GALAKONZERT Schwips-Lied und Banditenstreiche

Walzer, Polkas, Wiener Blut: Die Württembergische Philharmonie bei der Silvestergala mit den Solisten Antonio Rivera und Elena Fink. Foto: Marinko Belanov
Walzer, Polkas, Wiener Blut: Die Württembergische Philharmonie bei der Silvestergala mit den Solisten Antonio Rivera und Elena Fink. Foto: Marinko Belanov
ANNE-MARIE WURSTER 02.01.2014
Ein Feuerwerk für die Ohren: Die Württembergische Philharmonie Reutlingen schickte ihr Publikum schwungvoll ins neue Jahr. Bei der Silvestergala überzeugten auch die Solisten Elena Fink und Antonio Rivera.

So bunt wie das beleuchtete Foyer war auch das Programm: ein effektvolles Potpourri aus Oper und Operette, gemischt mit heiteren Polkas und Walzern. Die Württembergische Philharmonie unter Leitung von Peter Falk hatte zur Silvestergala geladen - die Stadthalle war ausverkauft.

Erwartungsgemäß standen Verdi, Rossini, Johann Strauss Sohn, Bellini, Donizetti und andere auf dem Programm. Falk, der schon mit Opernstars wie Montserrat Caballé, René Kollo und Cecilia Bartoli zusammengearbeitet hatte, fand sichtlich und hörbar Spaß an diesem bunten Programm.

Er setzte den Taktstock sparsam, aber präzise ein und führte das Orchester so souverän an. Besondere Feinfühligkeit bewies er bei der dynamischen Gestaltung, etwa im klangschönen Aufbau der Crescendi. Falk verstand es, die einzelnen Farben des Orchesters wirkungsvoll zu nutzen, vor allem die solistischen Holzbläser kamen so gut zur Geltung.

Die Koloratursopranistin Elena Fink ließ viele verschiedene Nuancen von hingehauchtem Piano bis zu kokettem Witz und energischer Leidenschaft hören. Die Schwierigkeiten in ihren Arien meisterte sie mit Leichtigkeit, auch die hohen Töne sang sie klar und kraftvoll - doch was erwartet man auch anderes von einer Sängerin, die als Paraderolle die Königin der Nacht aus der "Zauberflöte" angibt?

Der in Mexiko geborene Tenor Antonio Rivera sang seine Arien ebenfalls sicher, sauber und mit großer Tragfähigkeit, wirkte gegenüber der farbenreicheren Stimme von Elena Fink jedoch etwas blass.

In der zweiten Konzerthälfte war sogar noch ein wenig Theater geboten: So ließen sich die beiden Sänger in "Das eine kann ich nicht verzeihen" aus "Wiener Blut" zu einem Walzertänzchen hinreißen oder erschienen plötzlich in Franz von Suppés Ouvertüre zu "Die Banditenstreiche" auf den Emporen.

Ein Highlight war das "Schwips-Lied" von Johann Strauss Sohn, das Elena Fink als angeschickerte Dame zu einem Ausflug ins Publikum nutzte. Sie wankte charmant kichernd mit einem Sektglas durch die Reihen und ließ sich gar auf dem Schoß eines Gastes nieder - was das Publikum mit einem freudigen Zwischenapplaus quittierte. Das Orchester erwies sich als zuverlässiger und einfühlsamer Begleiter der Sänger, glänzte aber vor allem in den instrumentalen Werken mit einem vollen, runden und doch fein nuancierten Klang.

Besonderen Mut bewiesen die beiden Schlagzeuger, die Strauss muntere Polka mit beherzten Schlägen der Becken und der großen Trommel "störten" und so eindrucksvoll demonstrierten, warum diese Polka den Titel "Unter Blitz und Donner" trägt.

Das restlos begeisterte Publikum animierte die Künstler zu drei Zugaben. Und nach "Tanzen möcht ich" aus "Die Csárdásfürstin" und "Libiamo ne lieti calici" aus "La Traviata" erklang - endlich - auch der Radetzky-Marsch, mit dem die Württembergische Philharmonie ihre Gäste nach einem rundum gelungenen Konzert in die Silvesternacht entließ.