SEITENBLICKE: Der neue Busbahnhof am Balaton

ARMGARD DOHMEL 03.06.2015

Bei meinem dritten Kuraufenthalt im ungarischen Heilbad Héviz war ich ja mit den Gegebenheiten vor Ort bereits vertraut. Doch auch dort, wenige Kilometer vom Plattensee - oder Balaton - entfernt, ist natürlich die Zeit nicht stehen geblieben. Das wurde mir klar, als ich mit dem Linienbus in den Nachbarort Keszthely am Balaton fuhr.

Ich kannte den alten Bushalteplatz dort mit seinen vom Zahn der Zeit angenagten Bussteigen und Hinweistafeln und war erstaunt, als der Busfahrer ein Stück davor am Straßenrand hielt und alle Fahrgäste ausstiegen. Dann sah ich den Grund: Nagelneu und futuristisch ragte vor mir auf dem bisher unbebauten Platz eine in eleganter Linie geschwungene Fassade auf: Der neue Busbahnhof! Sogar digitale Anzeigetafeln hingen über den einzelnen Bussteigen.

Nur einen Nachteil schien dieses Wunderwerk zu haben: Es war noch nicht fertig und deshalb auch nicht in Betrieb. Vergeblich suchte ich nach Hinweisen darauf, wo ich später die Haltestelle für die Rückfahrt finden würde: Keine Informationen weit und breit! Eine einzige der früheren Haltebuchten schien noch aktuell zu sein - doch auf dem Schild fand ich neben einer Reihe unaussprechlicher Ortsnamen BUDAPEST. Das war es eindeutig nicht, denn ich wollte ja irgendwann zurück nach Héviz. Die anderen Fahrgäste hatten sich inzwischen zerstreut. Da ich leider nicht Ungarisch spreche, hätte es sowieso keinen Sinn gehabt, jemand auf der Straße zu fragen, und die Gegend war nun wie ausgestorben. So beschloss ich, das Problem der Rückfahrt erst einmal auf Eis zu legen, und startete zum geplanten Spaziergang in Richtung Balaton.

Entspannt schlenderte ich durch die Budengasse, die zum See führt, schleckte unterwegs ein Eis und "begrüßte" dann das historische Inselbad, das ich von früheren Besuchen kannte, das aber noch nicht für die Saison gerüstet war. Später bummelte ich die Promenade entlang unter blühenden, stark duftenden Bäumen durch das Städtchen. Die elfenbeinfarbenen, winzigen Blüten hingen an filigranen Rispen und bildeten eine Art lockerer Quasten.

Langsam wurde es Zeit, wieder "heim" in mein Feriendomizil zu fahren. Also ging ich zurück zum unfertigen, leeren Busbahnhof. Am Bahnhofskiosk auf der anderen Seite entdeckte ich dann doch zwei Menschen: Ein junger Mann mit Bierflasche in der Hand und eine mollige Blondine unterhielten sich wild gestikulierend. Ich stellte mich dazu und erfuhr, dass die Frau Russin war und ebenfalls zum Bus nach Héviz wollte. Der Junge hatte eindeutig einen "Kater" und berichtete in holprigem Englisch, er sei die Nacht über bei einem Open-Air-Konzert gewesen. Aber er kannte die Bushaltestelle, die wir suchten! Nach einigem Hin und Her mit widersprüchlichen Wegbeschreibungen liefen wir los. Mit der Russin konnte ich mich nur durch Gesten verständigen - wir sprachen beide nicht die Sprache der anderen. Geradeaus - dann links - dann rechts schien die richtige Variante zu sein. Und tatsächlich - wir fanden die Haltestelle! Ich rechnete nun mit einer längeren Wartezeit. Doch kaum hatten wir im Wartehäuschen Platz genommen, kam ein Bus - und sogar der richtige mit Schild "Héviz" im Fenster! Die nette Russin teilte während der Fahrt ihren Apfel mit mir, und am (noch) alten Busbahnhof von Héviz trennten sich unsere Wege.