Reutlingen Schritt, der sich lohnen kann

Der indische Generalkonsul M. Sevala Naik (rechts) warb gestern Nachmittag vor gut 40 Unternehmern beim IHK-Wirtschaftstag Indien für seine Heimat. Foto: Ralph Bausinger
Der indische Generalkonsul M. Sevala Naik (rechts) warb gestern Nachmittag vor gut 40 Unternehmern beim IHK-Wirtschaftstag Indien für seine Heimat. Foto: Ralph Bausinger
Reutlingen / RALPH BAUSINGER 05.10.2012
"Der schlafende Riese ist längst aufgewacht", sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Epp. Der Wirtschaftsstandort Indien gewinnt zunehmend an Bedeutung - auch für Unternehmen aus der Region.

Indien ist, wie Epp und Generalkonsul M. Sevala Naik übereinstimmend sagten, ein wichtiger Wirtschaftspartner für Deutschland. Rund 27 Prozent der Exporte der Europäischen Union, die auf den Subkontinent gehen, kamen 2011 aus Deutschland und hatten im vergangenen Jahr ein Volumen von 10,8 Mrd. Euro. Besonders gefragt sind deutsche Maschinen und chemische Produkte. Im Gegenzug brachten indische Unternehmen vergangenes Jahr Waren im Wert von 7,5 Mrd. Euro nach Deutschland. Textilien und Bekleidung machten dabei ein Viertel der Exporte aus, gefolgt von chemischen Produkten und Maschinen.

Über 90 Unternehmen aus der Region Neckar-Alb haben Kontakte zu indischen Geschäftspartnern und exportieren in Ghandis Heimat. Allein in den ersten neun Monaten 2012 hat die IHK 1223 Ursprungszeugnisse ausgestellt - unter anderem für Siemens, CTR Beitlich, Boss, Paul Horn und Elring-Klinger. Unternehmen aus der Region führten 2011 Waren im Wert von rund 55 Mio. Euro aus.

Dabei ist Indien kein leicht zu erobernder Markt, wie Dirk Matter, Geschäftsführer der Deutsch-Indischen Handelskammer in Düsseldorf, und Prof. Dr. Dennis De von ESB School of Business gestern beim IHK-Wirtschaftstag deutlich machten. Insbesondere De arbeitete in seinem Vortrag über "Best Practices" die Unterschiede heraus. Als häufigste Fehler stellte der ESB-Professor nicht ausreichende Informationen sowie eine mangelnde Preis- und Produktanpassung voraus. De, der vor Joint-Ventures warnte, plädierte für eine gründliche Kundenakquise und ein eigenes Vertriebsbüro mit lokalen Mitarbeitern vor Ort. Sein Fazit: "Es ist nicht immer leicht, den indischen Markt zu erschließen, und es erfordert oft Geduld. Aber für die, die es ernsthaft verfolgen, ist es ein überaus lohnender Schritt."

Anschließend referierte Dr. Joachim Wamser aus Bochum über die Erfahrungen deutscher Unternehmen mit indischen Geschäftspartnern und indischem Personal. EZ-Scout Till Ahnert vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sprach über Entwicklungsprojekte in Indien und die Möglichkeit, diese finanziell zu begleiten. Und Jürgen Frick von der Lechler GmbH gab einen Bericht über die in Indien gemachten Erfahrungen ab. Den Nachmittag beschloss die Podiumsdiskussion "Als Deutsche(r) in Indien, als Inder(in) in Deutschland".

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