Reutlingen / NORBERT LEISTER  Uhr
"Denke ich an den Ohmi-Club, denke ich an Italien, an ein Eric-Clapton-Konzert", erinnerte sich Helga Jansons am Mittwoch bei der Feier zum 40. Geburtstag des einst in Ohmenhausen gegründeten Clubs.

"Als Jugendliche war ich bei Segelfreizeiten dabei, die waren alle sehr schön", betonte Clarissa Knittel am Mittwochnachmittag beim Fest zum Jubiläum des Ohmi-Clubs. Sie erinnerte sich an ein Wise-Guys-Konzert und manch andere Freizeit, die sie als mehrfach behinderte junge Frau durch und mit dem besonderen Club erlebt hatte. "Durch diese Möglichkeiten kann man sein Handicap auch mal vergessen", so Knittel. "Genau das ist Inklusion - die beginnt da, wenn wir nicht mehr drüber sprechen müssen."

Ralf Holz interviewte bei der Jubiläumsfeier einige weitere Festgäste, so etwa zahlreiche ehemalige Zivis, die in den zurückliegenden Jahrzehnten dort ihren "Wehr-Ersatzdienst" geleistet haben. Viele von ihnen sind durch diese prägenden Erlebnisse in sozialen Berufen gelandet. Ob sie in den 70er-, 80er- oder 90er Jahren im Ohmi-Club ihre Zivi-Zeit erlebten - alle sagten übereinstimmend: "Es war eine schöne Zeit." Unter ihnen auch der Clown Klikusch, alias Alexander Geiger, der mit seinen Zaubereien und Jonglagen die Feier umrahmte. Andere ehemalige Zivildienstleistende sind dem Ohmi-Club noch heute verbunden, organisieren jedes Jahr wieder Segelfreizeiten. Einer von ihnen erinnerte sich gar an ein internationales Hochseerennen, an dem der Ohmi-Club teilgenommen hatte. "Das war ein sagenhaftes Abenteuer", sagte der Organisator lachend. Und das nicht nur auf hoher See, sondern auch auf der Straße: "Kurz vor Calais hat unser KBV-Bus den Geist aufgegeben."

Deutlich schwieriger sei das Thema der jugendlichen Unterstützer nach der Abschaffung des Zivildienstes geworden, wie Holz als Vorsitzender des Vereins für Körper- und Mehrfachbehinderte (KBV) erläuterte. "Die jungen Hilfskräfte fehlen sehr." Dennoch geht es weiter mit dem Ohmi-Club, auch nach 40 Jahren. Im Fokus habe der Verein nicht nur Freizeiten, Clubabende, Jugendtreffen, Spiel- und Gesprächsabende, Kino-, Theater- und Konzertbesuche, Ausflüge und Gemeinschaft.

Auch politische Aussagen und die Verdeutlichung der Belange von behinderten Menschen in der Öffentlichkeit seien immer wieder wichtige Ziele. "Ich erinnere mich zum Beispiel an die Aktion am Reutlinger Wandelknoten, als wir eine halbe Stunde lang immer wieder die Straße überquerten - um darauf hinzuweisen, dass die Grünphasen der Fußgängerampeln für behinderte Menschen viel zu kurz sind."

"Der Ohmi-Club ist eine Konstante im Kreis Reutlingen und gehört zur Landschaft der Inklusion ganz eindeutig dazu", betonte Sozialdezernent Andreas Bauer. KBF-Geschäftsführer Thomas Seyfarth lobte die "erfolgreiche und gute Zusammenarbeit zwischen der Körperbehindertenförderung und dem Ohmi-Club".

Seyfarth sagte "Dank für das große Engagement", auch von Matthias Bach, der seit vielen Jahren einer der Motoren des besonderen Vereins sei. "Ohne die vielen helfenden Hände hätte der Ohmi-Club in all den Jahren nie funktionieren können", betonte Seyfarth.