Reutlingen Schwäbisch für alle

Mundart-Wochen 2016: Wilhelm König (links) und Josef Schuler.
Mundart-Wochen 2016: Wilhelm König (links) und Josef Schuler. © Foto: Kathrin Kipp
Reutlingen / KATHRIN KIPP 03.02.2016
Jetzt wird in Reutlingen wieder dem Dialekt gehuldigt, mit Comedy, Musik und Literatur: Insgesamt zehn Veranstaltungen sind zum 40-Jahre-Jubiläum der Reutlinger Mundart-Wochen geplant - 10. Februar bis 15. März.

1976 gab's die ersten Mundart-Wochen. In einer relativ entspannten Zeit des Aufbruchs, wie sich der schwäbische Dialekt-Impresario Wilhelm König erinnert: Marktplätze wurden damals autofrei, Fachwerke herausgeputzt, Heimatmuseen eröffnet. So konnte man sich in aller Ruhe mal wieder dem Dialekt widmen. Von dem man damals annahm, dass er über kurz oder lang wohl aussterben würde.

Nun, Totgesagte leben länger, und so haben auch Wilhelm Königs Mundart-Wochen bis heute überlebt. Und sind so beliebt wie eh und je. Ob aus Nostalgie oder purer Lust an der Unterhaltung, jedenfalls waren in jüngster Zeit die meisten Mundart-Acts in der Volksbank Gartenstraße jeweils ausverkauft.

Auch dieses Jahr, wenn mit den 41. Mundartwochen das 40-jährige Bestehen der Mundartgesellschaft Württemberg gefeiert wird, geht's voraussichtlich wieder heiß her, auf Schwäbisch oder auch auf Bayrisch. Denn bezüglich des Zungenschlags zeigen sich die Mundart-Wochen traditionell offen für alles, was Färbung hat. Gefeiert wird mit einem standesgemäßen Festakt am 10. Februar, in den Hallen des langjährigen Hauptsponsors, der Volksbank, und zwar mit Prominenz und leichter Muse. Ab 19.30 Uhr sprechen die Vorstandsmitglieder der Mundart-Gesellschafts Dr. Raimund Schur und Rainer Kurze sowie Wilhelm König. Grußworte gibt's vom Vorstandsvorsitzenden der Volksbank, Josef Schuler, von Landrat Thomas Reumann sowie OB Barbara Bosch. Musikalisch bringt das Günther-Wölfle-Trio die Gäste auf Trab, und Dominik Kuhn alias Dodokay zeigt ausgewählte Werke seines filmischen Dialektschaffens.

Ganz neu im Reutlinger Mundart-Programm sind dann die Wellküren, die am 13. Februar ab 19 Uhr mit ihrem "deftig bayrischen Musik-Kabarett" auf die Bühne steigen. "Herz sticht" heißt das Programm der "einzig wahren Schwester-Partei für Freiheit, Gleichheit und Stubenmusik". Die Wellküren sind in echt die Schwestern der Well-Familie, deren Brüder jahrelang als Biermösl-Blosn ihr musikalisch-kabarettistisches Unwesen trieben.

Was für einen Dialekt "Helge und das Udo" eigentlich praktizieren, ist schwer zu sagen. Lustig sind sie auf jeden Fall, und mit "Ohne erkennbare Mängel" treten Helge Thun und Uod Zepezauer am 17. Februar, 20 Uhr, in der Gartenstraße auf. In der Ankündigung heißt es: Sie "spielen, singen und improvisieren auf höchstem Niveau und sind dabei unschlagbar komisch".

Die schwäbische Kabarettistin Martina Brandl aus Geislingen an der Steige erzählt am 19. Februar, 20 Uhr, "Irgendwas mit Sex". Eins haben Sex und Kabarett gemeinsam, findet Brandl: "Es macht mehr Spaß, wenn beide mitmachen." Damit meint sie ihr Publikum, das mit Zwischenrufen das geplante Programm der Komödiantin "über den Haufen werfen" darf, wie es heißt, und das nicht nur auf Schwäbisch, sondern gleich mehrsprachig.

Erstmals bietet das Treffen auch etwas für Kinder: eine Lesung auf Schwäbisch für Leute ab vier Jahren am 20. Februar, 14 Uhr, mit dem Pfullinger Ex-Kriminalbeamten Jürgen H. Riedel. Er begibt sich ins "Land der wilden Biber", wo die kleinen und großen Nager kleine und große Abenteuer erleben. "Bauklötze staunen" tut ebenfalls am 20. Februar, 19 Uhr, Karl-Heinz Dünnbier, der bei seinem "magischen Kabarett" schwäbisch schwätzt, und das auch noch teils aus dem Bauch heraus. Obendrein zaubert er noch mit seinen Puppen: "Schwäbisches Kabarett gepaart mit Zauberkunst höchster Güte".

Reichlich "Wein und Wort" werden am 27. Februar, 19 Uhr, gereicht, mit den Jungwinzern des Jahres 2014/15 Michael Maier und Christian Escher, viel Hefekranz und ausgewählten Bonmots des Mundart-Königs höchstselbst. Das Allgäuer Duo Vivid Curls musikalisiert den Abend. "Zur Sache Schätzle" heißt es dann am 1. März, 20 Uhr, mit der schwäbischen Bestseller-Autorin Elisabeth Kabatek ("Spätzleblues", "Brezeltango"). Musizieren wird Susanne Schempp.

In Königs Heimat Dettingen, am 6. März, 17 Uhr, wird dann in der Brennscheuer Straße "Geistreiches" serviert: Mit Schnapsprobe, Trompetenmusik und Gedichten von Wilhelm König. Dauerbrenner Christoph Sonntag schließt dann am 15. März, 20 Uhr, den Dialektreigen ab, und zwar in der Stadthalle und mit den "besten Kracherszenen" aus fünf Programmen.

Programm auf einen Blick

Reutlinger Mundart-Wochen in der Volksbank Reutlingen, Gartenstraße 33

· Mittwoch, 10. Februar, 19.30 Uhr: Festakt mit Reden und Musik;

· Samstag, 13. Februar, 19 Uhr: Wellküren mit "Herz sticht";

· Mittwoch, 17. Februar, 20 Uhr: Helge & das Udo, "Ohne erkennbare Mängel";

· Freitag, 19. Februar, 20 Uhr: Martina Brandl "Irgendwas mit Sex";

· Samstag, 20. Februar, 14 Uhr: Jürgen H. Riedel liest für Menschen ab vier Jahren "Im Land der wilden Biber"; 19 Uhr: Karl-Heinz Dünnbier, "Bauklötze staunen";

· Samstag, 27. Februar, 19 Uhr: "Wein und Wort" mit Wilhelm König;

· Dienstag, 1. März, 20 Uhr: Elisabeth Kabatek, "Zur Sache, Schätzle";

· Sonntag, 6. März, 17 Uhr: "Geistreich" - Probe, Wort und Musik, Brennscheuer Straßer, Dettingen/Erms;

· Dienstag, 15. März, 20 Uhr: 100 Jahre Christoph Sonntag, Stadthalle Reutlingen.

Karten: im Konzertbüro und in der Volksbank Reutlingen.

SWP

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