter" traten sehr selbstbewusst auf.

Mein Zimmer entsprach dem Eindruck, den ich vom Hotel gewonnen hatte. Was alles kaputt war oder nicht funktionierte, erschloss sich mir recht schnell: Zwei Lampen brannten nicht; den Knauf an der rechten Schranktür hielt ich beim Öffnen in der Hand; im Schrank fand ich nur drei Kleiderbügel; dem Klopapierhalter fehlte die Aufhängung für die Rolle - und als ich probeweise den betagten Röhrenfernseher einschaltete, fand ich nur französische und arabische Programme. Ich erstellte eine "Wunschliste" der Dinge, die fehlten oder repariert werden sollten, und wandte mich damit an den charmanten, gut Deutsch sprechenden Bediensteten an der Rezeption. Er lächelte verbindlich und versprach Abhilfe: "Alles kein Problem, das erledige ich für Sie!" Ich ging wieder auf mein Zimmer und wartete. Und es passierte - nichts! Erneut wurde ich bei der Rezeption vorstellig. Nun war ein anderer Hotelbediensteter zuständig, dem ich meine Anliegen freundlich, aber bestimmt erläuterte. Wieder das Versprechen: "Wird erledigt!" Und wieder wartete ich umsonst. Beim dritten Gang zur Rezeption traf ich dort auf eine Frau in offenbar höherer Position - der Diensthabende stellte sie als "housekeeper" vor. Nachdem ich ihr ebenfalls meine "Wunschliste" vorgetragen hatte, erklärte ich: "Jetzt bleibe ich hier stehen, bis Sie etwas tun!" Nun kam die Sache endlich ins Rollen: Sie rief über Handy einen jungen Mann, wohl einen Hausmeister, und wir fuhren gemeinsam nach oben in mein Zimmer. Es dauerte zehn Minuten, dann brannten alle Lampen, der Griff an der Schranktür saß fest, und für die Klopapierrolle hatte Madame "housekeeper" eine zwar verbogene, aber immerhin passende Halterung aufgetrieben. Das junge Mädchen, das die Räume putzte, wurde nach Kleiderbügeln geschickt. Die waren wohl Mangelware, denn sie kam mit gerade mal zwei Stück zurück und musste nochmals auf die Suche gehen, um den Rest der gewünschten fünf Bügel zu besorgen.

Nun fehlte mir nur noch ein deutscher Sender, denn ich wollte ja wenigstens täglich die Nachrichten sehen. Ich hatte vergeblich die verfügbaren 16 Sender überprüft und nur Französisch und Arabisch gehört oder "Schneegestöber" gesehen, doch an der Rezeption glaubte man mir nicht, dass kein deutscher darunter sei. Fast hätte ich aufgegeben - da erschien ein Techniker, zappte sich durch das Programm, bestätigte meine Aussage und installierte das ZDF. Das reichte mir. Nun gab ich Ruhe und war zufrieden mit meinen "Erfolgen". Der Schrankgriff allerdings hielt kaum eine Woche, dann hatte ich ihn wieder in der Hand. Ich löste das Problem für den Rest meines Aufenthalts mittels eines gut durchgekauten Kaugummis.