Schutz von Kastanienbäumen: Kalkstickstoff wirkt in Bayern

CZA 31.08.2013

Was wäre Bayern ohne seine vielen prächtigen Biergärten und ohne ihre Kastanienbäume? Nicht auszudenken, würden die der Kastanienminiermotte und dem Blatt-Bräunepilz zum Opfer fallen. Keine Brotzeit samt Weißbier, kein Schweinsbraten mit Semmelknödel, keine Weißwurst und auch kein Leberkäs mit Brezel - unter Kastanien? In Bayern undenkbar.

Auch nicht beim Eckinger Wirt im niederbayerischen Ering am Inn. Dass zwei mächtigen Biergarten-Kastanien gesund und vital bleiben, dafür sorgen die die Wirtsleute Georg und Heidemarie Eckinger höchstpersönlich. Als sie das heruntergekommene, 170 Jahre alte Gebäude im Jahr 1989 erworben hatten und es in der Folge zu einem prächtigen Gasthof ausbauten, standen die beiden Rosskastanien bereits. Miniermottte: Fehlanzeige. Als sie erstmals auftauchte, erinnerte sich Georg an den Rat seines Vaters, den er ihm einst mit auf den Weg gegeben hatte: ,,Bua, heb runtergefallene Blätter gleich auf und vernichte sie. Im Spätherbst, wenn der Biergarten zu ist, düngst Du dann die Kastanien mit Kalkstickstoff. Wirst sehn, das hilft."

Georg tat, was ihm sein Vater geraten hatte und er tut es auch heute noch. Die Blätter im Herbst tagtäglich eingesammelt und vernichtet, wird dann, wenn der Biergarten in die Winterruhe gegangen ist, unter den Bäumen Kalkstickstoff ausgestreut. "Das tut den Bäumen gut, schau sie Dir doch an", sagten die Wirtsleut erst kürzlich voller Stolz. Wohl wissend, dass alle anderen Katanienbäume im Ort schon jetzt einen "grausligen" Eindruck machten. Wie der Kalkstickstoff das Auftreten der Miniermotte und auch des Pilzes weitestgehend verhindert, das wussten die Beiden (auch) nicht so recht.

Martin Schmid von der Abteilung Grünflächen im städtischen Amt für Tiefbau, Grünflächen und Umwelt dagegen schon. "Ja, das macht Sinn", sagt der Diplom-Agraringenieur aus Erfahrung. "Kalkstickstoff verätzt die aus den Kastanienblättern herausgefallenen, auf dem Boden liegenden Puppen der Miniermotte und tötet sie damit ab. Zudem wirkt Kalkstickstoff als Dünger, der die Blätter kräftigt und sie damit weniger anfällig für den Blattbräune-Pilz macht."

Somit steht fest, dass der Biergarten der Eckingers, auch dank seiner gesunden Kastanienbäume, weiter zu den schönsten seiner Art in ganz Niederbayern zählen wird.

Bräunepilz schwächt Bäume