Der Verhandlungsmarathon zwischen Leni und ihrer Mutter will nicht enden. Entweder der Kuschelbär und ein Halskettchen oder der Tiger und die Spielesammlung: Die Siebenjährige muss sich entscheiden. „Alles kannst Du nicht bekommen“, stellt die Erziehungsberechtigte ihre Tochter vor die Wahl. Fünf Euro werden ausgegeben – mehr auf keinen Fall. Ein Spottpreis angesichts der Dinge, die zur Debatte stehen. Ein Spottpreis, der sich allerdings nicht nur für die Einkäufer auszahlen wird, sondern auch für soziale Projekte in unserer Region, an die die Basar-Veranstalterinnen vom Inner-Wheel-Club Reutlingen-Tübingen auch in diesem Jahr den Flohmarkt-Erlös spenden werden.

Die Geige neben der Kaffeedose

Die Geige liegt gleich neben der Kaffeedose und den Glaskaraffen, Schmuckstücke reihen sich nur einen guten Meter vom Handtaschen-Stand entfernt aneinander und während ein älterer Mann ein Sakko mit Krawatte anprobiert, faltet seine Frau Tischdecken auseinander und sucht sie nach eventuellen Mängeln ab. Das Bild, das sich an diesem Mittwoch beim Inner-Wheel-Basar in der Stadthalle bietet, zeugt von emsigster Betriebsamkeit. Hunderte Käufer drängen sich an den knapp 20 Ständen, die den großen Saal bis ans letzte Eckchen füllen. Gut 100 Ehrenamtliche sind im Einsatz, damit der Riesen-Flohmarkt reibungslos über die Bühne gehen kann. Es sind die Frauen von Inner-Wheel Reutlingen-Tübingen, die aus den drei Rotary-Clubs in unserer Region zusammengefunden haben und diesen Basar heuer zum 20. Mal in Folge organisiert haben. Es sind aber auch Helfer aus ihrem Freundeskreis und Männer aus den Rotary-Clubs dabei, die den Frauen von Inner-Wheel zur Seite stehen. Sie alle haben das gesamte vergangene Jahr über Dinge für den Flohmarkt bei sich zuhause gehortet. „Dann haben sie es vergangene Woche zu den Sammelstellen gebracht, am Montag wurde alles in die Stadthalle geschafft und den ganzen Dienstag über haben wir die Stände aufgebaut“, berichtet Dr. Aiga Stapf, die beim IW-Club Reutlingen-Tübingen für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Vier Tage Arbeit sind es – die beiden Verkaufstage am Mittwoch und Donnerstag eingerechnet –, die die Ehrenamtlichen für den guten Zweck ohne Entgelt auf sich nehmen.

Erlös für soziale Einrichtungen

„Der Erlös“, erklärt Stapf, „geht danach wie jedes Jahr an soziale Projekte und Einrichtungen, an Schulen und Altenheime, aber auch an Kulturtreibende“. Wobei der Erlös davon abhängt, wieviel die Menschen, die hierher kommen, spenden möchten. „Wir verlangen nämlich für die Waren keinen Festpreis. Die Leute sollen einfach so viel geben, wie sie möchten“, sagt die Tübingerin. Wenn einer für 20 Cent ein paar Turnschuhe haben will, dann ist allerdings Schluss. „Dann sagen wir auch mal Nein.“ Schließlich spenden die Käufer ja direkt für den guten Zweck, meint Stapf. Derlei Feilschereien sind indes eher die Ausnahme bei dem Flohmarkt, der auch am heutigen Donnerstag noch einmal von 9 bis 16 Uhr geöffnet ist. Vorbeischauen lohnt sich – auch, weil der Kuchen, den es im Foyer gibt, von den Inner-Wheel-Frauen selbst gebacken wurde.

Die Börse gibt’s seit 20 Jahren


So groß der Basar heute geworden ist, so klein haben die Veranstalter von Inner-Wheel Reutlingen-Tübingen angefangen. Vor genau zwei Jahrzehnten haben sie die Börse zur festen jährlichen Einrichtung werden lassen – damals noch im Gemeindesaal des Matthäus-Alber-Hauses. Das allerdings wurde 2009 saniert und umgebaut, weshalb die Basar-Macherinnen gezwungen waren, umzuziehen. Die Listhalle wurde zur neuen Heimat für die Second-Hand-Börse. Planung und Logistik, aber auch die Arbeit der Helfer wurden dank der Erfahrungswerte immer effektiver, der Basar kam stetig besser an beim Publikum – musste dann allerdings erneut umziehen. Die Listhalle ist Geschichte, die Stadthalle seit 2013 das neue Domizil der Veranstaltung, die regelmäßig Tausende Besucher anlockt. lyn