Reutlingen Schwimmen gegen den Strom

Naram Koschel vom Tiefbauamt und Fachgebietsleiter Jochen Strey erläutern die Arbeiten am Frankonenwehr.
Naram Koschel vom Tiefbauamt und Fachgebietsleiter Jochen Strey erläutern die Arbeiten am Frankonenwehr. © Foto: Jürgen Spieß
Von Jürgen Spieß 20.08.2018

Die Stadt macht durch den Bau einer Fischaufstiegsanlage in der Echaz den Weg für die Tiere frei: In dieser Woche ist die Fischtreppe beim Frankonenwehr fertig und geht Ende September in Betrieb. Die 377 000 Euro teure Baumaßnahme ermöglicht es zukünftig kleinen und größeren Fischen, auch flussaufwärts durch einen betonierten Schlitzpass zu schwimmen und die knapp zwei Meter Höhenunterschied zu überwinden.

1984 wurde im Zuge der Landesgartenschau die „Renaturierung“ der Echaz in Gang gesetzt und Zug um Zug weiterbetrieben. Nach Abschluss der Renaturierung im Jahr 1999 mussten jedoch durch den Bau der Reutlinger Stadthalle Eingriffe an der Echaz vorgenommen und Ausgleichsmaßnahmen festgelegt werden. „Denn“, so Naram Koschel vom städtischen Amt für Tiefbau, Grünflächen und Umwelt beim Pressetermin, „nach dem Wasserhaushaltsgesetz müssen nicht naturnah ausgebaute Gewässer in einen naturnahen Zustand zurückgeführt werden“. Während der erste Teil der Maßnahme, der Bau einer Fischaufstiegsanlage am ehemaligen Rat’schen Wehr, bereits im vergangenen Jahr abgeschlossen wurde, stand nun der zweite Teil beim Frankonenwehr hinter dem Restaurant  La Calabrisella an.

Die 29 Meter lange und treppenförmig ansteigende Anlage ermöglicht den zahlreichen Forellen und schwimmschwächeren Kleinfischen zukünftig, die 1,95 Meter Höhenunterschied flussaufwärts durch knapp 30 Zentimeter breite Schlitze zu überwinden. Bisher war dieser Aufstieg selbst für äußerst sportliche Forellen in der Echaz nur bei extremem Hochwasser möglich. Geplant ist, weitere Fischaufstiegsanlagen zu installieren, sodass bis 2027 die Echaz zwischen Wannweil und Pfullingen komplett verbunden und für die Fische dann auch flussaufwärts durchgängig wird.

Gleichzeitig wird durch die Maßnahme gewährleistet, dass die Keller der beim Frankonenwehr angrenzenden Gebäude bei Hochwasser nicht überflutet werden: „Dabei bleibt die Rampenkrone des bestehenden Wehrs erhalten“, erklärt Naram Koschel.

Bei den Bauarbeiten, die am 3. Juli starteten, wurde die bereits vorher angelegte Baustraße fortgeführt und eine Wasserhaltung aus erodierbarem Material erstellt. Danach folgte der Abbruch des bestehenden Sohlpflasters, das dem alten Wehr als Erosionsschutz diente.

Nach der Betonierung der Bodenplatte und der Wände, wofür auch ein Teilstück des Wehrs abgebrochen wurde, konnten die Aussparungen für die Schützanlage eingebaut werden. Gleichzeitig musste der linksufrige Grundablass um zwei bis drei Meter versetzt werden, damit der Fischpass an der linken Ufermauer angeordnet werden konnte.

Durch die neue Fischtreppe am Frankonenwehr können die Fische nun von Becken zu Becken flussaufwärts schwimmen und das Wehr überwinden. Und nicht zuletzt bedeutet diese Baumaßnahme „eine ökologische Aufwertung der sehr fischreichen Echaz“, so Naram Koschel von der Stadtentwässerung Reutlingen (SER).

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel