Betzingen Schule im Fokus

Schulrektor Lothar Richter (links) und SPD-MdL Klaus Käppeler (ganz rechts) diskutierten am Freitagabend mit SPD-Genossen über den Schulstandort Betzingen. Foto: Norbert Leister
Schulrektor Lothar Richter (links) und SPD-MdL Klaus Käppeler (ganz rechts) diskutierten am Freitagabend mit SPD-Genossen über den Schulstandort Betzingen. Foto: Norbert Leister
NORBERT LEISTER 26.03.2012
Wie geht es weiter mit dem Betzinger Schulstandort? Dieser Frage ging am Freitag der SPD-Ortsverein zusammen mit Klaus Käppeler auf den Grund. Mit dabei war auch Schulrektor Lothar Richter.

Bildung ist der Schwerpunkt der neuen Landesregierung, sagte Klaus Käppeler am Freitagabend in trauter Runde vor etwa zehn Interessierten. 650 Millionen Euro habe Grün-Rot im ersten Jahr in die Bildung investiert, in neue Lehrerstellen etwa und vor allem in die U3-Förderung. Als SPD-Landtagsmitglied war Käppeler nach Betzingen gekommen, um mit den Genossinnen und Genossen dort über den Schulstandort Betzingen zu reden. Und auch, um sich anzuhören, was Lothar Richter zu sagen hatte: Das, was nach den Vorstellungen der grün-roten Regierung in einer Gemeinschaftsschule verlangt und anvisiert werde, sei im Prinzip an der Betzinger Hoffmannschule schon länger Programm, betonte der Rektor jener Grund- und Werkrealschule.

Ganztagsschule, Stärken-Schwächen-Analysen, individuelle Förderpläne, Kooperationen mit Vereinen - all das gebe es ja schon an der Hoffmannschule. Als problematisch betrachtet der Betzinger Schulleiter allerdings die anvisierte verstärkte Kooperation mit Eltern - das funktioniere jetzt in den meisten Fällen schon nicht. "Wir haben Jobpaten an den Schulen, Schulsozialarbeit und wir Lehrer übernehmen viele Erziehungsaufgaben", betonte Rektor Richter.

Momentan habe die Betzinger Schule genug mit der Umsetzung der Werkrealschule zu tun, der erste zehnte Jahrgang stehe jetzt gerade an. Wie das aber funktionieren soll, dass gleichzeitig bessere Schüler, die den Werkrealschulabschluss machen, und schlechtere, die den verpassten Hauptschulabschluss in der 10. Klasse nachholen, optimal unterrichtet werden sollen - das habe den Lehrern an der Hoffmannschule noch niemand erklärt.

Dennoch bezeichnet Lothar Richter die Werkrealschule als die "zur Zeit bestmögliche Lösung für die Hoffmannschule". Die Gemeinschaftsschule könne und wolle er seinem Lehrerkollegium zur Zeit nicht zumuten.

Außerdem gebe es in einer Arbeitsgruppe mit allen Reutlinger Schulen Gespräche, wie und wo die Gemeinschaftsschule am besten umgesetzt werden könnte. Auffällig sei dabei, dass "die Gymnasien sehr zurückhaltend der neuen Schulform gegenüberstehen", so Richter. Das bestätigte auch Werner Fink, der selbst Gymnasiallehrer war, seit seinem Ruhestand aber als Jobpate an der Hoffmannschule auch die Bedingungen an einer Hauptschule kennt. Und Fink sagte: "Gymnasiallehrer sind für diese neue Art des Lehrens an einer Gemeinschaftsschule gar nicht ausgebildet."

Dennoch befürchtet Betzingens Bezirksbürgermeister Thomas Keck, dass Reutlingens größte Teilgemeinde erneut eine große einmalige Chance entgehen könnte: Schon einmal war ja Betzingen als Standort für ein Gymnasium vorgesehen, dann habe im Zuge der Eingemeindung von Rommelsbach aber das BZN den Vorzug erhalten. Eine politische Entscheidung, wie Keck heute bedauert. Ob denn "die Gemeinschaftsschule vielleicht ein Vehikel wäre, um den Schulstandort Betzingen aufzuwerten?". Müsse vielleicht schnell reagiert werden, "bevor wieder eine andere bildungspolitisch-föderale Sau durch den Flecken getrieben wird", so Betzingens Ortsvorsteher. Im Moment sei die Werkrealschule die richtige Lösung für Betzingen, antwortete Richter. Nur: Wie nach dem Wegfall der Empfehlung für die weiterführenden Schulen sich die Eltern verhalten werden - das stehe momentan in den Sternen. In dem Punkt waren sich alle einig: "Da wird mit den Füßen abgestimmt", sagte Klaus Käppeler.