SEITENBLICKE: Mallorca: Statt Sonne kalter Wind und Schnupfen

SWP 09.03.2012

Das musste schief gehen! Im deutschen Winter geisterten mir zunehmend Bilder voll Sonne und Mandelblüten von letztem Jahr auf Mallorca durch den Kopf. Trotz leiser innerer Warnungen, dass Wiederholungen selten glücken, buchte ich zwei Wochen in einem einfachen Hotel in El Arenal. Die Beurteilungen früherer Gäste klangen nicht gerade begeistert: Aufzüge ständig kaputt; Sauberkeit im Zimmer lässt zu wünschen übrig; Essen mittelmäßig bis schlecht; Personal unfreundlich. Doch das war mir egal, ich sah mich im Sonnenschein unterwegs.

Der erste Tiefschlag kam ein paar Tage vor der Abreise: Mit dem üblichen Kratzen im Hals und Niesattacken kündigte sich ein Schnupfen an. Noch war ich optimistisch, mit ein paar milden Tagen in der salzigen Meeresluft das drohende Monster erfolgreich in die Flucht zu schlagen. Als ich das Flugzeug verließ, waren Ohren und Nase total dicht. Die Sonne ließ sich nur gelegentlich blicken und um das Hotel in einer schattigen Altstadtgasse pfiff kalter Wind. Vom Balkon meines Zimmers im neunten Stock ging mein Blick auf verschachtelte Hinterhöfe und einen Pool mit schmutzig-dunkelgrüner Brühe.

Die wenigen Gäste passten exakt in diese Umgebung: ältere Ehepaare; ebensolche Alleinreisende, darunter einige Stammgäste; ein paar junge Männer - Radsportler, die tagsüber unterwegs waren. Als positive Überraschung erwies sich das Abend-Büfett, das in Auswahl und Qualität zumindest bei mir gut ankam. Allerdings waren meine Geschmacksnerven inzwischen durch die Erkältung stark gedämpft.

Die nächsten Tage wäre ich daheim auf meiner Couch oder im Bett viel besser aufgehoben gewesen: Der Infekt steigerte sich, zum Schnupfen kam die wohlbekannte Bronchitis mit Bellhusten und zeitweise sogar Fieber. Davon war ich bald so erschöpft, dass ich gleich nach dem Abendessen ins Bett fiel, wo ich im fliegenden Wechsel schwitzte und fror.

Zum Glück blies die Klimaanlage wenigstens etwas Wärme ins Zimmer und der Mini-Fernseher brachte bei Bedarf ein wenig Unterhaltung. Mit der Lektüre des mitgebrachten dicken Krimis konnte ich ebenfalls für einige Zeit mein Elend ausblenden.

Da ich mir von der salzigen Seeluft schnellere Heilung erhoffte, zwang ich mich täglich nach draußen und schleppte mich dick eingepackt in Steppjacke und mit Strickmütze die Promenade entlang. Doch nichts half - das Meer ist wohl auch nicht mehr, was es einmal war. Auf diese Weise verging die erste Woche. Mein Verbrauch an Taschentüchern war immens und ich musste einige Male Nachschub kaufen. Wie ich nach und nach erfuhr, war ich nicht die Einzige mit derartigen Leiden: Die Kältewelle hatte ja auch Mallorca ungewohnten Schnee beschert und viele Einheimische wie Touristen kämpften als Folge davon mit Husten, Schnupfen und Grippe. Das erzählte mir eine deutsche Einwanderin, die seit 40 Jahren in El Arenal lebt. Sie saß dick vermummt mit ihrem Hündchen im gleichen Straßen-Café wie ich und fiel mir dadurch auf, dass sie mit Passanten rasant Spanisch, mit dem Tier jedoch Deutsch sprach.

Irgendwann hatte ich das Gefühl, das Schlimmste wäre überstanden. Das erwies sich jedoch später als Irrtum - ich kämpfe auch daheim immer noch mit dem Infekt, der nach jedem leichten Abflauen wieder von vorn beginnt.