Reutlingen Schwerpunkt auf den Handel legen

„Wir sind bei den Hauptthemen ganz gut unterwegs“: IHK-Präsident Christian O. Erbe zieht eine durchaus positive Bilanz seiner bisherigen Arbeit.
„Wir sind bei den Hauptthemen ganz gut unterwegs“: IHK-Präsident Christian O. Erbe zieht eine durchaus positive Bilanz seiner bisherigen Arbeit. © Foto: Archiv/Ralph Bausinger
Reutlingen / Von Ralph Bausinger 20.03.2018

Seit siebeneinhalb Jahren steht Christian O. Erbe an der Spitze der IHK Reutlingen, befindet sich jetzt in der Mitte seiner zweiten Amtsperiode. Grund genug, eine Zwischenbilanz zu ziehen und einen Ausblick zu wagen.

„Wir wollten politischer werden – und das sind wir auch geworden“, sagt der 56-jährige IHK-Präsident, der seit einem halben Jahr auch Vizepräsident des baden-württembergischen Industrie- und Handelskammertages ist. In seiner neuen Funktion ist er auch näher an den Stuttgarter Ministerien dran. Dies führt wiederum dazu, dass die Chancen höher sind, Einfluss auf bestimmte Entscheidungen zu nehmen.

Gerade auch mit Blick auf den drohenden Fachkräftemangel spiele der Kernbereich  Bildung/Weiterbildung nach wie vor eine entscheidende Rolle Als positiv bewertet es der IHK-Präsident auch, dass es unter der grün-roten Landesregierung gelungen ist, das Fach „Wirtschaft“ im Lehrplan der Schulen zu verankern.

Was die duale Ausbildung angeht, hat Erbe eine „größere Offenheit“ bei Grün-Schwarz ausgemacht. Um diese weiter zu stärken, setzt er sich auch für einen international anerkannten Abschluss wie Bachelor oder Master professional ein.

Die IHK möchte in Zukunft verstärkt die Themen Digitalisierung und Existenzgründung/Start-ups angehen. Bei letzterem sieht Erbe noch Nachholbedarf, was er auf die gute konjunkturelle Entwicklung zurückführt. Ein weiteres Schwerpunktthema soll der Handel in den Innenstädten werden, der nicht nur unter der Konkurrenz durch das Internet leidet.

Wichtig ist Erbe auch, den IHK-Mitgliedern etwas zu bieten. So hat sich in den vergangenen Jahren  die Zahl der Netzwerke auf 46 mit rund 2000 Teilnehmern verdoppelt – vor fünf Jahren waren es noch 19 gewesen. Die drei neuesten Netzwerke sind das Netzwerk Bau- und Immobilienwirtschaft, das Netzwerk Großhandel und das Netzwerk Projektmanagement. Die IHK will, so Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Epp, in diesem Bereich weiter wachsen. 2023 soll es mehr als 50 Netzwerke mit über 4000 Teilnehmern geben. Darüber hinaus gibt es rund 3000 Ehrenamtliche, die als Prüfer, in den Ausschüssen, aber auch in der Vollversammlung tätig sind.

Gemeinsam mit dem Hauptgeschäftsführer und der Vollversammlung gehe es auch darum, die Kammer weiterzuentwickeln:  Die IHK Reutlingen verfügt über ein Budget von jährlich 16 Millionen Euro. Davon wird die eine Hälfte durch öffentlich-rechtliche Aufgaben finanziert, die andere Hälfte durch kostenpflichtige Dienstleistungen erwirtschaftet. Den Anteil der Dienstleistungen möchte die IHK-Spitze gerne auf 60 Prozent ausbauen.

Einer dritten Amtszeit scheint Erbe nicht abgeneigt: Es sei ihm gelungen, einen gute  Balance zwischen dem Ehrenamt des IHK-Präsidenten und seinem „Hauptberuf“ als Geschäftsführer der Erbe Medizintechnik GmbH zu finden. Die Zusammenarbeit mit Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Epp, der sich um das operative Geschäft kümmert, funktioniere gut. Zudem könne er auf die Unterstützung seiner sieben Vizepräsidenten bauen.

Dritte Amtsperiode für Christian O. Erbe?

Die Satzung der IHK Reutlingen sieht vor, dass der Präsident nur einmal wiedergewählt wird. Im Dezember vergangenen Jahres billigte die Vollversammlung eine Satzungsänderung, die eine dritte Amtszeit unter strengen Voraussetzungen ermöglicht. Darin heißt es: „Eine zweite Wiederwahl ist zulässig, wenn die anwesenden Vizepräsidenten im Rahmen einer Präsidiumssitzung in geheimer Abstimmung einstimmig (ohne Enthaltung) den Beschluss fassen, den amtierenden Präsidenten für eine erneute Kandidatur vorzuschlagen.“

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